Phasengleichgewichte und Dampfdruck einfach erklärt: Alles zum Siedepunkt
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Hast du schon einmal eine halb leere Wasserflasche in der warmen Sonne stehen lassen? Dir ist bestimmt aufgefallen, dass sich winzige Wassertropfen an der Innenseite des Plastiks bilden. Aber die Flasche wird nie komplett leer oder füllt sich ganz auf. Warum ist das so?

In dieser scheinbar ruhigen Flasche findet in Wirklichkeit ein pausenloser, unsichtbarer chemischer Tanz statt! In diesem Artikel werden wir genau dieses dynamische Hin und Her zwischen Flüssigkeiten und ihren Dämpfen entschlüsseln. Du erfährst alles über Phasengleichgewichte und Dampfdruck und lernst, warum Wasser auf einem hohen Berg viel schneller kocht als zu Hause in deiner Küche.
Vorwissen
- Dynamisches Gleichgewicht: Ein Zustand, in dem eine Hin- und Rückreaktion exakt gleich schnell ablaufen, sodass sich insgesamt scheinbar nichts mehr verändert. Beispiel: In einem vollen Geschäft gehen genau so viele Menschen durch die Tür hinein, wie gleichzeitig hinausgehen.
- Endotherme Prozesse: Vorgänge, die Wärmeenergie aus der Umgebung aufnehmen müssen, um abzulaufen. Beispiel: Das Schmelzen von Eiswürfeln in einem warmen Getränk ist ein endothermer Prozess.
- Teilchenmodell: Alle Stoffe bestehen aus winzigen Teilchen, die sich ständig bewegen. Beispiel: In flüssigem Wasser gleiten die Teilchen aneinander vorbei, als Gas fliegen sie frei umher.
Aufgabentyp 1: Siedepunkt aus einer Dampfdruckkurve ermitteln
Um Phasengleichgewichte und Dampfdruck richtig zu verstehen, schauen wir uns zunächst an, was in einem geschlossenen Gefäß passiert. Stell dir eine halb volle, fest verschlossene Wasserflasche vor, die in der Sonne steht. Einige flüssige Wassermoleküle an der Oberfläche haben genug Energie, um sich zu lösen und als Wasserdampf in den leeren Raum aufzusteigen. Das nennt man Verdampfung.

Da die Flasche verschlossen ist, können die Dampfteilchen nicht entkommen. Sie prallen umher und einige treffen wieder auf die Wasseroberfläche, wo sie wieder flüssig werden (Kondensation). Irgendwann verdampfen in der gleichen Zeit exakt so viele Teilchen, wie wieder kondensieren. Es hat sich ein dynamisches Gleichgewicht eingestellt.

In der Chemie schreiben wir das so:
Das (l) steht für flüssig (liquid) und das (g) für gasförmig (gas). Die Verdampfung braucht Wärmeenergie, sie ist also endotherm. Wenn wir der Flasche Wärme zuführen, bekommen mehr Teilchen die Energie zum Verdampfen. Das Gleichgewicht verschiebt sich auf die Seite des Wasserdampfs. Kühlen wir sie ab, kondensiert mehr Wasser.
Die herumfliegenden Dampfteilchen stoßen ständig gegen die Flaschenwand und erzeugen dabei einen Druck. Der Druck, der genau in diesem Gleichgewichtszustand herrscht, wird Sättigungsdampfdruck oder einfach Dampfdruck genannt.
Wann kocht eine Flüssigkeit?
Wir wissen, dass Wasser normalerweise bei kocht. Aber warum genau bei dieser Temperatur?
Die Luft um uns herum drückt mit ihrem Gewicht auf alles, auch auf die Wasseroberfläche. Das ist der atmosphärische Druck (normalerweise etwa ). Wenn wir Wasser erhitzen, steigt sein Dampfdruck, weil immer mehr Teilchen gasförmig werden wollen.
Der Siedepunkt ist genau die Temperatur, bei der der Dampfdruck des Wassers genauso stark ist wie der atmosphärische Druck, der von oben drückt. Erst wenn diese beiden Drücke gleich sind, können sich im Inneren des Wassers Dampfblasen bilden und nach oben steigen. Vorher drückt die Luft die Blasen einfach wieder zusammen!

Wenn du auf einen hohen Berg wie den Mount Everest steigst, ist die Luft dort viel 'dünner'. Der atmosphärische Druck beträgt dort nur noch etwa . Weil die Luft weniger stark von oben drückt, muss das Wasser nicht so stark erhitzt werden, um dagegenzuhalten. Das Wasser kocht auf dem Mount Everest schon bei !
Experiment: Wasser kochen ohne Hitze
Zweck: Zu sehen, wie ein niedrigerer Druck den Siedepunkt senkt.
Materialien: Eine große Plastikspritze (ohne Nadel), warmes Wasser (ca. ).
⚠️ Sicherheitshinweis: Nur warmes, kein kochendes Wasser verwenden, um Verbrühungen zu vermeiden.
Durchführung:
- Ziehe warmes Wasser in die Spritze auf.
- Drücke die restliche Luft heraus und verschließe die Öffnung der Spritze fest mit dem Daumen.
- Ziehe den Kolben der Spritze kräftig nach hinten, um den Raum im Inneren zu vergrößern.

Beobachtung: Das warme Wasser fängt plötzlich an, stark zu sprudeln und Blasen zu werfen, obwohl es nicht erhitzt wird.
Erklärung: Durch das Ziehen am Kolben sinkt der atmosphärische Druck in der Spritze drastisch. Er wird so klein, dass der Dampfdruck des warmen Wassers ausreicht, um ihn zu überwinden. Das Wasser erreicht seinen Siedepunkt bei Raumtemperatur.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Außendruck identifizieren: Finde den Wert für den äußeren Luftdruck auf der y-Achse (Druckachse).
- Schnittpunkt finden: Gehe von diesem Wert waagerecht nach rechts, bis du die Kurve des Stoffes triffst.
- Temperatur ablesen: Gehe von diesem Schnittpunkt senkrecht nach unten zur x-Achse (Temperaturachse) und lies den Siedepunkt ab.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ein Bergsteiger kocht Wasser auf einem Berg, wo der Luftdruck beträgt. Bestimme mithilfe der abgebildeten Dampfdruckkurve für Wasser die Temperatur, bei der das Wasser dort siedet.

- Schritt 1Außendruck identifizieren
Der äußere Luftdruck beträgt . Wir suchen diesen Wert auf der y-Achse (Druckachse).
- Schritt 2Schnittpunkt finden
Wir gehen von waagerecht nach rechts, bis wir die Dampfdruckkurve des Wassers treffen.
- Schritt 3 · ErgebnisTemperatur ablesen
Vom Schnittpunkt gehen wir senkrecht nach unten zur x-Achse (Temperaturachse). Dort lesen wir den Wert ab. Das Wasser siedet bei .

Abgelesene Temperatur bei 700 hPa
Das Wasser siedet auf dem Berg bei einem Luftdruck von bei .
Wichtige Erkenntnisse
- Ein dynamisches Gleichgewicht entsteht, wenn Verdampfung und Kondensation exakt gleich schnell ablaufen.
- Der Dampfdruck ist der Druck, den ein Gas ausübt, wenn es sich im Gleichgewicht mit seiner Flüssigkeit befindet.
- Eine Flüssigkeit siedet genau dann, wenn ihr Dampfdruck gleich dem äußeren atmosphärischen Druck ist.
- Je niedriger der äußere Luftdruck (z. B. auf einem Berg), desto niedriger ist die Siedetemperatur der Flüssigkeit.
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Häufige Fragen
Was sind Phasengleichgewichte und Dampfdruck?
Ein Phasengleichgewicht entsteht, wenn in einem geschlossenen System zwei Prozesse wie Verdampfung und Kondensation exakt gleich schnell ablaufen. Der Dampfdruck ist dabei der Druck, den das Gas ausübt, wenn es sich im Gleichgewicht mit seiner Flüssigkeit befindet. Er ist ein Maß dafür, wie stark die Teilchen in die Gasphase übergehen wollen.
Wann kocht eine Flüssigkeit?
Eine Flüssigkeit beginnt zu sieden, wenn ihr Dampfdruck genau so groß ist wie der atmosphärische Druck (der äußere Luftdruck). Sobald diese beiden Drücke gleich sind, können sich im Inneren der Flüssigkeit Dampfblasen bilden und ungehindert nach oben steigen, ohne von der Luft wieder zusammengedrückt zu werden.
Warum kocht Wasser auf einem Berg schneller?
Auf einem hohen Berg ist die Luft „dünner“, wodurch der atmosphärische Druck geringer ist als auf Meereshöhe. Weil die Luft weniger stark von oben drückt, muss das Wasser nicht so stark erhitzt werden, um den nötigen Dampfdruck zum Sieden zu erreichen. Das Wasser kocht also schon bei einer niedrigeren Temperatur, zum Beispiel bei 71 °C auf dem Mount Everest.
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