Zwischenmolekulare Kräfte bei Alkanen einfach erklärt
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Hast du dich jemals gefragt, warum das Gas in einem Feuerzeug unsichtbar und flüchtig ist, während Motoröl zähflüssig und Kerzenwachs sogar fest ist? Das Erstaunliche daran: Alle drei bestehen aus genau der gleichen Art von Molekülen – den Alkanen!

Der einzige Unterschied zwischen diesen Stoffen ist die Länge ihrer Kohlenstoffketten. In diesem Artikel werden wir das Geheimnis lüften, wie unsichtbare zwischenmolekulare Kräfte zwischen diesen Molekülen wirken. Du wirst lernen, wie die Kettenlänge bestimmt, ob ein Alkan kocht, schmilzt oder wie Honig fließt, und wie du diese Eigenschaften in Prüfungsaufgaben sicher vorhersagen kannst.
Vorwissen
Bevor wir uns die physikalischen Eigenschaften genauer ansehen, solltest du folgende Grundlagen kennen:
- Elektronegativität (EN) und unpolare Bindungen: Wenn zwei Atome Elektronen ähnlich stark anziehen, ist die Bindung unpolar. Beispiel: Die Bindung zwischen Kohlenstoff (C) und Wasserstoff (H) hat einen sehr geringen EN-Unterschied () und gilt als unpolar.
- Intramolekular vs. Intermolekular: Intramolekular bedeutet innerhalb eines Moleküls (die feste chemische Bindung). Intermolekular bedeutet zwischen zwei verschiedenen Molekülen (die Anziehungskraft, die sie zusammenhält).
Aufgabentyp 1: Physikalische Eigenschaften von Alkanen erklären
Die physikalischen Eigenschaften von Alkanen hängen stark von den zwischenmolekularen Kräften ab. Alkane bestehen nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Da der Elektronegativitätsunterschied minimal ist und die Atome tetraedrisch (sehr symmetrisch) angeordnet sind, heben sich alle winzigen Ladungen auf. Das gesamte Molekül ist unpolar. Es hat also keine festen Plus- oder Minuspole. Wie können sich solche Moleküle dann überhaupt anziehen und flüssig oder fest werden?
Die Antwort liegt in der ständigen Bewegung der Elektronen. Stell dir die Elektronen wie Autos auf einer Autobahn vor. Manchmal kommt es zufällig zu einem "Stau" auf einer Seite des Moleküls. Für einen winzigen Augenblick ist diese Seite leicht negativ geladen und die andere leicht positiv. Das nennt man einen temporären Dipol.

Dieser temporäre Dipol zwingt auch die Elektronen des Nachbarmoleküls, sich zu verschieben. Die Moleküle ziehen sich nun kurzzeitig an. Diese schwachen, zwischenmolekularen Anziehungskräfte nennt man London-Dispersionskräfte (oder kurz: London-Kräfte).
Der Einfluss der Kettenlänge auf den Siedepunkt
Je länger die Kohlenstoffkette eines Alkans ist, desto größer ist seine molekulare Oberfläche. Eine größere Oberfläche bedeutet, dass sich die Elektronenwolken leichter verschieben lassen (höhere Polarisierbarkeit) und es viel mehr Kontaktstellen zwischen den Molekülen gibt.

Stell dir das wie bei einem Klettverschluss vor: Ein sehr kurzes Stück Klettverschluss lässt sich leicht auseinanderziehen (niedriger Siedepunkt). Ein sehr langes Stück Klettverschluss haftet extrem stark aneinander (hoher Siedepunkt). Daher steigen die Siede- und Schmelzpunkte von Alkanen, wenn die Kettenlänge zunimmt, da die Summe der London-Kräfte immer stärker wird.
Die Grenze: Zersetzung vor dem Sieden
Wenn wir extrem langkettige Alkane betrachten (z. B. Eicosan, ), wird der "Klettverschluss" so stark, dass die London-Kräfte zwischen den Molekülen stärker werden als die chemischen Bindungen innerhalb des Moleküls. Wenn man versucht, Eicosan zu kochen, reicht die Hitzeenergie aus, um das Molekül selbst in Stücke zu reißen (es zersetzt sich), bevor sich die Moleküle voneinander trennen können.
Kettenlänge und Viskosität
Die Viskosität beschreibt den Widerstand einer Flüssigkeit gegen das Fließen – also ihre Zähflüssigkeit.
- Hohe Viskosität: Die Flüssigkeit ist dick und zäh (wie Honig).
- Niedrige Viskosität: Die Flüssigkeit ist dünn und fließt schnell (wie Wasser).
Wenn eine Flüssigkeit fließt, müssen die Moleküle aneinander vorbeigleiten. Bei flüssigen Kohlenwasserstoffen mit langen Kohlenstoffketten ist das sehr schwierig. Die langen Ketten verheddern sich leicht ineinander und die starken London-Kräfte halten sie fest zusammen. Daher haben längerkettige Alkane eine höhere Viskosität.

Der Einfluss der Temperatur
Wenn du eine zähe Flüssigkeit erhitzt, bewegen sich die Moleküle schneller. Diese zusätzliche Bewegungsenergie hilft ihnen, die London-Kräfte zu überwinden. Die Moleküle können wieder leichter aneinander vorbeigleiten. Regel: Die Viskosität einer Flüssigkeit nimmt bei steigender Temperatur ab.
[Real-World Context]: Motoröl
In Automotoren werden spezielle Gemische aus Kohlenwasserstoffen verwendet, um den Motor zu schmieren. Ein Motoröl muss eine ganz bestimmte Viskosität haben. Ein Öl mit der Aufschrift "5W 30" ist ein perfektes Beispiel:
- Das 5W (W steht für Winter) garantiert, dass das Öl bei kalten Temperaturen eine niedrige Viskosität behält (dünnflüssig genug ist), damit die Ölpumpe es beim Starten des Autos transportieren kann.
- Die 30 garantiert, dass das Öl bei 100 °C (wenn der Motor heiß ist) eine ausreichend hohe Viskosität behält (nicht zu dünnflüssig wird), damit der schützende Schmierfilm zwischen den Metallteilen nicht reißt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du in einer Prüfung begründen sollst, welches von zwei unverzweigten Alkanen den höheren Siedepunkt hat, nutze diesen Plan:
- Kettenlänge bestimmen: Zähle die Anzahl der Kohlenstoffatome in beiden Molekülen.
- Oberfläche und Kontaktstellen vergleichen: Notiere, dass das Molekül mit der längeren Kette eine größere molekulare Oberfläche und damit mehr Kontaktstellen zu seinen Nachbarn hat.
- London-Kräfte und Siedepunkt ableiten: Schlussfolgere: Mehr Kontaktstellen führen zu insgesamt stärkeren London-Dispersionskräften. Es wird mehr Wärmeenergie benötigt, um die Moleküle voneinander zu trennen. Das längere Alkan hat den höheren Siedepunkt.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Vergleiche die Siedepunkte von Pentan () und Nonan (). Begründe ausführlich, welches Alkan den höheren Siedepunkt besitzt.
- Schritt 1Kettenlänge bestimmen
Pentan hat 5 Kohlenstoffatome in der Kette. Nonan hat 9 Kohlenstoffatome.
- Schritt 2Oberfläche und Kontaktstellen vergleichen
Da Nonan eine längere Kohlenstoffkette besitzt, hat es eine deutlich größere molekulare Oberfläche als Pentan. Dadurch ergeben sich zwischen den Nonan-Molekülen viel mehr Kontaktstellen.
- Schritt 3 · ErgebnisLondon-Kräfte und Siedepunkt ableiten
Aufgrund der größeren Oberfläche und der höheren Polarisierbarkeit wirken zwischen den Nonan-Molekülen stärkere London-Dispersionskräfte. Es muss mehr Energie aufgewendet werden, um diese Kräfte zu überwinden.
Daher hat Nonan den höheren Siedepunkt.
Beispiel 2
Eicosan () ist ein langkettiges Alkan. Wenn man versucht, Eicosan bei normalem Luftdruck zu sieden, geht es nicht in den gasförmigen Zustand über, sondern zersetzt sich. Erkläre dieses Phänomen auf molekularer Ebene.
- Schritt 1Intermolekulare Kräfte analysieren
Eicosan hat eine extrem lange Kohlenstoffkette. Dadurch ist die molekulare Oberfläche riesig, was zu extrem starken London-Dispersionskräften zwischen den einzelnen Molekülen führt.
- Schritt 2Vergleich mit intramolekularen Bindungen
Um Eicosan zu sieden, müsste man so viel Hitzeenergie zuführen, um diese gewaltigen intermolekularen Kräfte zu überwinden. Bei dieser hohen Temperatur reicht die Energie jedoch bereits aus, um die kovalenten C-C-Bindungen innerhalb des Moleküls (intramolekular) aufzubrechen.
- Schritt 3 · ErgebnisSchlussfolgerung
Da die London-Kräfte zwischen den Molekülen stärker sind als die chemischen Bindungen im Molekül selbst, zerbrechen die Moleküle (Zersetzung), bevor sie sich voneinander lösen und gasförmig werden können.
Die Moleküle zerbrechen (Zersetzung), bevor sie sich voneinander lösen und gasförmig werden können.
Wichtige Erkenntnisse
- Alkane sind unpolare Moleküle. Sie ziehen sich nur über schwache London-Dispersionskräfte (temporäre Dipole) an.
- Je länger die Kohlenstoffkette, desto größer die Oberfläche und desto stärker die London-Kräfte.
- Siedepunkt: Steigt mit zunehmender Kettenlänge.
- Viskosität (Zähflüssigkeit): Steigt mit zunehmender Kettenlänge, nimmt aber bei Erwärmung ab.
- Sehr lange Alkane (wie ) zersetzen sich beim Erhitzen, da die Anziehung zwischen den Molekülen stärker wird als die Bindungen im Molekül selbst.
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Häufige Fragen
Was sind zwischenmolekulare Kräfte bei Alkanen?
Bei Alkanen wirken ausschließlich London-Dispersionskräfte (auch London-Kräfte genannt). Da Alkane unpolare Moleküle sind, entstehen diese Kräfte durch zufällige, kurzzeitige Verschiebungen der Elektronen. Diese bilden temporäre Dipole, die benachbarte Moleküle schwach anziehen.
Wie beeinflusst die Kettenlänge den Siedepunkt von Alkanen?
Je länger die Kohlenstoffkette eines Alkans ist, desto höher ist sein Siedepunkt. Eine längere Kette bedeutet eine größere molekulare Oberfläche. Dadurch gibt es mehr Kontaktstellen zwischen den Molekülen, was zu insgesamt stärkeren London-Kräften führt, die beim Sieden überwunden werden müssen.
Warum zersetzen sich sehr langkettige Alkane beim Erhitzen?
Bei extrem langen Alkanen (wie Eicosan) addieren sich die London-Kräfte zu einer enormen Stärke. Wenn du versuchst, sie zu sieden, wird die Anziehung zwischen den Molekülen stärker als die chemischen Bindungen innerhalb des Moleküls. Die Hitze zerreißt das Molekül, bevor es verdampfen kann.
Was ist Viskosität und wie verhält sie sich bei Alkanen?
Viskosität ist die Zähflüssigkeit eines Stoffes. Bei Alkanen steigt die Viskosität mit der Kettenlänge, da sich lange Moleküle leichter ineinander verheddern und durch starke London-Kräfte zusammengehalten werden. Erhitzt man das Alkan, bewegen sich die Moleküle schneller und die Viskosität nimmt ab.
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