Intermolekulare Kräfte einfach erklärt: Arten & Beispiele
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Hast du dich jemals gefragt, wie ein Gecko kopfüber an einer spiegelglatten Glasscheibe laufen kann, ohne herunterzufallen? Er benutzt keinen Kleber und keine Saugnäpfe. Sein Geheimnis ist reine Chemie!

Zwischen den winzigen Härchen an den Füßen des Geckos und dem Glas wirken unsichtbare Anziehungskräfte. Diese sogenannten intermolekularen Kräfte wirken nicht nur bei Geckos, sondern zwischen allen Molekülen auf der Welt. In dieser Lektion wirst du lernen, wie diese unsichtbaren Kräfte funktionieren und warum sie bestimmen, ob ein Stoff bei Raumtemperatur flüssig ist, kocht oder sich in Wasser auflöst.
Vorwissen
- Elektronegativität (EN): Die Fähigkeit eines Atoms, Elektronen in einer Bindung an sich zu ziehen. Beispiel: Sauerstoff zieht Elektronen stärker an als Wasserstoff.
- Polare Atombindung & Partialladungen: Wenn Elektronen ungleich verteilt sind, entstehen Teilladungen (Partialladungen), markiert mit (positiv) und (negativ). Beispiel: Im Wassermolekül () ist der Sauerstoff leicht negativ () und der Wasserstoff leicht positiv ().
- Funktionelle Gruppen: Bestimmte Atomgruppen in organischen Molekülen. Beispiel: Alkohole haben eine Hydroxygruppe ().
Aufgabentyp 1: Intermolekulare Kräfte und Eigenschaften bestimmen
Um physikalische Eigenschaften von Stoffen zu verstehen, müssen wir die verschiedenen Arten der intermolekularen Kräfte betrachten. Bisher kennst du Bindungen innerhalb eines Moleküls. Jetzt schauen wir uns die Kräfte an, die zwischen zwei verschiedenen Molekülen wirken. Der Überbegriff für diese Kräfte lautet Van-der-Waals-Kräfte. Sie lassen sich in zwei Hauptarten unterteilen:
1. Dipol-Dipol-Kräfte (Die permanenten Magnete) Manche Moleküle, wie zum Beispiel Propanon, haben aufgrund ihrer Atome eine dauerhaft ungleiche Ladungsverteilung. Sie sind permanente Dipole. Das bedeutet, sie haben immer eine leicht positive Seite () und eine leicht negative Seite (). Wenn zwei solcher Moleküle aufeinandertreffen, zieht die positive Seite des einen Moleküls die negative Seite des anderen an. Diese elektrostatische Anziehung nennt man Dipol-Dipol-Kraft.
2. London-Dispersionskräfte (Die temporären Magnete) Was passiert bei unpolaren Molekülen wie Alkanen, die eigentlich keine Ladungsschwerpunkte haben? Hier bewegen sich die Elektronen ständig umher. Für den Bruchteil einer Sekunde können sich zufällig mehr Elektronen auf der linken Seite des Moleküls befinden als auf der rechten. Dadurch entsteht ein temporärer (flüchtiger) Dipol.

Dieser temporäre Dipol schubst die Elektronen im Nachbarmolekül weg und erzeugt dort einen induzierten Dipol. Nun ziehen sich beide kurzzeitig an. Diese London-Kräfte sind meist schwächer als Dipol-Dipol-Kräfte (bei Molekülen ähnlicher Größe), aber sie sind der Grund, warum auch unpolare Stoffe flüssig oder fest werden können.
Wasserstoffbrückenbindungen Die stärkste Form der intermolekularen Anziehung ist die Wasserstoffbrückenbindung (oft einfach Wasserstoffbrücke genannt). Sie ist quasi die Super-Version der Dipol-Dipol-Kraft.
Damit sich eine Wasserstoffbrücke bilden kann, müssen zwei strenge Bedingungen erfüllt sein:
- Ein Wasserstoffatom muss direkt an ein sehr stark elektronegatives Atom (wie Sauerstoff oder Stickstoff) gebunden sein. Dadurch wird das Wasserstoffatom extrem stark positiv polarisiert ().
- Das benachbarte Molekül muss ein stark elektronegatives Atom mit einem freien (nicht-bindenden) Elektronenpaar besitzen ().

Das stark positive Wasserstoffatom klinkt sich wie ein starker Magnet an das freie Elektronenpaar des Nachbarn an. Diese Brücken kommen in Wasser, Alkoholen, Carbonsäuren und sogar in unserer DNA vor. Weil diese Anziehung so stark ist, halten die Moleküle extrem fest zusammen. Das führt zu deutlich höheren Schmelz- und Siedetemperaturen und sorgt dafür, dass sich solche Stoffe oft hervorragend in Wasser lösen.
Einfluss zwischenmolekularer Kräfte auf die Siedepunkte Wenn eine Flüssigkeit siedet (kocht), verdampft sie. Das bedeutet, wir müssen Energie (Wärme) aufwenden, um die Moleküle voneinander wegzureißen. Je stärker die intermolekularen Kräfte sind, die die Moleküle zusammenhalten, desto mehr Energie wird benötigt und desto höher ist die Siedetemperatur ().
Schauen wir uns vier Moleküle an, die alle ungefähr gleich groß sind (sie haben alle nur ein Kohlenstoffatom), aber völlig unterschiedliche Kräfte besitzen:
- Methan (Ein Alkan): Besitzt nur schwache London-Kräfte. Es siedet bereits bei extrem kalten .
- Methanal (Ein Alkanal): Besitzt permanente Dipol-Dipol-Kräfte. Die Moleküle halten besser zusammen. Der Siedepunkt steigt auf .
- Methanol (Ein Alkanol): Besitzt eine Hydroxygruppe und bildet starke Wasserstoffbrücken. Der Siedepunkt springt auf .
- Methansäure (Eine Alkansäure): Kann noch stärkere und mehr Wasserstoffbrücken bilden als Methanol. Sie siedet erst bei .

Obwohl die Moleküle fast gleich groß sind, entscheidet allein die Art der intermolekularen Kraft darüber, ob der Stoff bei Raumtemperatur ein Gas oder eine Flüssigkeit ist.
Löslichkeitsprinzipien: Hydrophil und lipophil In der Chemie gilt ein eiserner Grundsatz: „Ähnliches löst sich in Ähnlichem.“
Stoffe lassen sich in zwei Kategorien einteilen:
- Hydrophil (wasserliebend): Das sind polare Stoffe, die Wasserstoffbrücken oder Dipol-Kräfte bilden können. Sie lösen sich gut in Wasser.
- Lipophil (fettliebend): Das sind unpolare Stoffe (wie Alkane, Benzin oder Hexan), die nur London-Kräfte besitzen. Sie lösen sich gut in Fetten oder Ölen, aber niemals in Wasser.
Deshalb mischen sich Wasser (polar) und Öl oder Hexan (unpolar) nicht. Sie bilden zwei getrennte Schichten.
Aber was ist mit Alkohol, genauer gesagt Ethanol? Ethanol ist ein besonderes Molekül, denn es ist amphiphil (beides liebend). Es besitzt zwei verschiedene Gesichter:

Die unpolare Kohlenwasserstoffkette (Ethylgruppe) ist lipophil und verbindet sich gerne mit Benzin oder Hexan. Die polare Hydroxygruppe () ist hydrophil und bildet Wasserstoffbrücken mit Wasser. Weil Ethanol beide Teile enthält, kann es sich sowohl in Wasser als auch in unpolaren Lösungsmitteln wie Benzin hervorragend lösen.
Löslichkeit im Test Zweck: Sichtbarmachen der Löslichkeitsprinzipien von polaren, unpolaren und amphiphilen Stoffen. Materialien: 3 Reagenzgläser, Wasser, Hexan, Ethanol. ⚠️ Sicherheitshinweis: Hexan und Ethanol sind leicht entzündlich. Hexan ist gesundheitsschädlich. Nur unter dem Abzug und mit Schutzbrille arbeiten. Keine offenen Flammen im Raum!
Durchführung:
- Fülle Wasser in das erste Reagenzglas und gib Hexan hinzu. Schüttle vorsichtig.
- Fülle Wasser in das zweite Reagenzglas und gib Ethanol hinzu. Schüttle vorsichtig.

Beobachtung: Im ersten Reagenzglas bilden sich sofort zwei getrennte Schichten. Das Hexan schwimmt oben, das Wasser unten. Im zweiten Reagenzglas vermischen sich Wasser und Ethanol vollständig zu einer einzigen, klaren Flüssigkeit.
Erklärung: Wasser ist polar (hydrophil) und Hexan ist unpolar (lipophil). Sie stoßen sich ab und mischen sich nicht. Ethanol hingegen besitzt eine polare Hydroxygruppe, mit der es Wasserstoffbrücken zum Wasser aufbauen kann. Daher löst es sich perfekt im Wasser auf.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du in einer Prüfung herausfinden sollst, welche intermolekularen Kräfte in einem Stoff wirken und wie hoch sein Siedepunkt im Vergleich ist, nutze diesen Plan:
- Prüfe auf Wasserstoffbrücken: Suche nach einem Wasserstoffatom, das direkt an Sauerstoff, Stickstoff oder Fluor gebunden ist.
- Suche nach permanenten Dipolen: Kontrolliere, ob stark elektronegative Atome asymmetrisch im Molekül verteilt sind.
- Identifiziere unpolare Moleküle: Stelle fest, ob das Molekül symmetrisch aufgebaut ist und nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Vergleiche die Moleküle Propan (ein Alkan) und Propanol (ein Alkanol). Beide haben eine ähnliche Molekülgröße. Welcher Stoff hat die höhere Siedetemperatur? Begründe deine Antwort anhand der intermolekularen Kräfte.
- Schritt 1Nach Wasserstoffbrücken suchen
Propanol besitzt eine Hydroxygruppe (). Das Wasserstoffatom ist direkt an den elektronegativen Sauerstoff gebunden. Propanol bildet also starke Wasserstoffbrückenbindungen. Propan besteht nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Es hat keine Gruppe.
- Schritt 2 & 3Weitere Kräfte bestimmen
Da Propan nur aus und besteht und unpolar ist, wirken zwischen den Propan-Molekülen ausschließlich schwache London-Dispersionskräfte.
- Schritt 4 · ErgebnisSiedetemperaturen vergleichen
Da Wasserstoffbrückenbindungen viel stärker sind als London-Dispersionskräfte, wird viel mehr Energie benötigt, um die Propanol-Moleküle voneinander zu trennen.
Daher hat Propanol eine deutlich höhere Siedetemperatur als Propan.
Quiz zu Intermolekulare Kräfte: Teste dein Wissen
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Quizfrage 1 zu Intermolekulare Kräfte
Welche Teilladungen liegen im Wassermolekül an den verschiedenen Atomen vor?
Quizfrage 2 zu Intermolekulare Kräfte
Nur mit AccountWie entstehen London-Dispersionskräfte zwischen unpolaren Molekülen?
Übungsaufgabe zu Intermolekulare Kräfte
Nur mit AccountWichtige Erkenntnisse
- London-Kräfte: Schwache Anziehung durch temporäre Dipole (vor allem in unpolaren Stoffen wie Alkanen).
- Dipol-Dipol-Kräfte: Mittlere Anziehung zwischen permanenten Dipolen (Moleküle mit ungleicher Ladungsverteilung).
- Wasserstoffbrückenbindungen: Stärkste Kraft; erfordert ein an , oder gebundenes H-Atom und ein freies Elektronenpaar.
- Siedepunkt: Je stärker die intermolekularen Kräfte, desto höher ist die Siedetemperatur.
- Löslichkeit: Hydrophile (polare) Stoffe lösen sich in Wasser. Lipophile (unpolare) Stoffe lösen sich in Fett/Benzin. Amphiphile Stoffe (wie Ethanol) lösen sich in beidem.
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Häufige Fragen
Was sind intermolekulare Kräfte?
Intermolekulare Kräfte sind unsichtbare Anziehungskräfte, die zwischen verschiedenen Molekülen wirken. Im Gegensatz zu Atombindungen, die Atome innerhalb eines Moleküls zusammenhalten, bestimmen intermolekulare Kräfte die physikalischen Eigenschaften eines Stoffes, wie zum Beispiel den Siedepunkt oder die Löslichkeit.
Welche Arten von intermolekularen Kräften gibt es?
Es gibt drei Hauptarten von intermolekularen Kräften: London-Dispersionskräfte (schwache Anziehung durch temporäre Dipole), Dipol-Dipol-Wechselwirkungen (mittlere Anziehung zwischen permanenten Dipolen) und Wasserstoffbrückenbindungen (die stärkste Form der Anziehung, die spezielle Voraussetzungen erfordert).
Warum haben Stoffe mit Wasserstoffbrücken höhere Siedepunkte?
Wasserstoffbrückenbindungen sind die stärksten intermolekularen Kräfte. Weil die Moleküle durch diese starken Brücken extrem fest zusammengehalten werden, wird beim Erhitzen sehr viel Energie benötigt, um sie voneinander zu trennen. Das führt zu deutlich höheren Schmelz- und Siedetemperaturen im Vergleich zu Stoffen mit schwächeren Kräften.
Was bedeutet der Grundsatz Ähnliches löst sich in Ähnlichem?
Dieser chemische Grundsatz besagt, dass sich polare (hydrophile) Stoffe gut in polaren Lösungsmitteln wie Wasser lösen. Unpolare (lipophile) Stoffe lösen sich hingegen gut in unpolaren Lösungsmitteln wie Fett oder Benzin. Wasser und Öl mischen sich nicht, da sie unterschiedliche Polaritäten aufweisen.
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