Temperatur und Reaktionskinetik einfach erklärt: RGT-Regel
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Hast du dich schon einmal gefragt, warum wir Milch in den Kühlschrank stellen und sie nicht einfach in der Sonne stehen lassen? Die Antwort hat direkt mit dem Einfluss der Temperatur auf die Reaktionskinetik zu tun!

Wenn es warm ist, laufen die chemischen Prozesse, die Lebensmittel verderben lassen, viel schneller ab. In dieser Lektion werden wir genau lernen, warum Wärme die Teilchen so stark beeinflusst. Du wirst verstehen, wie sich die Geschwindigkeiten von Teilchen verteilen und wie du mit einer einfachen Regel berechnen kannst, um wie viel schneller eine Reaktion bei Hitze abläuft.
Vorwissen
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Aktivierungsenergie (): Die minimale Energie, die Teilchen bei einem Zusammenstoß benötigen, damit eine chemische Reaktion überhaupt startet.
Beispiel: Ein Streichholz entzündet sich nicht von selbst; es muss erst mit etwas Energie an der Schachtel gerieben werden.
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Stoßtheorie: Eine Reaktion findet nur statt, wenn Teilchen mit ausreichend Wucht (Energie) und im richtigen Winkel zusammenstoßen.
Beispiel: Zwei Autos, die nur leicht aneinanderstoßen, bekommen keinen großen Schaden. Nur bei einem heftigen Frontalzusammenstoß verformt sich das Metall.
Aufgabentyp 1: Die Maxwell-Boltzmann-Geschwindigkeitsverteilung
Stell dir vor, du fährst auf der Autobahn. Nicht alle Autos fahren gleich schnell. Manche schleichen, die meisten fahren eine mittlere Geschwindigkeit, und einige wenige rasen. Genau so verhalten sich Teilchen in einem Stoff! Diese Verteilung der Geschwindigkeiten nennen wir die Maxwell-Boltzmann-Verteilung.

Im Diagramm sehen wir zwei Kurven. Das kalte Gas hat einen hohen Berg bei einer niedrigen Geschwindigkeit. Die meisten Teilchen sind also eher langsam. Wenn wir das Gas erhitzen, entsteht das heiße Gas. Die Kurve wird flacher und breiter. Die Teilchen sind im Durchschnitt viel schneller unterwegs!
Erinnerst du dich an die Aktivierungsenergie? Damit eine chemische Reaktion startet, müssen die Teilchen mit einer bestimmten Mindestgeschwindigkeit zusammenstoßen. Im Diagramm ist das der Bereich rechts von der gestrichelten Linie. Beim heißen Gas ist die Fläche unter der Kurve in diesem Bereich viel größer. Das bedeutet: Viel mehr Teilchen sind schnell genug, um zu reagieren! Die Reaktion läuft schneller ab.
Die Kettenreaktion (Explosion):
Manchmal kann sich eine Reaktion selbst beschleunigen, wie bei der Explosion von Knallgas (Wasserstoff und Sauerstoff). Bei Raumtemperatur sind fast alle Teilchen zu langsam. Führen wir aber einen kleinen Funken hinzu, reagieren die ersten Teilchen. Dabei wird extrem viel Wärmeenergie frei (exotherme Reaktion). Diese neue Wärme erhitzt die umliegenden Teilchen. Plötzlich erreichen immer mehr Teilchen die Mindestgeschwindigkeit . Sie reagieren, setzen noch mehr Wärme frei, und die Reaktion wird in Sekundenbruchteilen so rasend schnell, dass es zu einer gewaltigen Explosion kommt.
Modellversuch zur Geschwindigkeitsverteilung
Zweck: Sichtbarmachen, wie sich die Geschwindigkeiten von Teilchen zufällig verteilen.
Materialien: Vibrationsplatte, 100 kleine Glaskugeln, Auffangkammern.
Vorgehen:
- Schalte die Vibrationsplatte ein, um die Temperatur eines Gases zu simulieren.
- Gib die Glaskugeln auf die vibrierende Platte.
- Lass die Kugeln durch eine seitliche Öffnung in die Auffangkammern fallen.

Beobachtung: Die Kugeln fliegen unterschiedlich weit. Die meisten Kugeln landen in den mittleren Kammern. Nur sehr wenige Kugeln fallen in die allererste Kammer (sehr langsam) oder fliegen bis in die letzte Kammer (sehr schnell).
Erklärung: Die Vibration der Platte überträgt Bewegungsenergie auf die Kugeln, genau wie Wärmeenergie die Gasteilchen bewegt. Die zufälligen Zusammenstöße sorgen dafür, dass sich eine typische Geschwindigkeitsverteilung einstellt – genau wie in der Maxwell-Boltzmann-Verteilung.
Aufgabentyp 2: Die Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel (RGT-Regel)
Wir wissen nun, dass Wärme eine Reaktion beschleunigt. Aber wie stark genau? Um das schnell im Kopf abzuschätzen, nutzen Chemiker eine einfache Faustregel: die RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel).

Die Regel besagt: Bei vielen Reaktionen bewirkt eine Temperaturerhöhung um (oder ) etwa eine Verdopplung der Reaktionsgeschwindigkeit.
Wenn du also ein Experiment hast, das bei eine Minute dauert, wird es bei doppelt so schnell ablaufen (also nur noch 30 Sekunden dauern). Erhöhst du die Temperatur noch weiter auf , verdoppelt sich die Geschwindigkeit erneut – sie ist dann viermal so hoch wie am Anfang! Es handelt sich hierbei um ein exponentielles Wachstum.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Temperaturdifferenz berechnen: Ziehe die Starttemperatur von der Endtemperatur ab, um zu sehen, um wie viel Grad das Gemisch erhitzt wurde: .
- Anzahl der 10-Grad-Schritte bestimmen: Teile die Temperaturdifferenz durch , um herauszufinden, wie oft sich die Geschwindigkeit verdoppelt: .
- Beschleunigungsfaktor berechnen: Nimm die Zahl und rechne sie hoch die Anzahl der Schritte (). Das Ergebnis ist dein Faktor: .
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Die Temperatur eines Reaktionsgemisches wird von auf erhöht. Bestimme mithilfe der RGT-Regel den Faktor, um den die Reaktionsgeschwindigkeit zunimmt.
- Schritt 1Temperaturdifferenz berechnen
Wir berechnen zuerst, um wie viel Grad die Temperatur gestiegen ist:
- Schritt 2Anzahl der 10-Grad-Schritte bestimmen
Wir teilen die Differenz durch , um die Anzahl der Verdopplungen () zu finden:
- Schritt 3 · ErgebnisBeschleunigungsfaktor berechnen
Wir setzen in unsere Formel ein:
Die Reaktionsgeschwindigkeit nimmt um den Faktor 512 zu. Das bedeutet, die Reaktion läuft 512-mal schneller ab als vorher. Das Ergebnis macht physikalisch Sinn, da eine Erhöhung um fast den Siedepunkt von Wasser eine enorme Beschleunigung der Teilchen bedeutet.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Maxwell-Boltzmann-Verteilung zeigt, dass Teilchen in einem Stoff unterschiedlich schnell sind.
- Eine höhere Temperatur macht die Kurve flacher und breiter, wodurch viel mehr Teilchen die nötige Mindestgeschwindigkeit () für eine Reaktion erreichen.
- Exotherme Reaktionen (wie Explosionen) können sich selbst beschleunigen, weil die freigesetzte Wärme immer mehr Teilchen über die Mindestgeschwindigkeit bringt.
- Die RGT-Regel besagt: Eine Temperaturerhöhung um verdoppelt die Reaktionsgeschwindigkeit.
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Häufige Fragen
Was ist der Einfluss der Temperatur auf die Reaktionskinetik?
Der Einfluss der Temperatur auf die Reaktionskinetik ist enorm: Eine höhere Temperatur führt dazu, dass sich die Teilchen schneller bewegen. Dadurch stoßen sie häufiger und mit mehr Energie zusammen. Das bedeutet, dass mehr Teilchen die nötige Aktivierungsenergie erreichen und die chemische Reaktion insgesamt deutlich schneller abläuft.
Was besagt die RGT-Regel?
Die RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel) ist eine praktische Faustregel in der Chemie. Sie besagt, dass sich die Reaktionsgeschwindigkeit bei einer Temperaturerhöhung um 10 °C (oder 10 K) ungefähr verdoppelt. So kannst du schnell abschätzen, wie stark Wärme eine Reaktion beschleunigt.
Warum ist die Maxwell-Boltzmann-Verteilung wichtig für die Reaktionskinetik?
Die Maxwell-Boltzmann-Verteilung zeigt, dass nicht alle Teilchen in einem Gas gleich schnell sind. Wenn die Temperatur steigt, wird die Verteilungskurve flacher und breiter. Das veranschaulicht, dass plötzlich ein viel größerer Anteil der Teilchen die Mindestgeschwindigkeit besitzt, um bei einem Zusammenstoß erfolgreich zu reagieren.
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