Reaktionskinetik einfach erklärt: Geschwindigkeit & Katalysatoren
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Ein verrostetes Fahrrad im Garten und ein explodierender Airbag im Auto haben etwas sehr Wichtiges gemeinsam: Beides sind chemische Reaktionen. Der einzige Unterschied ist die Zeit! Während das Rosten Jahre dauert, rettet der Airbag in Bruchteilen einer Sekunde Leben. In der Reaktionskinetik lernen wir, wie man genau misst, wie schnell eine chemische Reaktion abläuft. Außerdem schauen wir uns einen genialen Trick der Chemiker an: Wie man mit sogenannten Katalysatoren extrem langsame Reaktionen künstlich beschleunigen kann, ohne dabei mehr Energie zu verbrauchen.

Vorwissen
- Physikalische Geschwindigkeit: Berechnet sich aus der zurückgelegten Strecke geteilt durch die benötigte Zeit (). Beispiel: Ein Auto fährt in . Die Geschwindigkeit ist .
- Chemische Messgrößen: Größen, die wir im Labor messen können, wie Volumen (), Masse () oder Konzentration (). Beispiel: Bei einer Reaktion entstehen Gas.
- Veresterung: Eine Reaktion, bei der eine Carbonsäure und ein Alkohol zu einem Ester und Wasser reagieren. Beispiel: Essigsäure und Ethanol verbinden sich zu einem fruchtig riechenden Ester.
Aufgabentyp 1: Die durchschnittliche Reaktionsgeschwindigkeit
Wenn ein Auto fährt, messen wir seine Geschwindigkeit, indem wir die zurückgelegte Strecke durch die benötigte Zeit teilen. In der Chemie bewegen sich die Stoffe jedoch nicht von A nach B, sondern sie verwandeln sich. Wie messen wir also hier die Geschwindigkeit?
Wir messen die Reaktionsgeschwindigkeit, indem wir beobachten, wie sich eine bestimmte Menge eines Stoffes in einer bestimmten Zeit verändert. Anstatt der Strecke messen wir zum Beispiel das Volumen eines entstehenden Gases, die Masse eines Feststoffs oder die Konzentration einer Lösung.

Die allgemeine Formel für die durchschnittliche Reaktionsgeschwindigkeit () lautet:
Das Dreieck () ist der griechische Buchstabe Delta und bedeutet in der Mathematik immer „Änderung“. Wir teilen also einfach die Änderung der Menge (zum Beispiel in Millilitern) durch die benötigte Zeit (zum Beispiel in Sekunden).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Bei einer Reaktion von Magnesium mit Säure entstehen in genau Wasserstoffgas. Berechne die durchschnittliche Reaktionsgeschwindigkeit in .
- Schritt 1Gegebene Werte identifizieren
Die Änderung des Volumens ist . Die benötigte Zeit ist .
- Schritt 2 · ErgebnisWerte in die Formel einsetzen
Wir nutzen die Formel für die Reaktionsgeschwindigkeit:
Die durchschnittliche Reaktionsgeschwindigkeit beträgt . Das bedeutet, in jeder Sekunde entstehen neues Gas.
Aufgabentyp 2: Reaktionsgleichung mit Katalysator aufstellen
Manche chemischen Reaktionen laufen von Natur aus extrem langsam ab. Um nicht Jahre warten zu müssen, nutzen Chemiker einen Trick: Sie geben einen Katalysator hinzu.
Ein Katalysator ist ein Stoff, der eine chemische Reaktion beschleunigt oder überhaupt erst möglich macht, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Er ist wie ein Werkzeug, das man nach der Arbeit unverändert wieder in die Werkzeugkiste legen kann.
Beispiel 1: Das Döbereiner-Feuerzeug Eines der ersten Feuerzeuge der Welt nutzte genau dieses Prinzip. Wenn Wasserstoffgas auf Sauerstoff trifft, passiert bei Raumtemperatur normalerweise gar nichts. Im Döbereiner-Feuerzeug strömt das Wasserstoffgas jedoch über einen sogenannten Platinschwamm (ein poröses Stück des Metalls Platin).

Das Platin wirkt als Katalysator: Es beschleunigt die Reaktion so extrem, dass sich das Gas sofort entzündet und eine Flamme entsteht. Das Platin selbst verbrennt dabei nicht.
Beispiel 2: Die Herstellung von Estern Ester sind Stoffe, die oft nach Früchten riechen oder als Lösungsmittel (wie in Nagellackentferner) genutzt werden. Sie entstehen, wenn eine Carbonsäure mit einem Alkohol reagiert. Diese Reaktion ist jedoch sehr langsam. Gibt man aber ein paar Tropfen konzentrierte Schwefelsäure () hinzu, läuft die Reaktion viel schneller ab. Die Schwefelsäure ist hier der Katalysator.
Herstellung von Essigsäureethylester Zweck: Beobachten, wie ein Katalysator die Bildung eines Esters beschleunigt. Materialien: Essigsäure, Ethanol, konzentrierte Schwefelsäure (Katalysator), Reagenzglas, Becherglas mit heißem Wasser (Wasserbad). ⚠️ Sicherheitshinweis: Konzentrierte Schwefelsäure ist stark ätzend. Unbedingt Schutzbrille tragen und nur unter Aufsicht des Lehrers arbeiten!
Durchführung:
- Gib jeweils Essigsäure und Ethanol in das Reagenzglas.
- Füge vorsichtig 3 Tropfen konzentrierte Schwefelsäure hinzu.
- Stelle das Reagenzglas für 5 Minuten in das heiße Wasserbad.

Beobachtung: Nach wenigen Minuten steigt ein intensiver, klebstoffartiger Geruch (ähnlich wie Nagellackentferner) aus dem Reagenzglas auf. Erklärung: Die Essigsäure und das Ethanol haben sich zu dem Ester „Essigsäureethylester“ verbunden. Die Schwefelsäure hat als Katalysator gewirkt und die Reaktion so stark beschleunigt, dass wir das Produkt in wenigen Minuten riechen konnten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Edukte (Ausgangsstoffe) notieren: Schreibe die chemischen Formeln der Carbonsäure und des Alkohols auf die linke Seite.
- Den Reaktionspfeil und Katalysator zeichnen: Zeichne den Reaktionspfeil (). Da der Katalysator nicht verbraucht wird, schreibe ihn direkt über den Pfeil.
- Produkte notieren: Schreibe die Formel des Esters und des Wassers () auf die rechte Seite.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Stelle die chemische Reaktionsgleichung für die Bildung von Ethylacetat (Essigsäureethylester) aus Essigsäure () und Ethanol () auf. Nutze Schwefelsäure () als Katalysator.
- Schritt 1Edukte notieren
Die Ausgangsstoffe sind Essigsäure und Ethanol:
- Schritt 2Reaktionspfeil und Katalysator
Wir setzen den Pfeil und schreiben den Katalysator () darüber:
- Schritt 3 · ErgebnisProdukte notieren
Die Produkte sind der Ester (Ethylacetat) und Wasser. Die fertige Gleichung lautet:
Die Reaktionsgleichung lautet .
Wichtige Erkenntnisse
- Die durchschnittliche Reaktionsgeschwindigkeit misst, wie sich die Menge eines Stoffes in einer bestimmten Zeit ändert ().
- Ein Katalysator beschleunigt eine chemische Reaktion, ohne dabei selbst verbraucht zu werden.
- Im Döbereiner-Feuerzeug wirkt Platin als Katalysator; bei der Veresterung nutzt man Schwefelsäure.
- In einer Reaktionsgleichung wird der Katalysator immer über den Reaktionspfeil geschrieben.
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Häufige Fragen
Was ist die Reaktionskinetik?
Die Reaktionskinetik ist ein Teilbereich der Chemie, der sich mit der Geschwindigkeit von chemischen Reaktionen beschäftigt. Sie untersucht, wie schnell Ausgangsstoffe (Edukte) zu Produkten reagieren und welche Faktoren – wie zum Beispiel Temperatur oder Katalysatoren – diese Geschwindigkeit beeinflussen.
Wie berechnet man die durchschnittliche Reaktionsgeschwindigkeit?
Du teilst die Änderung der Stoffmenge (z. B. Volumen oder Konzentration) durch die dafür benötigte Zeit. Die Formel lautet v = ΔMenge / Δt. Wenn beispielsweise in 20 Sekunden 40 mL Gas entstehen, beträgt die Reaktionsgeschwindigkeit 2 mL pro Sekunde.
Was ist ein Katalysator in der Chemie?
Ein Katalysator ist ein Stoff, der eine chemische Reaktion beschleunigt oder überhaupt erst möglich macht, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Er senkt die benötigte Aktivierungsenergie. In der Reaktionsgleichung wird der Katalysator meist direkt über den Reaktionspfeil geschrieben.
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