Zitronensäure Herstellung einfach erklärt: Struktur & Ablauf
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Ob in sauren Gummibärchen, in der Limonade oder im Entkalker für das Badezimmer – überall steckt Citronensäure drin. Aber woher bekommt die Industrie diese riesigen Mengen? Niemand presst dafür Millionen von Zitronen aus!

In diesem Artikel zur Struktur und biotechnologischen Herstellung von Zitronensäure lernst du, wie die Industrie stattdessen winzige Schimmelpilze als kleine Fabriken nutzt, um Citronensäure herzustellen. Außerdem schauen wir uns an, wie das Molekül genau aufgebaut ist und mit welchen chemischen Tricks man es am Ende sauber aus dem Pilz-Becken herausfiltert.
Vorwissen
- Carboxylgruppe (-COOH): Die typische funktionelle Gruppe der Carbonsäuren. Sie macht ein Molekül zu einer Säure. Beispiel: Essigsäure () gibt in Wasser ein Wasserstoffion ab und reagiert sauer.
- Hydroxylgruppe (-OH): Die typische funktionelle Gruppe der Alkohole. Beispiel: Ethanol (Trinkalkohol) enthält eine -OH Gruppe.
- Fällungsreaktion: Eine Reaktion, bei der zwei gelöste Stoffe gemischt werden und ein unlöslicher Feststoff (Niederschlag) entsteht. Beispiel: Mischt man zwei bestimmte klare Lösungen, kann plötzlich ein weißes Pulver entstehen, das zu Boden sinkt.
Aufgabentyp 1: Der Aufbau der Citronensäure
Citronensäure ist in der Natur weit verbreitet. Sie kommt als Stoffwechselprodukt in fast allen Lebewesen vor. In unserem Alltag nutzen wir sie häufig als Entkalker, zur Konservierung oder als Säuerungsmittel in Lebensmitteln.
Schauen wir uns das Molekül genauer an:

Das Molekül besitzt ein Kohlenstoffgerüst mit zwei wichtigen Arten von funktionellen Gruppen:
- Es hat genau drei Carbonsäuregruppen (-COOH). Deshalb nennt man sie auch eine Tricarbonsäure ("tri" bedeutet drei).
- In der Mitte sitzt zusätzlich eine Hydroxylgruppe (-OH).
Wenn du die Strukturformel selbst zeichnen musst, kannst du dir dieses Muster merken:
Aufgabentyp 2: Herstellung und Reinigung im Großmaßstab
Weil wir weltweit riesige Mengen an Citronensäure brauchen, nutzt die Industrie die Biotechnologie. In riesigen Tanks, den sogenannten Bioreaktoren, leben spezielle Schimmelpilze (Aspergillus niger). Diese Pilze werden mit Melasse (einem zuckerhaltigen Reststoff der Zuckerproduktion) gefüttert.
Unter ganz bestimmten Bedingungen – viel Zucker (Glucose), viel Sauerstoff, ein niedriger pH-Wert und eine sehr geringe Konzentration an Eisen-Ionen () – produzieren die Pilze massenhaft Citronensäure und geben sie in die Flüssigkeit ab.
Das Problem: Die Flüssigkeit im Reaktor ist nun eine schmutzige Brühe aus Pilzresten, Restzucker und der gelösten Citronensäure. Um die Säure rein herauszubekommen, nutzt man einen chemischen Trick in zwei Schritten:
Schritt 1: Die Fällung (Das Einfangen)
Man gibt Kalkmilch zur Brühe. Die Kalkmilch reagiert mit der gelösten Citronensäure zu Calciumcitrat. Das Besondere daran: Calciumcitrat ist schwer löslich! Es wird zu einem Feststoff und sinkt als Niederschlag zu Boden.

Jetzt kann man diesen Feststoff einfach aus der schmutzigen Brühe herausfiltern. Der ganze Schmutz bleibt in der Flüssigkeit zurück und wird weggeworfen.
Schritt 2: Die Rückgewinnung (Das Befreien)
Wir haben jetzt sauberes, festes Calciumcitrat im Filter, wollen aber eigentlich flüssige Citronensäure haben. Dafür gibt man verdünnte Schwefelsäure zum Feststoff. Die starke Schwefelsäure verdrängt die Citronensäure aus dem Salz.
Das Ergebnis: Wir erhalten unsere reine Citronensäure zurück in die Lösung. Als neues Abfallprodukt entsteht Gips (Calciumsulfat), der als Feststoff ausfällt und ganz leicht weggefiltert werden kann. Übrig bleibt reine Citronensäure!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Dieses "Einfangen und Befreien" ist ein Standardverfahren in der Chemie, um Stoffe aus unsauberen Gemischen zu isolieren.
- Verwandle den Zielstoff in einen Feststoff: Gib ein Reaktionsmittel wie Kalkmilch hinzu, das ein schwerlösliches Salz bildet.
- Filtriere das Gemisch: Trenne den entstandenen Feststoff von der restlichen, verunreinigten Flüssigkeit ab.
- Setze den Zielstoff wieder frei: Gib eine stärkere Säure wie Schwefelsäure zum Feststoff, um die ursprüngliche Säure zurückzugewinnen.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Erkläre, warum man bei der industriellen Herstellung von Citronensäure nicht einfach das Wasser aus dem Bioreaktor verdampft, um an die Säure zu gelangen, sondern den chemischen Umweg über Kalkmilch und Schwefelsäure geht.
- Schritt 1Analyse der Ausgangssituation
Im Bioreaktor befindet sich keine reine Citronensäure-Wasser-Mischung, sondern eine Fermentationsbrühe. Diese enthält neben der Säure auch Pilzreste, nicht verbrauchte Melasse (Zucker) und andere Nebenprodukte.
- Schritt 2Folgen des Verdampfens
Würde man einfach das Wasser verdampfen, würden all diese Verunreinigungen zusammen mit der Citronensäure im Gefäß zurückbleiben. Man erhielte eine klebrige, unreine Masse.
- Schritt 3 · ErgebnisBegründung des chemischen Umwegs
Der Umweg über Kalkmilch und Schwefelsäure ist ein notwendiger Reinigungsschritt. Durch die Kalkmilch wird gezielt nur die Citronensäure als festes Calciumcitrat ausgefällt und kann so sauber von den flüssigen Verunreinigungen getrennt werden.
Der chemische Umweg ist zwingend erforderlich, um die Citronensäure von den Verunreinigungen der Fermentationsbrühe zu trennen und in reiner Form zu isolieren.
Wichtige Erkenntnisse
- Citronensäure ist eine Tricarbonsäure (enthält drei Gruppen) mit einer zusätzlichen Gruppe.
- Sie wird biotechnologisch in Bioreaktoren hergestellt, indem der Schimmelpilz Aspergillus niger zuckerhaltige Melasse frisst.
- Zur Isolierung wird die Säure zuerst mit Kalkmilch als festes Calciumcitrat ausgefällt (Fällung).
- Danach wird sie mit Schwefelsäure wieder als reine, flüssige Citronensäure freigesetzt (Rückgewinnung).
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Häufige Fragen
Was ist Zitronensäure chemisch gesehen?
Chemisch gesehen ist Zitronensäure (oder Citronensäure) eine Tricarbonsäure. Das bedeutet, sie besitzt ein Kohlenstoffgerüst mit genau drei Carbonsäuregruppen (-COOH). Zusätzlich hat sie in der Mitte eine Hydroxylgruppe (-OH). Sie kommt natürlich in fast allen Lebewesen vor.
Wie funktioniert die biotechnologische Herstellung von Zitronensäure?
Die Industrie nutzt riesige Tanks, sogenannte Bioreaktoren. Darin werden spezielle Schimmelpilze (Aspergillus niger) mit zuckerhaltiger Melasse gefüttert. Unter bestimmten Bedingungen produzieren diese Pilze große Mengen an Zitronensäure und geben sie in die umgebende Flüssigkeit ab.
Warum wird bei der Herstellung Kalkmilch verwendet?
Die Kalkmilch dient der Fällung. Die Flüssigkeit im Bioreaktor ist eine unsaubere Brühe. Gibt man Kalkmilch hinzu, reagiert diese gezielt mit der Zitronensäure zu Calciumcitrat. Dieses Salz ist schwer löslich, sinkt als Feststoff zu Boden und kann so einfach aus dem Schmutz herausgefiltert werden.
Wie gewinnt man die reine Zitronensäure aus dem Calciumcitrat zurück?
Um die flüssige Säure aus dem festen Calciumcitrat zu befreien, gibt man verdünnte Schwefelsäure hinzu. Die stärkere Schwefelsäure verdrängt die Zitronensäure aus dem Salz. Als Abfallprodukt entsteht Gips, der herausgefiltert wird, und übrig bleibt die reine, gelöste Zitronensäure.
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