Nachweis von Aldehyden einfach erklärt: Tollens & Fehling
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Stell dir vor, du hast drei durchsichtige Flüssigkeiten vor dir. Sie sehen alle aus wie Wasser, aber eine davon ist ein Alkohol, eine ein Keton und eine ein Aldehyd. Wie findest du heraus, welche Flüssigkeit der Aldehyd ist, ohne sie zu berühren oder zu probieren?

Hier kommen chemische Nachweisreaktionen ins Spiel! Chemiker nutzen clevere Tests, die ihre Farbe ändern oder sogar echtes Silber erzeugen, wenn sie auf einen Aldehyd treffen. In diesem Artikel lernst du die wichtigsten Methoden für den Nachweis von Aldehyden kennen, um sie zweifelsfrei zu entlarven und von anderen Stoffen zu unterscheiden.
Vorwissen
- Aldehyde: Organische Moleküle, die eine funktionelle Aldehydgruppe () besitzen.
- Beispiel: Propanal ().
- Redoxreaktionen: Reaktionen, bei denen Elektronen übertragen werden. Ein Stoff gibt Elektronen ab (Oxidation), ein anderer nimmt sie auf (Reduktion).
- Beispiel: Ein Metallion wie nimmt ein Elektron auf und wird zu festem Silber ().
Aufgabentyp 1: Die Tollens-Probe (Silberspiegelprobe)
Die Tollens-Probe, benannt nach dem Chemiker Bernhard Tollens, ist einer der bekanntesten Tests für den Nachweis von Aldehyden. Sie wird oft auch Silberspiegelprobe genannt, weil sie ein wunderschönes, sichtbares Ergebnis liefert.
Für diesen Test benötigen wir zwei Reagenzien: Eine Silbernitratlösung () und eine Ammoniaklösung (). Wenn man diese mischt, entsteht zunächst ein brauner Feststoff (Niederschlag). Man tropft dann so lange weiter Ammoniak hinzu, bis die Flüssigkeit wieder völlig klar wird.
Gibt man nun einen Aldehyd hinzu, passiert bei Raumtemperatur oft noch nichts. Das Gemisch muss in einem warmen Wasserbad auf etwa erhitzt werden. Durch die Wärme reagiert der Aldehyd mit den Silberionen in der Lösung. Die Silberionen werden zu elementarem Silber reduziert, welches sich an der Glaswand absetzt.

Wenn du also einen glänzenden Silberspiegel an der Wand des Reagenzglases siehst, hast du erfolgreich einen Aldehyd (oder einen anderen reduzierenden Stoff) nachgewiesen!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Zweck: Nachweis eines Aldehyds durch die Bildung von elementarem Silber.
Materialien: Silbernitratlösung (), Ammoniaklösung (), ein flüssiger Aldehyd (z. B. Propanal), Reagenzglas, Becherglas mit heißem Wasser (), Pipetten.
⚠️ Sicherheitshinweis: Schutzbrille tragen! Silbernitrat verursacht hartnäckige schwarze Flecken auf der Haut. Ammoniakdämpfe nicht einatmen. Das Experiment sollte unter dem Abzug durchgeführt werden.
- Fülle Silbernitratlösung in das Reagenzglas.
- Tropfe langsam Ammoniaklösung hinzu, bis der braune Niederschlag, der sich anfangs bildet, gerade wieder verschwindet und die Lösung klar ist.
- Gib des Aldehyds (Propanal) hinzu.
- Stelle das Reagenzglas in das heiße Wasserbad und warte einige Minuten.

Beobachtung: Nach wenigen Minuten im heißen Wasserbad färbt sich die Lösung dunkel und an der inneren Glaswand bildet sich ein glänzender, spiegelnder Belag.
Erklärung: Der Aldehyd hat die Silberionen zu festem Silber reduziert. Dies beweist, dass die Probe ein Aldehyd ist.
Aufgabentyp 2: Die Fehling-Probe und die Benedict-Modifikation
Ein weiterer klassischer Test für den Nachweis von Aldehyden ist die Fehling-Probe (1848 von Hermann Fehling entwickelt). Sie wurde früher sogar von Ärzten genutzt, um Zucker im Urin von Diabetikern nachzuweisen, da viele Zucker ebenfalls reduzierend wirken.
Für diesen Test mischt man zwei separate Flüssigkeiten:
- Fehling-Lösung 1: Enthält Kupfer(II)-sulfat (diese Lösung ist hellblau).
- Fehling-Lösung 2: Enthält Natriumhydroxid (Natronlauge).
Mischt man beide, entsteht eine tiefblaue Flüssigkeit. Gibt man nun einen Aldehyd hinzu und erhitzt das Ganze wieder in einem heißen Wasserbad (ca. ), passiert etwas Auffälliges: Die blaue Farbe verschwindet und es bildet sich ein ziegelroter Feststoff. Dieser rote Stoff ist Kupfer(I)-oxid ().

Die Benedict-Probe (Die moderne Verbesserung)
Das Problem der Fehling-Probe ist, dass man immer zwei getrennte Flaschen lagern muss, da die fertige Mischung schnell kaputtgeht. Stanley Benedict hat den Test verbessert: Er ersetzte das aggressive Natriumhydroxid durch Natriumcarbonat und fügte Natriumcitrat als Stabilisator hinzu.
Das Ergebnis: Das Benedict-Reagenz funktioniert genauso wie die Fehling-Probe (es wird beim Erhitzen mit Aldehyden rot), aber es ist so stabil, dass es als eine einzige, fertige Testlösung in einer Flasche gelagert werden kann.
Aufgabentyp 3: Der Königsblau-Test (Nachweis in der Gasphase)
Was ist, wenn wir eine Probe nicht mit Chemikalien vermischen wollen? Hier hilft der Königsblau-Test. Dieser Test verwendet spezielle Reagenzstreifen und weist Aldehyde nicht in der Flüssigkeit, sondern in der Gasphase (in der Luft über der Flüssigkeit) nach.
Dazu hängt man den Teststreifen mit einer Pinzette in ein verschlossenes Reagenzglas, direkt über die zu testende Flüssigkeit. Der Streifen darf die Flüssigkeit nicht berühren! Wenn Aldehyd-Gase aufsteigen, färbt sich der Streifen blau.

Warum muss man manchmal erhitzen?
Kleine Aldehyde verdampfen schon bei Raumtemperatur sehr leicht. Große Aldehydmoleküle sind jedoch schwerer und weniger flüchtig. Ein Beispiel ist Citral, der Aldehyd, der Zitronenöl seinen typischen Duft verleiht. Damit der Teststreifen Citral erkennen kann, müssen wir das Reagenzglas in einem warmen Wasserbad (ca. ) erwärmen. Die Wärme erhöht die Flüchtigkeit, sodass genug Citral-Moleküle in die Gasphase aufsteigen und den Streifen blau färben.
Aufgabentyp 4: Unterscheidung von Aldehyden, Ketonen und Alkoholen
Warum machen wir diese ganzen Tests überhaupt? In der Chemie sehen viele Stoffe gleich aus, haben aber unterschiedliche Eigenschaften. Aldehyde, Ketone und Alkohole sind chemisch eng verwandt, aber nur Aldehyde haben ein sehr starkes Reduktionsvermögen. Das bedeutet, sie lassen sich sehr leicht weiter oxidieren.
Wir nutzen dieses Wissen, um sie zu unterscheiden:
- Positive Ergebnisse (Aldehyde): Stoffe wie Propanal oder Citral reagieren bei der Tollens-, Fehling- und Königsblau-Probe positiv. Sie erzeugen den Silberspiegel, den roten Niederschlag oder den blauen Streifen.

- Negative Ergebnisse (Ketone und Alkohole): Wenn wir stattdessen Propan-1-ol (einen primären Alkohol) oder Propanon (ein Keton) testen, passiert absolut nichts. Die Flüssigkeit bei Fehling bleibt blau, bei Tollens bleibt sie klar. Diese Stoffe dienen uns als Negativkontrollen. Sie beweisen, dass die Tests wirklich nur bei Aldehyden anschlagen und nicht bei chemisch ähnlichen Stoffen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du in einer Aufgabe herausfinden sollst, um welchen Stoff es sich handelt, gehe so vor:
- Testergebnis prüfen: Lies genau, was nach der Zugabe der Reagenzien und dem Erhitzen passiert ist.
- Positiv oder Negativ? Positiv: Silberspiegel (Tollens), roter Niederschlag (Fehling/Benedict) oder blauer Streifen (Königsblau). Negativ: Keine Veränderung (Lösung bleibt klar oder blau).
- Stoffklasse zuordnen: Ist der Test positiv, handelt es sich um einen Aldehyd (z. B. Propanal, Citral). Ist der Test negativ, handelt es sich um ein Keton (z. B. Propanon) oder einen Alkohol (z. B. Propan-1-ol).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Du hast zwei unbeschriftete Reagenzgläser. Eines enthält Propanal, das andere Propanon. Du gibst zu beiden Gläsern Fehling-Lösung 1 und 2 und stellst sie in ein heißes Wasserbad. Glas A bleibt tiefblau. In Glas B bildet sich ein ziegelroter Niederschlag. Bestimme, welche Flüssigkeit in welchem Glas ist.
- Schritt 1Testergebnis prüfen
Glas A zeigt keine Veränderung (bleibt blau). Glas B zeigt einen ziegelroten Niederschlag.
- Schritt 2Positiv oder Negativ?
Das Ergebnis in Glas A ist negativ. Das Ergebnis in Glas B ist positiv für die Fehling-Probe.
- Schritt 3 · ErgebnisStoffklasse zuordnen
Da nur Aldehyde positiv auf die Fehling-Probe reagieren, muss Glas B den Aldehyd Propanal enthalten. Glas A reagiert nicht, es enthält also das Keton Propanon.
Glas B enthält Propanal und Glas A enthält Propanon.
Beispiel 2
Ein Schüler möchte Citral mit dem Königsblau-Test nachweisen. Er hängt den Teststreifen über die Flüssigkeit bei Raumtemperatur, aber der Streifen verfärbt sich nicht. Erkläre, warum der Test fehlschlägt und was der Schüler ändern muss.
- Schritt 1Problem identifizieren
Der Königsblau-Test weist Aldehyde in der Gasphase nach. Citral ist ein großes Molekül und verdampft bei Raumtemperatur nicht stark genug.
- Schritt 2 · ErgebnisLösung finden
Der Schüler muss das Reagenzglas in einem warmen Wasserbad (ca. ) erhitzen. Dadurch wird das Citral flüchtiger, steigt in die Gasphase auf und der Teststreifen wird sich blau färben.
Das Reagenzglas muss in einem warmen Wasserbad erhitzt werden, damit das Citral verdampft und nachgewiesen werden kann.
Wichtige Erkenntnisse
- Tollens-Probe: Silbernitrat + Ammoniak + Hitze Silberspiegel.
- Fehling-Probe: Kupfer(II)-sulfat + Natronlauge + Hitze Ziegelroter Niederschlag ().
- Benedict-Probe: Wie Fehling, aber als stabile Ein-Flaschen-Lösung (mit Natriumcarbonat).
- Königsblau-Test: Nachweis in der Gasphase. Große Moleküle (Citral) müssen erhitzt werden.
- Unterscheidung: Nur Aldehyde reagieren positiv. Ketone und Alkohole reagieren nicht.
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Häufige Fragen
Was ist der Nachweis von Aldehyden?
Der Nachweis von Aldehyden umfasst verschiedene chemische Reaktionen, mit denen man Aldehyde von anderen Stoffen wie Ketonen oder Alkoholen unterscheiden kann. Da Aldehyde leicht oxidierbar sind, nutzt man Reagenzien, die bei Kontakt mit einem Aldehyd ihre Farbe ändern oder einen Niederschlag bilden.
Wie funktioniert die Tollens-Probe?
Die Tollens-Probe, auch Silberspiegelprobe genannt, nutzt eine ammoniakalische Silbernitratlösung. Gibt man einen Aldehyd hinzu und erhitzt das Gemisch, werden die Silberionen zu elementarem Silber reduziert. Dieses setzt sich als glänzender Silberspiegel an der Wand des Reagenzglases ab.
Was ist der Unterschied zwischen der Fehling- und der Benedict-Probe?
Beide Proben weisen Aldehyde durch die Bildung eines ziegelroten Niederschlags aus Kupfer(I)-oxid nach. Die Fehling-Probe besteht jedoch aus zwei getrennten Lösungen, die erst kurz vor Gebrauch gemischt werden dürfen. Die Benedict-Probe nutzt Natriumcarbonat und Natriumcitrat als Stabilisatoren, wodurch sie als fertige, haltbare Lösung in einer einzigen Flasche gelagert werden kann.
Warum reagieren Ketone nicht auf die Fehling- oder Tollens-Probe?
Ketone besitzen im Gegensatz zu Aldehyden kein Wasserstoffatom an der Carbonylgruppe und lassen sich daher nicht so leicht weiter oxidieren. Da die Nachweisreaktionen auf der Reduzierbarkeit der Probe beruhen, fallen die Tests bei Ketonen negativ aus – die Lösung zeigt keine Farbveränderung und es entsteht kein Niederschlag.
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