Van-der-Waals-Kräfte und Dipol-Wechselwirkungen einfach erklärt
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Hast du dich jemals gefragt, wie ein Gecko kopfüber an einer glatten Glasscheibe laufen kann, ohne herunterzufallen? Er benutzt keinen Klebstoff und keine Saugnäpfe. Die Antwort liegt in winzigen, unsichtbaren Kräften zwischen den Molekülen seiner Füße und dem Glas!

In dieser Lektion lernen wir diese unsichtbaren „Klettverschlüsse“ der Chemie kennen: die Van-der-Waals-Kräfte und Dipol-Wechselwirkungen. Du wirst verstehen, wie zufällige und dauerhafte Ladungen in Molekülen entstehen und wie du vorhersagen kannst, welche Moleküle sich wie starke Magnete anziehen.
Vorwissen
Bevor wir uns die Van-der-Waals-Kräfte und Dipol-Wechselwirkungen genauer ansehen, solltest du zwei wichtige Grundlagen der Chemie kennen:
- Elektronegativität (EN): Die Fähigkeit eines Atoms, Elektronen in einer Bindung an sich zu ziehen. Beispiel: Sauerstoff zieht Elektronen stärker an als Wasserstoff.
- Partialladungen (Teilladungen): Entstehen, wenn Elektronen in einem Molekül ungleich verteilt sind. Beispiel: Im -Molekül ist das H-Atom leicht positiv () und das Cl-Atom leicht negativ ().
Aufgabentyp 1: Die richtige Kraft bestimmen
Um zu verstehen, welche Kräfte zwischen Molekülen wirken, müssen wir zwischen temporären und permanenten Dipolen unterscheiden.
Stell dir vor, die Elektronen in einem Atom sind wie eine wuselige Schafherde auf einer Weide. Meistens sind sie gleichmäßig verteilt. Aber durch ihre ständige Bewegung kann es passieren, dass zufällig alle Schafe auf eine Seite rennen. Genau das passiert mit Elektronen: Für einen winzigen Moment sammeln sie sich auf einer Seite des Atoms.
Diese Seite wird dadurch leicht negativ (), während die andere Seite, der nun Elektronen fehlen, leicht positiv () wird. Das nennt man einen temporären Dipol (einen „vorübergehenden“ Zweipol).

Wenn dieses Atom nun einem anderen Atom nahekommt, stößt seine negative Seite die Elektronen des Nachbarn ab. So wird dem Nachbarn ebenfalls ein Dipol aufgezwungen – ein induzierter Dipol. Die positive Seite des einen und die negative Seite des anderen ziehen sich nun an.
Diese schwache, elektrostatische Anziehung nennt man London-Kräfte. Sie sind eine Form der Van-der-Waals-Kräfte. London-Kräfte wirken zwischen allen Teilchen, sind aber besonders wichtig bei Stoffen, die sonst völlig unpolar sind, wie zum Beispiel Edelgasen, Alkanen (wie in Benzin) oder dem Molekülgitter von festem Iod.
Manche Moleküle müssen nicht auf den Zufall warten. Sie haben feste, ungleiche Ladungen, weil ein Atom viel stärker an den Elektronen zieht (höhere Elektronegativität) und das Molekül asymmetrisch gebaut ist. Solche Moleküle nennt man permanente Dipole.
Ein Beispiel ist Chlormethan (). Das Chlor-Atom zieht die Elektronen dauerhaft zu sich und wird , während der Rest des Moleküls bleibt.

Wenn sich zwei solcher Moleküle treffen, zieht der positive Pol des einen den negativen Pol des anderen an. Diese Anziehung nennt man Dipol-Dipol-Kräfte (oder Keesom-Kräfte). Da diese Ladungen dauerhaft vorhanden sind, sind Dipol-Dipol-Kräfte in der Regel deutlich stärker als die zufälligen London-Kräfte.
Wichtig: Der Oberbegriff Van-der-Waals-Kräfte umfasst sowohl die schwächeren London-Kräfte als auch die stärkeren Dipol-Dipol-Kräfte. Weitere Beispiele für Moleküle, die durch Dipol-Dipol-Kräfte zusammengehalten werden, sind Chlorfluorid (), Bromfluorid () und Dimethylether ().
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wie findest du heraus, welche Van-der-Waals-Kraft zwischen Molekülen eines Stoffes hauptsächlich wirkt?
- Schritt 1: Elektronegativität prüfen – Gibt es Atome im Molekül, die unterschiedlich stark an Elektronen ziehen? (Tipp: C und H ziehen fast gleich stark, hier gibt es kaum Unterschiede).
- Schritt 2: Symmetrie prüfen – Heben sich die Ladungen durch eine symmetrische Form auf? Wenn ja, ist das Molekül unpolar. Wenn nein, ist es ein permanenter Dipol.
- Schritt 3: Kraft benennen – Unpolar (kein permanenter Dipol): Es wirken nur die schwachen London-Kräfte. Polar (permanenter Dipol): Es wirken hauptsächlich die stärkeren Dipol-Dipol-Kräfte.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Bestimme, welche Art von Van-der-Waals-Kraft hauptsächlich zwischen den Molekülen von Bromfluorid () und zwischen den Molekülen von Iod () wirkt.
- Schritt 1Elektronegativität prüfen
Bei zieht Fluor (F) stärker an den Elektronen als Brom (Br). Es entstehen Partialladungen. Bei sind beide Atome gleich (Iod). Sie ziehen exakt gleich stark an den Elektronen. Es gibt keine Partialladungen.
- Schritt 2Symmetrie prüfen
besteht nur aus zwei unterschiedlichen Atomen und ist asymmetrisch. Es ist ein permanenter Dipol. ist völlig symmetrisch und unpolar.
- Schritt 3 · ErgebnisKraft benennen
Zwischen den permanenten Dipolen von wirken hauptsächlich Dipol-Dipol-Kräfte. Zwischen den unpolaren -Molekülen wirken ausschließlich London-Kräfte.
Bei wirken hauptsächlich Dipol-Dipol-Kräfte, bei ausschließlich London-Kräfte.
Wichtige Erkenntnisse
- Zwischenmolekulare Kräfte sind Wechselwirkungen, die Moleküle anziehen, wenn sie sich nähern.
- London-Kräfte entstehen durch zufällige, temporäre Dipole und wirken bei unpolaren Stoffen (z. B. Edelgase, Alkane, Iod).
- Dipol-Dipol-Kräfte wirken zwischen permanenten Dipolen (asymmetrische Moleküle mit Elektronegativitätsunterschieden).
- Dipol-Dipol-Kräfte sind meist stärker als London-Kräfte, aber beide gehören zu den Van-der-Waals-Kräften.
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Häufige Fragen
Was sind Van-der-Waals-Kräfte und Dipol-Wechselwirkungen?
Van-der-Waals-Kräfte sind schwache, unsichtbare Anziehungskräfte zwischen Molekülen. Sie umfassen sowohl die schwächeren London-Kräfte als auch die stärkeren Dipol-Dipol-Kräfte. Diese zwischenmolekularen Kräfte sorgen dafür, dass Moleküle zusammenhalten, und erklären Phänomene wie die Haftung von Geckos an Glasscheiben.
Was ist der Unterschied zwischen London-Kräften und Dipol-Dipol-Kräften?
London-Kräfte wirken zwischen allen Teilchen, besonders aber bei unpolaren Molekülen. Sie entstehen durch zufällige, temporäre Dipole. Dipol-Dipol-Kräfte hingegen wirken zwischen permanenten Dipolen, also asymmetrischen Molekülen mit festen Ladungsunterschieden. Da diese Ladungen dauerhaft sind, sind Dipol-Dipol-Kräfte meist deutlich stärker.
Wie entstehen temporäre Dipole?
Ein temporärer Dipol entsteht, wenn sich die Elektronen in einem Atom oder Molekül durch ihre ständige Bewegung zufällig für einen kurzen Moment auf einer Seite sammeln. Diese Seite wird dadurch leicht negativ geladen, während die andere Seite leicht positiv wird. Dies führt zu einer kurzzeitigen Anziehung benachbarter Teilchen.
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