Struktur & Eigenschaften von Aldehyden und Ketonen erklärt
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Hast du dich schon mal gefragt, warum Zimt und Vanille so gut riechen oder warum Nagellackentferner so einen stechenden Geruch hat? Wenn es um die Struktur und physikalische Eigenschaften von Aldehyden und Ketonen geht, findest du hier die Antworten.

Das liegt an einer ganz bestimmten Gruppe von Molekülen: den Aldehyden und Ketonen. Sie sind nicht nur für viele Düfte und Aromen in der Natur verantwortlich, sondern haben auch faszinierende physikalische Eigenschaften, die sie zu perfekten Lösungsmitteln machen. In dieser Lektion schauen wir uns an, wie diese Moleküle aufgebaut sind und warum schon kleine Unterschiede in ihrer Struktur ihr Verhalten beim Kochen oder Mischen komplett verändern.
Vorwissen
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Elektronegativität (EN) und Partialladungen: Atome ziehen Elektronen unterschiedlich stark an. Das stärkere Atom bekommt eine negative Teilladung (), das schwächere eine positive ().
Beispiel: Im Wassermolekül zieht der Sauerstoff stärker an den Elektronen als der Wasserstoff.
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Wasserstoffbrückenbindungen: Sehr starke Anziehungskräfte zwischen Molekülen. Sie entstehen nur, wenn ein Wasserstoffatom direkt an ein sehr elektronegatives Atom (wie Sauerstoff) gebunden ist.
Beispiel: Alkoholmoleküle ziehen sich untereinander durch Wasserstoffbrücken stark an, was zu hohen Siedepunkten führt.
Aufgabentyp 1: Eigenschaften von Aldehyden und Ketonen bestimmen
Um die Struktur und physikalische Eigenschaften von Aldehyden und Ketonen zu verstehen, schauen wir uns zunächst ihre funktionelle Gruppe an: die Carbonylgruppe. Das ist ein Kohlenstoffatom, das über eine Doppelbindung mit einem Sauerstoffatom verbunden ist ().
Sauerstoff hat eine viel höhere Elektronegativität (3,5) als Kohlenstoff (2,5). Das bedeutet, der Sauerstoff zieht die Elektronen der Doppelbindung stark zu sich heran. Dadurch bekommt das Sauerstoffatom eine negative Teilladung () und das Kohlenstoffatom eine positive Teilladung (). Die Carbonylgruppe ist also stark polar.

Obwohl beide Molekülarten diese Gruppe besitzen, gibt es einen wichtigen Bauunterschied:
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Aldehyde: Hier sitzt die Carbonylgruppe immer am Ende der Kohlenstoffkette. Das bedeutet, das Kohlenstoffatom der Carbonylgruppe ist mit mindestens einem Wasserstoffatom verbunden. Die allgemeine Formel ist .
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Ketone: Hier sitzt die Carbonylgruppe in der Mitte der Kette. Das Kohlenstoffatom ist links und rechts mit weiteren Kohlenstoffatomen (Alkylresten) verbunden. Die allgemeine Formel ist .

Die polare Carbonylgruppe bestimmt, wie die Moleküle miteinander und mit anderen Stoffen interagieren.
Siedepunkte im Vergleich: Weil die Moleküle polar sind, ziehen sie sich gegenseitig wie kleine Magnete an. Diese Anziehung nennt man Dipol-Dipol-Kräfte.
- Sie sieden bei höheren Temperaturen als Alkane (die unpolar sind und nur schwache Van-der-Waals-Kräfte haben).
- Sie sieden jedoch bei niedrigeren Temperaturen als Alkohole. Warum? Alkohole können untereinander sehr starke Wasserstoffbrückenbindungen bilden. Aldehyde und Ketone können das untereinander nicht, da ihnen ein positiv polarisiertes Wasserstoffatom fehlt, das direkt an den Sauerstoff gebunden ist.
Löslichkeit in Wasser: Obwohl sie untereinander keine Wasserstoffbrücken bilden können, können sie das mit Wasser tun! Das Wassermolekül liefert nämlich das passende Wasserstoffatom, welches sich an den Sauerstoff der Carbonylgruppe anheftet.

Deshalb sind kurzkettige Aldehyde und Ketone (wie Propanon/Aceton) sehr gut in Wasser löslich.
Der Einfluss der Kettenlänge: Jedes Aldehyd oder Keton hat auch eine unpolare Kohlenstoffkette. Je länger diese Kette wird, desto mehr überwiegt dieser wasserabweisende (hydrophobe) Teil.

Ab einer Länge von etwa 5 bis 6 Kohlenstoffatomen sind sie in Wasser praktisch unlöslich. Dafür lösen sie sich dann hervorragend in unpolaren Lösungsmitteln wie Benzin.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Nutze diesen Plan, um Moleküle nach ihrem Siedepunkt oder ihrer Löslichkeit zu ordnen.
- Bestimme die Molekülklasse und Kräfte: Identifiziere, ob es ein Alkan, Aldehyd/Keton oder Alkohol ist und welche Kräfte wirken.
- Ordne die Siedepunkte: Nutze bei ähnlicher Größe die Regel: .
- Prüfe die Löslichkeit: Beurteile die Kettenlänge. Kurze Ketten sind wasserlöslich, lange Ketten (ab 5 C-Atomen) sind lipophil.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ordne die folgenden drei Stoffe nach steigendem Siedepunkt und begründe deine Entscheidung: Propan, Propan-1-ol, Propanal. (Alle drei haben eine ähnliche Molekülmasse).
- Schritt 1Molekülklasse und Kräfte bestimmen
- Propan ist ein Alkan. Es wirken nur schwache Van-der-Waals-Kräfte.
- Propanal ist ein Aldehyd. Es wirken mittelstarke Dipol-Dipol-Kräfte.
- Propan-1-ol ist ein Alkohol. Es wirken starke Wasserstoffbrückenbindungen.
- Schritt 2 · ErgebnisSiedepunkte ordnen
Da stärkere Kräfte mehr Energie (Wärme) zum Trennen der Moleküle benötigen, ergibt sich folgende Reihenfolge: Propan < Propanal < Propan-1-ol.
Die korrekte Reihenfolge nach steigendem Siedepunkt lautet: Propan < Propanal < Propan-1-ol.
Beispiel 2
Erkläre, warum sich Butanon (4 Kohlenstoffatome) gut in Wasser löst, Octan-2-on (8 Kohlenstoffatome) hingegen nicht.
- Schritt 1Molekülklasse und Kräfte bestimmen
Beide Stoffe sind Ketone und besitzen eine polare Carbonylgruppe, die Wasserstoffbrücken mit Wassermolekülen bilden kann.
- Schritt 2 · ErgebnisLöslichkeit prüfen
Butanon hat eine kurze Kohlenstoffkette, weshalb der polare, wasserliebende Einfluss der Carbonylgruppe überwiegt. Octan-2-on hat eine sehr lange, unpolare Kohlenstoffkette (8 C-Atome). Dieser wasserabweisende Teil ist so groß, dass er die polare Eigenschaft der Carbonylgruppe überdeckt, wodurch das Molekül wasserunlöslich wird.
Butanon ist aufgrund der kurzen Kette wasserlöslich, während bei Octan-2-on der unpolare Teil überwiegt und es wasserunlöslich macht.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Carbonylgruppe (C=O) ist stark polar (Sauerstoff ist , Kohlenstoff ist ).
- Aldehyde haben die Gruppe am Rand (mit H-Atom), Ketone in der Mitte (zwischen C-Atomen).
- Sie bilden untereinander Dipol-Dipol-Kräfte, aber keine Wasserstoffbrücken. Daher liegen ihre Siedepunkte zwischen denen von Alkanen und Alkoholen.
- Kurzkettige Vertreter sind wasserlöslich (da sie H-Brücken mit Wasser bilden können). Ab ca. 5 C-Atomen überwiegt die unpolare Kette und sie werden wasserunlöslich.
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Häufige Fragen
Was sind Aldehyde und Ketone?
Aldehyde und Ketone sind organische Moleküle, die eine polare Carbonylgruppe (C=O) besitzen. Bei Aldehyden sitzt diese Gruppe am Ende der Kohlenstoffkette, bei Ketonen in der Mitte. Sie sind für viele natürliche Düfte verantwortlich und dienen oft als Lösungsmittel.
Warum haben Aldehyde und Ketone niedrigere Siedepunkte als Alkohole?
Im Gegensatz zu Alkoholen fehlt Aldehyden und Ketonen ein Wasserstoffatom, das direkt an ein stark elektronegatives Sauerstoffatom gebunden ist. Deshalb können sie untereinander keine starken Wasserstoffbrückenbindungen ausbilden, sondern nur mittelstarke Dipol-Dipol-Kräfte. Das führt zu niedrigeren Siedepunkten im Vergleich zu Alkoholen.
Warum sind kurzkettige Aldehyde und Ketone gut in Wasser löslich?
Obwohl sie untereinander keine Wasserstoffbrücken bilden, können sie dies mit Wassermolekülen tun. Der negativ polarisierte Sauerstoff der Carbonylgruppe zieht die positiv polarisierten Wasserstoffatome des Wassers an. Ab einer Kettenlänge von etwa fünf Kohlenstoffatomen überwiegt jedoch der wasserabweisende Teil, und sie werden unlöslich.
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