Peptide und die Peptidbindung einfach erklärt: Aufbau & Struktur

Lerne alles über Peptide und die Peptidbindung. Wir erklären dir die Kondensationsreaktion, die räumliche Struktur und wie du Dipeptide zeichnest.

📅 Aktualisiert 5. September 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
RocketTutor Logo

Peptide und die Peptidbindung einfach erklärt: Aufbau & Struktur

Erklärvideo – jetzt freischalten

Student thinking

Spinnenseide ist reißfester als Stahl und unsere Muskeln ermöglichen es uns, schwere Gewichte zu heben. Beide bestehen aus Proteinen, die im Grunde nichts anderes sind als extrem lange Ketten aus aneinandergereihten Aminosäuren. Wenn du Peptide und die Peptidbindung verstehen willst, bist du hier genau richtig.

Struktur von Peptiden und Aminosäuren
Struktur von Peptiden und Aminosäuren

Doch wie genau schaffen es diese kleinen Bausteine, sich so fest aneinander zu klammern, dass daraus ein ganzer Muskel oder ein Spinnennetz entsteht? In dieser Lektion lernst du den chemischen „Kleber“ kennen, der alles zusammenhält: die Peptidbindung. Wir schauen uns an, wie sie gebildet wird, warum sie so besonders stabil ist und wie wir die entstehenden Ketten benennen.

Vorwissen

  • Aminosäuren: Moleküle, die sowohl eine α\alpha-Aminogruppe (-NH2\text{-NH}_2) als auch eine Carboxygruppe (-COOH\text{-COOH}) besitzen.

    Beispiel: Glycin ist die einfachste Aminosäure und besitzt diese beiden funktionellen Gruppen.

  • Kondensationsreaktion: Eine Reaktion, bei der sich zwei Moleküle unter Abspaltung eines kleineren Moleküls (meist Wasser) verbinden.

    Beispiel: Die Bildung von Estern aus einem Alkohol und einer Carbonsäure spaltet ebenfalls Wasser ab.

Aufgabentyp 1: Bildung und Hydrolyse der Peptidbindung

Wenn wir zwei Aminosäuren miteinander verbinden wollen, passiert das über eine sogenannte Kondensationsreaktion. Dabei reagiert die Carboxygruppe der ersten Aminosäure mit der α\alpha-Aminogruppe der zweiten Aminosäure.

Kondensationsreaktion zweier Aminosäuren
Kondensationsreaktion zweier Aminosäuren

Die OH-Gruppe der Carboxygruppe und ein Wasserstoffatom (H) der Aminogruppe trennen sich von ihren Molekülen und verbinden sich zu Wasser (HOH\textcolor{#53E5D6}{\text{H}}\textcolor{#08BFFF}{\text{OH}} bzw. H2O\text{H}_2\text{O}). Die beiden übrig gebliebenen Enden der Aminosäuren verknüpfen sich direkt miteinander. Diese neue Verbindung nennen wir Peptidbindung. Chemisch gesehen ist das exakt das Gleiche wie eine Amidbindung.

Die allgemeine Wortgleichung lautet:

Aminosa¨ure 1+Aminosa¨ure 2Dipeptid+Wasser\text{Aminosäure 1} + \text{Aminosäure 2} \rightleftharpoons \text{Dipeptid} + \text{Wasser}

Die Hinreaktion (das Verknüpfen) heißt Kondensation. Die Rückreaktion, bei der das Dipeptid unter Zugabe von Wasser wieder in die einzelnen Aminosäuren gespalten wird, nennt man Hydrolyse.

Aufgabentyp 2: Räumliche Struktur und Mesomerie der Peptidgruppe

Normalerweise lassen sich Molekülteile um eine Einfachbindung frei drehen, wie ein Rad auf einer Achse. Bei der Peptidbindung (der C-N-Bindung) ist das jedoch nicht möglich! Sie ist starr und alle beteiligten Atome liegen flach in einer Ebene (sie sind planar).

Mesomerie der Peptidbindung
Mesomerie der Peptidbindung

Warum ist das so? Die Antwort lautet Mesomerie (auch Resonanz genannt). Stell dir vor, die Elektronen in dieser Bindungsgruppe sind nicht fest an einem Ort eingesperrt, sondern können sich ein wenig verteilen (delokalisieren). Das freie Elektronenpaar des Stickstoffs und die Elektronen der C=O-Doppelbindung teilen sich den Platz. Dadurch entsteht ein Zustand, der genau zwischen einer Einfach- und einer Doppelbindung liegt. Man nennt das einen partiellen Doppelbindungscharakter.

Das hat zwei wichtige Folgen:

  1. Keine Drehbarkeit: Wegen des Doppelbindungscharakters ist die Achse blockiert.

  2. Kürzere Bindung: Die C-N-Peptidbindung ist deutlich kürzer als eine normale C-N-Einfachbindung in Aminen.

BindungstypC-N Bindungsla¨ngePeptidbindung132 pmAmin (z. B. Ethylamin)147 pm\begin{array}{l|l} \text{Bindungstyp} & \text{C-N Bindungslänge} \\ \hline \text{Peptidbindung} & 132 \text{ pm} \\ \text{Amin (z. B. Ethylamin)} & 147 \text{ pm} \end{array}

Aufgabentyp 3: Einteilung von Peptiden und Proteinen

Je nachdem, wie viele Aminosäure-Bausteine (Monomere) sich zu einer Kette (Polymer) zusammenfinden, geben wir dem Peptid einen anderen Namen.

Einteilung von Peptiden und Proteinen
Einteilung von Peptiden und Proteinen
  • Dipeptid: Besteht aus genau 2 Aminosäuren.

  • Tripeptid: Besteht aus 3 Aminosäuren.

  • Oligopeptide: Kurze Ketten aus weniger als 10 Aminosäuren.

  • Polypeptide: Längere Ketten aus mehr als 10 Aminosäuren.

  • Proteine: Sehr lange Polypeptide, die meist aus mehr als 100 Aminosäuren bestehen und eine bestimmte biologische Aufgabe im Körper erfüllen (z. B. als Muskelgewebe oder Enzym). In der Praxis sind die Grenzen hier aber oft fließend.

Aufgabentyp 4: Zeichnen eines Dipeptids

Hier erfährst du, wie du die Bildung einer Peptidbindung chemisch korrekt aufzeichnest.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Aminosäuren nebeneinander zeichnen: Zeichne die erste Aminosäure links und die zweite rechts daneben. Achte darauf, dass die Carboxygruppe (-COOH\text{-COOH}) der linken auf die Aminogruppe (-NH2\text{-NH}_2) der rechten zeigt.
  2. Wasser abspalten: Markiere die OH-Gruppe der linken Carboxygruppe und ein H-Atom der rechten Aminogruppe. Diese bilden zusammen das Wassermolekül.
  3. Peptidbindung knüpfen: Verbinde das C-Atom der linken Aminosäure direkt mit dem N-Atom der rechten Aminosäure. Vergiss nicht, das abgespaltene Wasser (H2O\text{H}_2\text{O}) als Produkt aufzuschreiben!

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Zeichne die Strukturformel für die Kondensationsreaktion der beiden Aminosäuren Glycin (Rest: -H\text{-H}) und Alanin (Rest: -CH3\text{-CH}_3) zum Dipeptid Glycylalanin.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Aminosäuren nebeneinander zeichnen

    Wir zeichnen Glycin links und Alanin rechts.

    H2NCH2C(=O)OH+HNHCH(CH3)COOH\text{H}_2\text{N}-\text{CH}_2-\text{C}(=\text{O})\textcolor{#08BFFF}{\text{OH}} \quad + \quad \textcolor{#53E5D6}{\text{H}}-\text{NH}-\text{CH}(\text{CH}_3)-\text{COOH}

  2. Schritt 2
    Wasser abspalten

    Die markierte OH\textcolor{#08BFFF}{\text{OH}}-Gruppe vom Glycin und das markierte H\textcolor{#53E5D6}{\text{H}}-Atom vom Alanin spalten sich als Wasser ab.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Peptidbindung knüpfen

    Wir verbinden das C-Atom des Glycins mit dem N-Atom des Alanins.

    H2NCH2C(=O)NHCH(CH3)COOH+H2O\text{H}_2\text{N}-\text{CH}_2-\text{C}(=\text{O})-\text{NH}-\text{CH}(\text{CH}_3)-\text{COOH} + \text{H}_2\text{O}

    Strukturformel des Dipeptids Glycylalanin
    Strukturformel des Dipeptids Glycylalanin
Ergebnis:

Das Dipeptid Glycylalanin wurde erfolgreich durch eine Kondensationsreaktion gebildet.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Peptidbindung entsteht durch eine Kondensationsreaktion zwischen der Carboxygruppe und der Aminogruppe zweier Aminosäuren (unter Abspaltung von Wasser).

  • Die Peptidbindung ist planar und starr, da sie durch Mesomerie einen partiellen Doppelbindungscharakter besitzt.

  • Peptide werden nach der Anzahl ihrer Aminosäure-Bausteine eingeteilt (z. B. Dipeptide = 2, Oligopeptide < 10, Proteine > 100).

Stell deine eigene Aufgabe zu „Peptide und die Peptidbindung einfach erklärt: Aufbau & Struktur

Aufgabe eintippen oder fotografieren – der KI-Tutor löst sie Schritt für Schritt und erklärt dir jeden Rechenweg.

Aufgabe lösen lassen

Häufige Fragen

Was sind Peptide und die Peptidbindung?

Peptide sind Ketten aus Aminosäuren. Die Peptidbindung ist die chemische Bindung, die diese Aminosäuren zusammenhält. Sie entsteht, wenn die Carboxygruppe einer Aminosäure mit der Aminogruppe einer anderen reagiert.

Wie entsteht eine Peptidbindung?

Eine Peptidbindung entsteht durch eine Kondensationsreaktion. Dabei spaltet sich die OH-Gruppe der Carboxygruppe und ein Wasserstoffatom der Aminogruppe als Wasser ab. Die übrig gebliebenen Enden verknüpfen sich direkt miteinander.

Warum ist die Peptidbindung starr und nicht drehbar?

Das liegt an der Mesomerie. Die Elektronen in der Bindungsgruppe können sich verteilen, wodurch ein partieller Doppelbindungscharakter entsteht. Dadurch ist die Bindung blockiert und alle beteiligten Atome liegen flach in einer Ebene.

Was ist der Unterschied zwischen einem Dipeptid und einem Protein?

Der Unterschied liegt in der Anzahl der Aminosäuren. Ein Dipeptid besteht aus genau zwei Aminosäuren. Ein Protein ist ein sehr langes Polypeptid, das meist aus mehr als 100 Aminosäuren besteht und komplexe biologische Aufgaben erfüllt.

Weiter lernen

Chemie nach Klassen:Klasse 5Klasse 6Klasse 7Klasse 8Klasse 9Klasse 10Klasse 11Klasse 12Klasse 13Alle Chemie-Themen

4.62 / 5.0 · 100.000+ Schüler verbessern bereits ihre Noten mit uns

Schneller zu besseren Mathe-Noten — starte heute kostenlos.

Kostenlos testen. Keine Kreditkarte. In wenigen Klicks bist du dabei.