Säure-Base-Indikatoren bei der Titration einfach erklärt
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Wenn wir Säure-Base-Indikatoren bei der Titration verwenden, ist das so, als würden wir chemische Ampeln aufstellen. Stell dir vor, du fährst Auto und es gäbe keine Ampeln. Du wüsstest nie genau, wann du anhalten musst. In der Chemie haben wir bei einer Titration ein ähnliches Problem: Die Lösungen sind oft durchsichtig wie Wasser. Woher wissen wir also, wann die Reaktion genau beendet ist?

Hier kommen Säure-Base-Indikatoren ins Spiel. Sie sind wie chemische Ampeln oder kleine Chamäleons, die durch einen plötzlichen Farbwechsel anzeigen, dass der Äquivalenzpunkt erreicht ist. In diesem Artikel lernst du, wie diese faszinierenden Farbstoffe funktionieren, warum sie genau bei einem bestimmten pH-Wert ihre Farbe ändern und wie du den perfekten Indikator für dein Experiment auswählst.
Vorwissen
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Brønsted-Säuren und -Basen: Säuren geben Protonen () ab, Basen nehmen sie auf.
Beispiel: gibt ein an Wasser ab und wird zu .
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Der -Wert: Ein Maß dafür, wie stark eine Säure ist. Je kleiner der Wert, desto stärker die Säure.
Beispiel: Essigsäure hat einen -Wert von 4,75.
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Titrationskurve und pH-Sprung: Bei einer Titration ändert sich der pH-Wert am Äquivalenzpunkt schlagartig (steile, fast senkrechte Linie im Diagramm).
Beispiel: Bei der Zugabe von Natronlauge zu Salzsäure springt der pH-Wert plötzlich von etwa 4 auf 10.
Grundlagen: Was ist ein Säure-Base-Indikator?
Ein Säure-Base-Indikator ist im Grunde nichts anderes als eine schwache, farbige organische Säure. Das Besondere an ihr ist: Sie hat eine andere Farbe als ihre korrespondierende Base.
Wir kürzen die Indikatorsäure meist mit HInd ab. Wenn wir diesen Indikator in eine wässrige Lösung geben, stellt sich ein chemisches Gleichgewicht ein. Der Indikator gibt ein Proton () an das Wasser ab und wird zu seiner konjugierten Base Ind⁻.
Die Reaktionsgleichung sieht so aus:

- HInd ist die protonierte Form (Säureform) und zeigt Farbe 1 (z. B. Blau).
- Ind⁻ ist die deprotonierte Form (Baseform) und zeigt Farbe 2 (z. B. Gelb).
Welche Farbe wir in der Lösung sehen, hängt also direkt vom pH-Wert ab. Gibt es viele -Ionen (saurer pH-Wert), wird das Gleichgewicht nach links verschoben und wir sehen Farbe 1. Ist die Lösung basisch, verschiebt sich das Gleichgewicht nach rechts und wir sehen Farbe 2.
Der Umschlagsbereich: Wann sehen wir den Farbwechsel?
Wenn sich die Farbe von Farbe 1 zu Farbe 2 ändert, entsteht dazwischen eine Mischfarbe (z. B. Grün). Das menschliche Auge ist jedoch nicht perfekt. Damit wir eine der beiden Farben wirklich rein und deutlich erkennen können, muss diese Form etwa 10-mal häufiger in der Lösung vorkommen als die andere.
Um zu berechnen, bei welchem pH-Wert dieser sichtbare Farbumschlag passiert, nutzen wir das Massenwirkungsgesetz für unseren Indikator. Umgeformt ergibt sich eine Gleichung, die der Henderson-Hasselbalch-Gleichung ähnelt:
Schauen wir uns an, was passiert, wenn eine Form 10-mal häufiger vorkommt:
- Fall 1 (10-mal mehr Base): Das Verhältnis ist 10 zu 1. Der Logarithmus von 10 ist 1 (). Die Formel wird zu: .
- Fall 2 (10-mal mehr Säure): Das Verhältnis ist 1 zu 10. Der Logarithmus von 0,1 ist -1 (). Die Formel wird zu: .
Daraus ergibt sich eine sehr einfache und wichtige Faustregel für den sichtbaren Umschlagsbereich eines Indikators:
Ein Indikator mit einem -Wert von 5 ändert seine Farbe also sichtbar im pH-Bereich zwischen 4 und 6.
Aufgabentyp 1: Den richtigen Indikator auswählen
Wie wählst du nun den passenden Indikator für dein Experiment aus? Das Geheimnis liegt in der Titrationskurve und ihrem steilen pH-Sprung.
Ein Indikator ist genau dann geeignet, wenn sein kompletter Umschlagsbereich () innerhalb dieses steilen pH-Sprungs liegt.

Oft liegt der Äquivalenzpunkt (der exakte theoretische Endpunkt) bei pH 7. Es ist aber nicht schlimm, wenn der Indikator schon bei pH 6 oder erst bei pH 8 umschlägt, solange dieser Umschlag auf der fast senkrechten Linie der Kurve passiert. Auf dieser senkrechten Linie ändert ein einziger Tropfen Maßlösung den pH-Wert extrem stark. Der Volumenfehler ist also verschwindend gering.
⚠️ Wichtiger Hinweis zur Menge: Da der Indikator selbst eine Säure oder Base ist, reagiert er auch mit der Maßlösung. Wenn du zu viel Indikator hinzugibst, verfälschst du dein Ergebnis. Deshalb fügt man der Probelösung immer nur wenige Tropfen hinzu!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- pH-Sprung der Titration bestimmen: Betrachte die Titrationskurve oder die Art der Säure und Base. Bestimme, zwischen welchen pH-Werten die Kurve fast senkrecht verläuft (z. B. von pH 4 bis 10).
- Umschlagsbereich des Indikators ermitteln: Schlage den -Wert des Indikators in einer Tabelle nach. Berechne den Umschlagsbereich mit der Formel .
- Überlappung prüfen: Prüfe, ob der berechnete Umschlagsbereich aus Schritt 2 vollständig in den pH-Sprung aus Schritt 1 passt. Wenn ja, ist der Indikator geeignet.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Du titrierst starke Salzsäure () mit starker Natronlauge (). Der steile pH-Sprung dieser Titration liegt zwischen pH 4 und pH 10.
Zur Auswahl stehen drei Indikatoren:
- Methylorange ()
- Bromthymolblau ()
- Phenolphthalein ()
Welche dieser Indikatoren sind für diese Titration geeignet? Begründe deine Antwort.
- Schritt 1pH-Sprung der Titration bestimmen
Laut Aufgabenstellung liegt der steile pH-Sprung zwischen pH 4 und pH 10.
- Schritt 2Umschlagsbereich des Indikators ermitteln
Wir berechnen für jeden Indikator den Bereich mit :
- Methylorange: bis
- Bromthymolblau: bis
- Phenolphthalein: bis
- Schritt 3 · ErgebnisÜberlappung prüfen
Wir vergleichen die Bereiche mit dem Sprung (pH 4 bis 10):
- Bromthymolblau (6,1 bis 8,1) liegt perfekt in der Mitte des Sprungs und ist hervorragend geeignet.
- Methylorange (2,4 bis 4,4) und Phenolphthalein (8,4 bis 10,4) liegen an den Rändern. Da der pH-Sprung bei starken Säuren und Basen aber extrem groß ist, überschneiden sich ihre Bereiche ausreichend mit dem steilen Teil der Kurve.
Bei dieser speziellen Titration können tatsächlich alle drei Indikatoren verwendet werden, da der pH-Sprung so riesig ist.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Indikator ist eine schwache Säure, deren protonierte Form () eine andere Farbe hat als ihre deprotonierte Form ().
- Der sichtbare Farbumschlag findet im Bereich statt, da das Auge einen 10-fachen Überschuss einer Form benötigt.
- Ein Indikator ist geeignet, wenn sein Umschlagsbereich vollständig innerhalb des steilen pH-Sprungs der Titrationskurve liegt.
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Häufige Fragen
Was sind Säure-Base-Indikatoren bei der Titration?
Ein Säure-Base-Indikator ist eine schwache, farbige organische Säure, die bei einer Titration als chemische Ampel dient. Das Besondere an ihr ist, dass ihre protonierte Form (Säureform) eine andere Farbe hat als ihre deprotonierte Form (Baseform). Durch einen plötzlichen Farbwechsel zeigt der Indikator an, dass der Äquivalenzpunkt erreicht ist.
Wie berechnest du den Umschlagsbereich eines Indikators?
Der sichtbare Farbumschlag passiert, wenn eine Form des Indikators etwa 10-mal häufiger vorliegt als die andere. Dafür nutzt du eine einfache Faustregel: pH ≈ pKS ± 1. Ein Indikator mit einem pKS-Wert von 5 ändert seine Farbe also sichtbar im pH-Bereich zwischen 4 und 6.
Wie wählst du den richtigen Indikator für eine Titration aus?
Ein Indikator ist genau dann geeignet, wenn sein kompletter Umschlagsbereich innerhalb des steilen pH-Sprungs der Titrationskurve liegt. Gehe in drei Schritten vor:
- Bestimme den pH-Sprung der Titration.
- Ermittle den Umschlagsbereich des Indikators.
- Prüfe, ob der Umschlagsbereich vollständig in den pH-Sprung passt.
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