Prinzip von Le Chatelier einfach erklärt: Verschiebung
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Stell dir vor, du sitzt mit deinen Freunden auf einer großen Wippe, die perfekt im Gleichgewicht ist. Plötzlich springt eine weitere Person auf deine Seite. Was passiert? Die Wippe kippt. Um das Gleichgewicht wiederherzustellen, muss jemand von deiner Seite auf die andere Seite rüberrutschen.

Genau so verhalten sich chemische Reaktionen! Wenn eine Reaktion ihr Gleichgewicht erreicht hat und wir sie von außen stören (zum Beispiel durch mehr Stoffe oder höheren Druck), wehrt sich die Reaktion dagegen und verschiebt sich, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. In diesem Artikel zum Prinzip von Le Chatelier lernst du, wie du genau vorhersagen kannst, in welche Richtung die Reaktion „rutscht“, um die Störung auszugleichen.
Schnellantwort
Das Prinzip von Le Chatelier (auch Prinzip vom kleinsten Zwang genannt) besagt: Übt man auf ein System, das sich im Gleichgewicht befindet, einen Zwang aus, so reagiert das System so, dass es der Störung ausweicht und die Wirkung des Zwangs minimiert. Wenn ein chemisches System im Gleichgewicht ist, möchte es am liebsten in Ruhe gelassen werden. Ändern wir nun von außen die Bedingungen, wehrt sich das System durch eine Gleichgewichtsverschiebung.

Vorwissen
Bevor wir uns die Gleichgewichtsverschiebungen ansehen, solltest du diese Begriffe kennen:
- Reversible Reaktionen: Reaktionen, die in beide Richtungen ablaufen können. Sie werden mit einem Gleichgewichtspfeil () gekennzeichnet. Beispiel: bedeutet, dass und zu und reagieren (Hinreaktion) und gleichzeitig und wieder zu und werden (Rückreaktion).
- Chemisches Gleichgewicht: Der Zustand, in dem die Hin- und Rückreaktion exakt gleich schnell ablaufen. Beispiel: Es sieht so aus, als ob die Reaktion stillsteht, weil sich die Mengen der Stoffe nicht mehr ändern, obwohl die Reaktion auf Teilchenebene noch läuft.
Aufgabentyp 1: Verschiebung durch Konzentrationsänderung
Der häufigste Zwang in der Chemie ist die Änderung der Konzentration (Menge) eines Stoffes. Stell dir die Edukte (linke Seite) und Produkte (rechte Seite) wie zwei Wassertanks vor, die durch ein Rohr verbunden sind.

- Stoff hinzufügen: Wenn du die Konzentration eines Edukts (links) erhöhst, weicht das System aus, indem es diesen Stoff verbraucht. Das Gleichgewicht verschiebt sich nach rechts (es entstehen mehr Produkte).
- Stoff entfernen: Wenn du die Konzentration eines Edukts verringerst, weicht das System aus, indem es diesen Stoff nachbildet. Das Gleichgewicht verschiebt sich nach links.
Tipp für die Industrie (Maximierung der Ausbeute): Wenn eine Fabrik möglichst viel von einem Produkt herstellen will, entfernt sie dieses Produkt ständig aus dem Reaktionsgefäß. Das System versucht verzweifelt, das fehlende Produkt nachzubilden. So wird die Reaktion gezwungen, fast vollständig nach rechts abzulaufen!
Farbenspiel im Gleichgewicht (Experiment)
Ein tolles Beispiel zur Sichtbarmachung einer Gleichgewichtsverschiebung durch Konzentrationsänderung ist die Reaktion von Eisen(III)-chlorid und Kaliumthiocyanat:
(gelblich) + (farblos) (tiefrot)
Gibt man weiteres Kaliumthiocyanat () hinzu, verfärbt sich die anfangs hellrote Lösung sofort zu einem sehr dunklen, intensiven Blutrot.


Erklärung: Durch die Zugabe von haben wir die Konzentration auf der linken Seite erhöht (ein Zwang). Das System weicht aus, indem es das zusätzliche verbraucht. Das Gleichgewicht verschiebt sich nach rechts. Dabei entsteht mehr von dem tiefroten Komplex.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Nutze diesen Plan, um Prüfungsaufgaben zur Konzentrationsänderung zu lösen:
- Schritt 1: Identifiziere den Zwang (Wird ein Stoff hinzugefügt oder entfernt?).
- Schritt 2: Bestimme die Ausweichreaktion (Zugefügtes verbrauchen oder Entferntes nachbilden).
- Schritt 3: Lies die Richtung ab (Welche Seite erfüllt den Wunsch des Systems?).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Gegeben ist das Veresterungsgleichgewicht: . Wie kannst du die Ausbeute an Ester maximieren, indem du die Konzentration von Wasser veränderst?
- Schritt 1Den Zwang identifizieren
Wir wollen mehr Ester (auf der rechten Seite) erhalten. Wir müssen also einen Zwang ausüben, der das System nach rechts verschiebt.
- Schritt 2Die Ausweichreaktion bestimmen
Damit das System freiwillig nach rechts rutscht, muss es versuchen, einen Stoff auf der rechten Seite nachzubilden.
- Schritt 3 · ErgebnisDie Richtung ablesen
Wir müssen das Wasser kontinuierlich aus dem Gemisch entfernen.
Das System weicht diesem Zwang aus, indem es versucht, neues Wasser zu bilden. Dadurch läuft die Reaktion verstärkt nach rechts ab, und als toller Nebeneffekt entsteht dabei automatisch auch mehr von unserem gewünschten Ester.
Aufgabentyp 2: Verschiebung durch Druckänderung
Druckänderungen beeinflussen ein Gleichgewicht nur dann, wenn Gase beteiligt sind. Feststoffe und Flüssigkeiten lassen sich nämlich nicht zusammendrücken.
Um vorherzusagen, was passiert, musst du nur die Anzahl der Gasteilchen (die großen Zahlen vor den Formeln) auf beiden Seiten der Reaktionsgleichung zählen.
- Druckerhöhung (Volumen wird kleiner): Das System hat weniger Platz. Es weicht aus, indem es sich auf die Seite verschiebt, die weniger Gasteilchen hat.
- Druckminderung (Volumen wird größer): Das System hat mehr Platz. Es verschiebt sich auf die Seite mit mehr Gasteilchen.

Wichtig: Wenn auf beiden Seiten der Gleichung exakt gleich viele Gasteilchen stehen (z.B. links und rechts), hat eine Druckänderung keinen Einfluss auf das Gleichgewicht!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Nutze diesen Plan, um Prüfungsaufgaben zur Druckänderung zu lösen:
- Schritt 1: Identifiziere den Zwang (Wird der Druck erhöht oder verringert?).
- Schritt 2: Bestimme die Ausweichreaktion (Bei hohem Druck Platz sparen, bei niedrigem Druck Platz füllen).
- Schritt 3: Lies die Richtung ab (Zähle die Gasteilchen auf beiden Seiten der Reaktionsgleichung).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Gegeben ist folgendes Gas-Gleichgewicht: . Das Gas ist braun, das Gas ist farblos. Was passiert mit der Farbe des Gasgemisches, wenn der Druck stark erhöht wird?
- Schritt 1Den Zwang identifizieren
Der Druck wird erhöht (das Volumen wird verkleinert).
- Schritt 2Die Ausweichreaktion bestimmen
Bei einer Druckerhöhung weicht das System aus, indem es Platz spart. Es verschiebt sich auf die Seite mit weniger Gasteilchen.
- Schritt 3Die Richtung ablesen
Wir zählen die Gasteilchen: Linke Seite: (wegen der vor dem ). Rechte Seite: (da keine Zahl vor dem steht, bedeutet das ).
- Schritt 4 · ErgebnisSchlussfolgerung
Die rechte Seite hat weniger Gasteilchen (). Das Gleichgewicht verschiebt sich nach rechts.
Da das Gas auf der rechten Seite () farblos ist, wird das braune Gasgemisch deutlich heller.
Wichtige Erkenntnisse
- Prinzip von Le Chatelier: Ein System im Gleichgewicht weicht einem äußeren Zwang (Störung) aus.
- Konzentration: Fügt man einen Stoff hinzu, wird er verbraucht. Nimmt man einen Stoff weg, wird er nachgebildet.
- Druck: Eine Druckerhöhung verschiebt das Gleichgewicht auf die Seite mit weniger Gasteilchen. Druckänderungen wirken nur auf Gase!
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Häufige Fragen
Was ist das Prinzip von Le Chatelier?
Das Prinzip von Le Chatelier, auch Prinzip vom kleinsten Zwang genannt, besagt: Übt man auf ein chemisches System im Gleichgewicht einen Zwang aus, weicht das System dieser Störung aus. Es verschiebt sein Gleichgewicht so, dass die Wirkung des Zwangs minimiert wird.
Wie beeinflusst die Konzentration das chemische Gleichgewicht?
Änderst du die Konzentration eines Stoffes, reagiert das System sofort. Fügst du einen Stoff hinzu, verschiebt sich das Gleichgewicht so, dass dieser Stoff verbraucht wird. Entfernst du einen Stoff, läuft die Reaktion in die Richtung ab, die diesen Stoff neu bildet.
Wann hat eine Druckänderung Einfluss auf das Gleichgewicht?
Eine Druckänderung beeinflusst das Gleichgewicht nur, wenn an der Reaktion Gase beteiligt sind. Erhöhst du den Druck, verschiebt sich das Gleichgewicht auf die Seite mit weniger Gasteilchen, um Platz zu sparen. Sind auf beiden Seiten gleich viele Gasteilchen, hat der Druck keinen Einfluss.
Was ist der Unterschied zwischen Hin- und Rückreaktion?
Bei einer reversiblen Reaktion reagieren die Ausgangsstoffe zu Produkten – das ist die Hinreaktion. Gleichzeitig reagieren die entstandenen Produkte wieder zurück zu den Ausgangsstoffen, was als Rückreaktion bezeichnet wird. Im chemischen Gleichgewicht laufen beide Reaktionen exakt gleich schnell ab.
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