Physikalische Eigenschaften der Alkanole einfach erklärt
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Hast du dich schon einmal gefragt, warum Honig so langsam vom Löffel tropft, während Wasser sofort fließt? Oder warum sich Öl und Wasser niemals mischen, aber Alkohol problemlos beides reinigen kann?

Die Antwort auf all diese Fragen liegt im unsichtbaren Bauplan der Moleküle. In dieser Lektion werden wir die physikalischen Eigenschaften der Alkanole (Alkohole) untersuchen. Du wirst lernen, wie ein winziges Detail in ihrer Struktur darüber entscheidet, ob sie bei Raumtemperatur kochen, wie zäher Sirup fließen oder sich perfekt in Wasser auflösen. Mit diesem Wissen kannst du die Eigenschaften jedes Alkanols in deiner nächsten Prüfung sicher vorhersagen.
Vorwissen
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Wasserstoffbrückenbindungen: Sehr starke Anziehungskräfte zwischen polaren Molekülen (z. B. zwischen Wasser-Molekülen oder OH-Gruppen).
Beispiel: Wasser () ist bei Raumtemperatur flüssig, weil Wasserstoffbrücken die Moleküle stark zusammenhalten.
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London-Kräfte (Van-der-Waals-Kräfte): Schwache Anziehungskräfte zwischen unpolaren Molekülen (z. B. Alkylresten). Sie werden stärker, je größer und länger das Molekül ist.
Beispiel: Hexan (6 Kohlenstoffatome) hat stärkere London-Kräfte als Propan (3 Kohlenstoffatome) und ist deshalb flüssig statt gasförmig.
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Homologe Reihe: Eine Reihe chemisch verwandter Verbindungen, bei der sich jedes Glied vom vorherigen durch eine zusätzliche -Gruppe unterscheidet.
Aufgabentyp 1: Analyse der Siedepunkttrends bei Alkanolen
Die Siedetemperatur eines Stoffes verrät uns, wie viel Energie (Wärme) nötig ist, um die Moleküle voneinander zu trennen. Je stärker die Moleküle aneinanderkleben, desto höher ist der Siedepunkt.
Alkanole bestehen aus zwei Teilen: einem unpolaren Alkylrest (der Kohlenstoffkette) und einer polaren OH-Gruppe (Hydroxylgruppe). Die polare OH-Gruppe bildet starke Wasserstoffbrücken zu benachbarten Molekülen aus. Alkane haben diese Gruppe nicht. Deshalb liegen die Siedetemperaturen der Alkanole insgesamt deutlich höher als die der Alkane mit vergleichbarer Größe.
Innerhalb der homologen Reihe der Alkanole steigt die Siedetemperatur mit jedem zusätzlichen Kohlenstoffatom an. Warum? Weil der Alkylrest immer länger wird. Je länger die Kette, desto größer ist die Oberfläche der Moleküle und desto stärker werden die London-Kräfte zwischen ihnen.

Wenn wir uns sehr langkettige Alkanole (z. B. mit 10 oder mehr C-Atomen) ansehen, passiert etwas Spannendes: Ihre Siedepunkte nähern sich denen der entsprechenden Alkane an. Bei so riesigen Molekülen ist der Alkylrest so gigantisch, dass die London-Kräfte das Verhalten komplett dominieren. Die einzelne kleine OH-Gruppe fällt kaum noch ins Gewicht.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Kettenlänge bestimmen: Zähle die Kohlenstoffatome der beiden Alkanole. Welches Molekül ist größer?
- Dominierende Kraft identifizieren: Kurze Kette (1-3 C-Atome) bedeutet, die polare OH-Gruppe und ihre Wasserstoffbrücken dominieren. Lange Kette (ab 4 C-Atomen) bedeutet, der unpolare Alkylrest und seine London-Kräfte dominieren.
- Eigenschaft ableiten: Je länger die Kette, desto stärker die London-Kräfte höherer Siedepunkt.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Vergleiche die Siedetemperaturen von Propan-1-ol und Heptan-1-ol. Begründe, welcher Stoff den höheren Siedepunkt hat.
- Schritt 1Kettenlänge bestimmen
Propan-1-ol hat 3 Kohlenstoffatome. Heptan-1-ol hat 7 Kohlenstoffatome.
- Schritt 2Dominierende Kraft identifizieren
Beide Moleküle besitzen eine OH-Gruppe und bilden Wasserstoffbrücken. Heptan-1-ol hat jedoch einen deutlich längeren Alkylrest, wodurch die London-Kräfte zwischen den Heptan-1-ol-Molekülen viel stärker sind als bei Propan-1-ol.
- Schritt 3 · ErgebnisEigenschaft ableiten
Da stärkere intermolekulare Kräfte mehr Energie zum Trennen der Moleküle erfordern, hat Heptan-1-ol die höhere Siedetemperatur.
Heptan-1-ol hat aufgrund der stärkeren London-Kräfte die höhere Siedetemperatur.
Aufgabentyp 2: Erklärung der Viskositätstrends bei Alkanolen
Die Viskosität beschreibt die Zähflüssigkeit oder den Fließwiderstand einer Flüssigkeit. Wasser hat eine niedrige Viskosität (es fließt schnell), Honig hat eine hohe Viskosität (er fließt langsam).
Auch hier gilt ein klarer Merksatz: Die Viskosität von Alkanolen steigt innerhalb der homologen Reihe an. Das bedeutet, je länger die Kohlenstoffkette des Alkanols ist, desto zähflüssiger wird es.

Die Ursache dafür sind wieder die London-Dispersionskräfte. Stell dir kurze Alkanole wie Methanol oder Ethanol vor wie ungekochte Makkaroni – sie gleiten leicht aneinander vorbei. Langkettige Alkanole (wie Decan-1-ol) sind eher wie lange Spaghetti. Sie haben eine riesige Oberfläche, wodurch die London-Kräfte extrem stark werden. Die langen Ketten ziehen sich gegenseitig an, reiben aneinander und verhaken sich regelrecht. Dadurch wird es für die Flüssigkeit immer schwerer zu fließen.
Aufgabentyp 3: Beurteilung des Löslichkeitsverhaltens von Alkanolen
In der Chemie gilt ein eiserner Grundsatz: Gleiches löst sich in Gleichem. Polare Stoffe lösen sich in polaren Lösungsmitteln (wie Wasser), unpolare Stoffe lösen sich in unpolaren Lösungsmitteln (wie Benzin oder Fett).
Alkanole sind besondere Moleküle, denn sie sind Zwitter. Sie besitzen zwei völlig unterschiedliche Teile, die um die Vorherrschaft kämpfen:
- Die OH-Gruppe ist polar und hydrophil (wasserliebend). Sie bildet Wasserstoffbrücken mit Wasser.
- Der Alkylrest ist unpolar und lipophil (fettliebend). Er stößt Wasser ab, mischt sich aber perfekt mit Benzin.

Bei den ersten drei Alkanolen (Methanol, Ethanol, Propan-1-ol) ist der Alkylrest noch so klein, dass die OH-Gruppe das Verhalten dominiert. Sie sind unbegrenzt in Wasser löslich.
Ab Butan-1-ol (4 Kohlenstoffatome) wendet sich das Blatt. Der unpolare Alkylrest wird so groß, dass er das Löslichkeitsverhalten zunehmend bestimmt. Die Wasserlöslichkeit nimmt ab hier kontinuierlich ab. Ein sehr langes Alkanol wie Hexadecan-1-ol ist in Wasser praktisch unlöslich.
Da jedoch jedes Alkanol einen lipophilen Alkylrest besitzt, sind alle Alkohole (egal wie lang) unbegrenzt in lipophilen Lösungsmitteln wie Benzin löslich.
Löslichkeit im Reagenzglas
Zweck: Sichtbarmachung der abnehmenden Wasserlöslichkeit mit steigender Kettenlänge.
Materialien: 3 Reagenzgläser, destilliertes Wasser, Ethanol, Butan-1-ol, Octan-1-ol.
⚠️ Sicherheitshinweis: Alkanole sind leicht entzündlich und teilweise gesundheitsschädlich. Schutzbrille tragen und Zündquellen fernhalten.
Durchführung:
- Fülle in jedes der drei Reagenzgläser exakt 5 mL destilliertes Wasser.
- Gib in das erste Glas 2 mL Ethanol, in das zweite 2 mL Butan-1-ol und in das dritte 2 mL Octan-1-ol.
- Schüttle alle drei Reagenzgläser kräftig und warte eine Minute.
Beobachtung: Im ersten Glas (Ethanol) entsteht eine völlig klare, einheitliche Flüssigkeit. Im zweiten Glas (Butan-1-ol) ist die Flüssigkeit trübe und es bilden sich langsam Schlieren. Im dritten Glas (Octan-1-ol) trennen sich die Flüssigkeiten sofort wieder; es schwimmt eine klare Schicht Octanol auf dem Wasser.

Erklärung: Bei Ethanol dominiert die hydrophile OH-Gruppe, es mischt sich perfekt mit Wasser. Bei Octan-1-ol ist der lipophile Alkylrest so groß, dass er das Wasser abstößt. Es kommt zur Phasentrennung.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Kettenlänge bestimmen: Zähle die Kohlenstoffatome der beiden Alkanole. Welches Molekül ist größer?
- Dominierende Kraft identifizieren: Kurze Kette (1-3 C-Atome) bedeutet, die polare OH-Gruppe und ihre Wasserstoffbrücken dominieren. Lange Kette (ab 4 C-Atomen) bedeutet, der unpolare Alkylrest und seine London-Kräfte dominieren.
- Eigenschaft ableiten: Je länger die Kette, desto größer der lipophile Teil schlechtere Wasserlöslichkeit.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Ein Schüler versucht, Hexan-1-ol in Wasser zu lösen, aber es bilden sich zwei Schichten. Erkläre dieses Phänomen anhand der Molekülstruktur.
- Schritt 1Kettenlänge bestimmen
Hexan-1-ol besitzt eine Kette aus 6 Kohlenstoffatomen.
- Schritt 2Dominierende Kraft identifizieren
Das Molekül besitzt zwar eine hydrophile OH-Gruppe, aber der lipophile Alkylrest (6 C-Atome) ist sehr groß. Ab einer Kettenlänge von 4 C-Atomen (Butan-1-ol) überwiegt der unpolare Charakter des Moleküls.
- Schritt 3 · ErgebnisEigenschaft ableiten
Weil der große lipophile Alkylrest das Verhalten dominiert, stößt das Hexan-1-ol-Molekül die Wassermoleküle ab. Es löst sich nicht in Wasser, weshalb sich zwei getrennte Schichten bilden.
Hexan-1-ol löst sich aufgrund des großen lipophilen Alkylrests nicht in Wasser.
Wichtige Erkenntnisse
- Siedepunkt: Alkanole sieden höher als Alkane (wegen Wasserstoffbrücken). Mit längerer Kette steigen die Siedepunkte und nähern sich denen der Alkane an (wegen dominierender London-Kräfte).
- Viskosität: Je länger die Kohlenstoffkette, desto zähflüssiger ist das Alkanol, da sich die Moleküle stärker anziehen und verhaken.
- Löslichkeit: Kurze Alkanole (bis Propan-1-ol) sind wasserlöslich. Ab Butan-1-ol nimmt die Wasserlöslichkeit ab, da der lipophile (fettliebende) Alkylrest zu groß wird.
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Häufige Fragen
Was sind die physikalischen Eigenschaften der Alkanole?
Die wichtigsten physikalischen Eigenschaften der Alkanole sind ihr Siedepunkt, ihre Viskosität (Zähflüssigkeit) und ihre Löslichkeit. Diese Eigenschaften werden durch die Struktur der Moleküle bestimmt, insbesondere durch das Zusammenspiel der polaren OH-Gruppe und des unpolaren Alkylrests.
Warum haben Alkanole höhere Siedepunkte als Alkane?
Alkanole besitzen eine polare OH-Gruppe, die starke Wasserstoffbrückenbindungen zu benachbarten Molekülen ausbildet. Alkane haben diese Gruppe nicht und werden nur durch schwächere Van-der-Waals-Kräfte zusammengehalten. Daher wird bei Alkanolen mehr Energie benötigt, um die Moleküle voneinander zu trennen.
Wie verändert sich die Wasserlöslichkeit innerhalb der homologen Reihe?
Kurzkettige Alkanole (wie Methanol und Ethanol) sind unbegrenzt in Wasser löslich, da die wasserliebende OH-Gruppe dominiert. Ab Butan-1-ol (4 Kohlenstoffatome) wird der fettliebende Alkylrest so groß, dass er das Verhalten bestimmt. Die Wasserlöslichkeit nimmt ab hier kontinuierlich ab.
Was bestimmt die Viskosität von Alkanolen?
Die Viskosität steigt mit der Länge der Kohlenstoffkette. Langkettige Alkanole haben eine größere Oberfläche, wodurch die London-Kräfte (Van-der-Waals-Kräfte) extrem stark werden. Die langen Ketten ziehen sich an und verhaken sich, was die Flüssigkeit zähflüssiger macht.
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