Oxidationszahlen und Redoxreaktionen einfach erklärt
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Hast du dich schon einmal gefragt, warum eine Fahrradkette im Regen rostet oder warum ein Lagerfeuer brennt? Beide Vorgänge haben etwas gemeinsam: Es werden unsichtbar Elektronen zwischen den Stoffen ausgetauscht. In der Chemie sprechen wir hier von Redoxreaktionen und nutzen Oxidationszahlen, um den Überblick zu behalten.

Um bei Millionen von unsichtbaren Elektronen nicht den Überblick zu verlieren, haben Chemiker ein geniales Buchhaltungssystem erfunden: die sogenannten Oxidationszahlen. In dieser Lektion lernst du, wie du diese Zahlen wie ein Detektiv ermittelst und damit sofort erkennst, was bei einer chemischen Reaktion wirklich passiert.
Schnellantwort
Die Oxidationszahl ist eine fiktive (ausgedachte) Ladung. Sie hilft dabei, Elektronenverschiebungen in Molekülen nachzuvollziehen, indem man so tut, als bestünde die ganze Welt nur aus Ionen. Eine Redoxreaktion liegt vor, wenn sich diese Oxidationszahlen während einer Reaktion verändern, also Elektronen übertragen werden.
Vorwissen
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Elektronegativität (EN): Ein Maß dafür, wie stark ein Atom in einer Bindung die Elektronen an sich zieht.
Beispiel: Sauerstoff zieht Elektronen stärker an als Wasserstoff.
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Ionen: Atome oder Moleküle, die eine echte elektrische Ladung tragen, weil sie Elektronen verloren oder gewonnen haben.
Beispiel: Das Natrium-Ion hat ein Elektron abgegeben und ist positiv geladen.
Aufgabentyp 1: Oxidationszahlen und Redoxreaktionen bestimmen
In echten Ionen (wie ) gibt es echte Ladungen. In Molekülen (wie Wasser, ) werden die Elektronen jedoch geteilt. Um trotzdem rechnen zu können, tun Chemiker einfach so, als bestünde die ganze Welt nur aus Ionen.
Die Oxidationszahl ist also eine fiktive (ausgedachte) Ladung.
Stell dir eine chemische Bindung wie ein Tauziehen um die Valenzelektronen (Außenelektronen) vor. Das Atom mit der höheren Elektronegativität ist stärker und gewinnt das Tauziehen. Ihm werden gedanklich alle Bindungselektronen komplett zugesprochen.

Damit man diese ausgedachten Ladungen nicht mit echten Ionenladungen verwechselt, schreibt man Oxidationszahlen immer als römische Ziffern direkt über das Elementsymbol. Ein Vorzeichen (+ oder -) zeigt an, ob das Atom gedanklich Elektronen verloren oder gewonnen hat (z. B. , , ).
Du musst nicht jedes Mal ein Tauziehen zeichnen. Es gibt feste Regeln, die fast immer gelten. Gehe diese Liste bei Aufgaben einfach von oben nach unten durch:
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Regel 1: Elemente sind immer Null. In reinen Elementen (z. B. , , ) zieht kein Atom stärker als das andere. Die Oxidationszahl ist .
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Regel 2: Einatomige Ionen = Ionenladung. Bei ist die Oxidationszahl . Bei ist sie .
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Regel 3: Fluor und Metalle. Fluor hat in Verbindungen immer . Metalle haben in Verbindungen immer positive Oxidationszahlen.
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Regel 4: Wasserstoff (H) ist meistens +I. (Ausnahme: Wenn H mit einem Metall verbunden ist, ist es ).
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Regel 5: Sauerstoff (O) ist meistens -II. (Ausnahme: In Peroxiden wie ist es ).
Die wichtigste Regel zum Rechnen: Die Summenregel
In einem neutralen Molekül muss die Summe aller Oxidationszahlen exakt ergeben. In einem mehratomigen Ion (z. B. ) muss die Summe exakt der echten Ionenladung entsprechen.
Eine chemische Reaktion ist genau dann eine Redoxreaktion, wenn Elektronen übertragen werden. Ob das passiert ist, erkennst du daran, dass sich die Oxidationszahlen vom Edukt (vor dem Pfeil) zum Produkt (nach dem Pfeil) verändert haben.
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Oxidation (Elektronenabgabe): Das Atom verliert negativ geladene Elektronen. Dadurch wird seine Oxidationszahl mathematisch größer (positiver).
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Reduktion (Elektronenaufnahme): Das Atom nimmt negativ geladene Elektronen auf. Dadurch wird seine Oxidationszahl mathematisch kleiner (negativer). Merkhilfe: Reduktion = Reduzierung der Zahl.

Wenn bei einer Reaktion die Oxidationszahl eines Atoms steigt und die eines anderen Atoms sinkt, hast du eine Redoxreaktion gefunden!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Schritt 1: Feste Regeln anwenden Schreibe die bekannten Oxidationszahlen (wie für Elemente, für H, für O) über die jeweiligen Atome in der Reaktionsgleichung.
- Schritt 2: Fehlende Zahlen berechnen Nutze die Summenregel, um die Oxidationszahlen der restlichen Atome zu berechnen. Multipliziere dabei die Oxidationszahl mit der Anzahl der Atome im Molekül.
- Schritt 3: Vorher und Nachher vergleichen Vergleiche die Zahl jedes Atoms auf der linken Seite mit der Zahl auf der rechten Seite des Reaktionspfeils. Zahl steigt = Oxidation, Zahl sinkt = Reduktion.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Bestimme die Oxidationszahl von Kohlenstoff (C) im Molekül Kohlendioxid ().
- Schritt 1Feste Regeln anwenden
Nach Regel 5 hat Sauerstoff (O) fast immer die Oxidationszahl . Wir schreiben das über das O:
- Schritt 2 · ErgebnisFehlende Zahlen berechnen
Das Molekül ist neutral, die Summe muss also sein. Wir haben zwei Sauerstoffatome, die jeweils beisteuern.
Rechnung: .
Damit die Gesamtsumme ergibt, muss der Kohlenstoff (C) diese genau ausgleichen. Die Oxidationszahl von Kohlenstoff ist daher .
Die Oxidationszahl von Kohlenstoff (C) im Kohlendioxid ist +IV.
Beispiel 1
Überprüfe anhand der Oxidationszahlen, ob die Verbrennung von Wasserstoff eine Redoxreaktion ist, und benenne Oxidation und Reduktion:
- Schritt 1Feste Regeln anwenden
Auf der linken Seite stehen reine Elemente ( und ). Nach Regel 1 haben sie die Oxidationszahl .
Auf der rechten Seite im Wasser () gelten die Standardregeln: H ist und O ist .
- Schritt 2Fehlende Zahlen berechnen
Alle Zahlen sind bereits durch die festen Regeln bestimmt. Die Summenregel im Wasser () bestätigt, dass wir richtig liegen.
- Schritt 3 · ErgebnisVorher und Nachher vergleichen
Wir vergleichen die linke und rechte Seite:
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Wasserstoff (H): Geht von auf . Die Zahl wird größer. Das ist die Oxidation.
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Sauerstoff (O): Geht von auf . Die Zahl wird kleiner. Das ist die Reduktion.
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Da sich die Oxidationszahlen geändert haben, handelt es sich eindeutig um eine Redoxreaktion.
Wichtige Erkenntnisse
- Oxidationszahlen sind fiktive Ladungen und werden als römische Ziffern (z. B. , ) geschrieben.
- Wichtige Regeln: Elemente = ; Sauerstoff = meist ; Wasserstoff = meist .
- Die Summe der Oxidationszahlen in einem neutralen Molekül ist immer .
- Oxidation: Die Oxidationszahl steigt (Elektronenabgabe).
- Reduktion: Die Oxidationszahl sinkt (Elektronenaufnahme).
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Häufige Fragen
Was sind Oxidationszahlen?
Oxidationszahlen sind fiktive (ausgedachte) Ladungen, die Chemikern helfen, den Überblick über Elektronen zu behalten. Man tut dabei so, als bestünde jede Verbindung nur aus Ionen. Sie werden immer als römische Ziffern (z. B. +I oder -II) über das Elementsymbol geschrieben.
Wie bestimme ich die Oxidationszahl?
Dafür gibt es feste Regeln: Reine Elemente haben immer die Oxidationszahl 0. Sauerstoff hat meistens -II und Wasserstoff meistens +I. In einem neutralen Molekül muss die Summe aller Oxidationszahlen exakt 0 ergeben. So kannst du fehlende Zahlen einfach ausrechnen.
Woran erkenne ich eine Redoxreaktion?
Eine Redoxreaktion liegt vor, wenn Elektronen übertragen werden. Das erkennst du daran, dass sich die Oxidationszahlen der Atome verändern. Steigt die Zahl, handelt es sich um eine Oxidation. Sinkt die Zahl, spricht man von einer Reduktion.
Was ist der Unterschied zwischen Oxidation und Reduktion?
Bei der Oxidation gibt ein Atom Elektronen ab, wodurch seine Oxidationszahl mathematisch größer (positiver) wird. Bei der Reduktion nimmt ein Atom Elektronen auf, wodurch seine Oxidationszahl sinkt (negativer wird). Beide Vorgänge passieren bei einer Redoxreaktion immer gleichzeitig.
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