Industrielle Synthesewege von Essigsäure einfach erklärt
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Wenn du an Essigsäure denkst, fällt dir wahrscheinlich zuerst der Essig in deinem Salatdressing ein. Doch die industriellen Synthesewege von Essigsäure zeigen, dass sie viel mehr als nur ein Lebensmittel ist! Sie ist einer der wichtigsten Bausteine der chemischen Industrie.

Jedes Jahr werden weltweit Millionen Tonnen Essigsäure hergestellt, um daraus Kunststoffe, Klebstoffe und Farben zu produzieren. Da wir diese riesigen Mengen nicht einfach aus Apfelsaft gären lassen können, haben Chemiker im Laufe der Zeit clevere industrielle Synthesewege entwickelt. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie sich die Herstellung von einem älteren, zweistufigen Verfahren hin zu einer hochmodernen, effizienteren Methode entwickelt hat.
Vorwissen
Bevor wir uns die industriellen Synthesewege von Essigsäure im Detail ansehen, solltest du zwei wichtige Begriffe kennen:
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Katalysator: Ein Stoff, der eine chemische Reaktion beschleunigt, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Er wird in Reaktionsgleichungen oft über den Reaktionspfeil geschrieben.
Beispiel: Platin in Autoabgaskatalysatoren hilft, giftige Gase schneller umzuwandeln.
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Oxidation (in der organischen Chemie): Die Aufnahme von Sauerstoffatomen (oder die Abgabe von Wasserstoff) in ein Molekül.
Beispiel: Ein Alkohol kann durch die Reaktion mit Sauerstoff zu einer Carbonsäure oxidiert werden.
Aufgabentyp 1: Das ältere Verfahren – Oxidation von Ethanal
Der erste wichtige industrielle Syntheseweg von Essigsäure basierte auf Ethen. Früher wurde Essigsäure hauptsächlich aus Ethen hergestellt. Ethen ist ein Gas, das aus Erdöl gewonnen wird. Dieser Syntheseweg besteht aus zwei aufeinanderfolgenden Oxidationsschritten.
Schritt 1: Von Ethen zu Ethanal Im ersten Schritt wird das Ethen mit Sauerstoff zur Reaktion gebracht. Damit diese Reaktion schnell genug abläuft, benötigt man ein spezielles Katalysator-Gemisch aus Kupfer(II)-chlorid und Palladium(II)-chlorid. Das Produkt ist Ethanal (ein Aldehyd).
Schritt 2: Von Ethanal zu Essigsäure Das entstandene Ethanal wird nun in einem zweiten Schritt weiter mit Sauerstoff oxidiert. Hierbei kommt ein anderer Katalysator zum Einsatz: Mangan(II)-Ionen (). Durch diese zweite Oxidation entsteht schließlich die gewünschte Essigsäure.

Dieses Verfahren war lange Zeit der Standard, wurde aber weitgehend abgelöst, da Ethen als Rohstoff relativ teuer ist.
Aufgabentyp 2: Das moderne Verfahren – Carbonylierung von Methanol
Heute nutzt die Industrie einen günstigeren Rohstoff für die Essigsäure-Synthese: Erdgas (hauptsächlich Methan). Der moderne Weg zur Essigsäure verläuft in drei Schritten.
Schritt 1: Herstellung von Synthesegas Zuerst wird Methan mit etwas Sauerstoff verbrannt. Da absichtlich zu wenig Sauerstoff für eine vollständige Verbrennung verwendet wird, nennt man dies partielle Oxidation. Es entsteht ein Gemisch aus Kohlenstoffmonoxid () und Wasserstoff (), das man Synthesegas nennt.
Schritt 2: Synthese von Methanol Aus dem Synthesegas wird nun der Alkohol Methanol hergestellt. Dies geschieht unter hohem Druck und mit Hilfe eines Katalysators aus Kupfer und Zinkoxid ().
Schritt 3: Carbonylierung von Methanol Der letzte und wichtigste Schritt ist die Carbonylierung. Das bedeutet einfach, dass ein Kohlenstoffmonoxid-Molekül () in das Methanol-Molekül eingeschoben wird.

Warum Iridium? Für diesen letzten Schritt nutzte man früher Rhodium als Katalysator. Heute bevorzugt man Verbindungen des Metalls Iridium. Iridium ist nicht nur kostengünstiger als Rhodium, sondern macht den gesamten chemischen Prozess auch stabiler und einfacher zu steuern.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du in einer Prüfung den Syntheseweg eines industriellen Verfahrens aufschreiben sollst, gehe systematisch vor:
- Ausgangsstoffe und Zwischenprodukte identifizieren: Überlege dir die Kette der Stoffe (z. B. Methan Synthesegas Methanol Essigsäure).
- Reaktionsgleichungen für jeden Teilschritt formulieren: Schreibe die Edukte links und die Produkte rechts vom Pfeil. Achte darauf, ob zusätzliche Stoffe wie Sauerstoff () oder Kohlenstoffmonoxid () hinzugefügt werden müssen.
- Katalysatoren über den Pfeil schreiben: Industrielle Prozesse funktionieren fast nie ohne Katalysator. Notiere den spezifischen Katalysator (z. B. oder ) direkt über dem Reaktionspfeil.
- Gleichung ausgleichen: Stelle sicher, dass auf beiden Seiten des Pfeils die gleiche Anzahl an Atomen jeder Sorte steht.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Formuliere die chemische Reaktionsgleichung für den finalen Schritt des modernen Verfahrens zur Essigsäureherstellung (Carbonylierung). Nenne den heute bevorzugten Katalysator und gib einen Grund für diese Bevorzugung an.
- Schritt 1Edukte und Produkte bestimmen
Bei der Carbonylierung reagiert Methanol () mit Kohlenstoffmonoxid () zu Essigsäure ().
- Schritt 2 · ErgebnisReaktionsgleichung und Katalysator aufstellen
Die Reaktionsgleichung lautet:
Der heute bevorzugte Katalysator ist Iridium (). Er wird bevorzugt, weil er kostengünstiger als das früher verwendete Rhodium ist und den Gesamtprozess einfacher macht.
Die Reaktionsgleichung ist vollständig aufgestellt und Iridium als kostengünstigerer Katalysator benannt.
Beispiel 2
Ein älteres Chemiewerk produziert Essigsäure ausgehend von Ethen. Formuliere die beiden chemischen Reaktionsgleichungen für diesen Prozess und gib die jeweiligen Katalysatoren an.
- Schritt 1Erste Oxidation (Ethen zu Ethanal)
Ethen reagiert mit Sauerstoff. Der Katalysator ist ein Gemisch aus Kupfer- und Palladiumchlorid.
- Schritt 2 · ErgebnisZweite Oxidation (Ethanal zu Essigsäure)
Das entstandene Ethanal wird mit weiterem Sauerstoff oxidiert. Der Katalysator hierfür sind Mangan(II)-Ionen.
Das ältere Verfahren besteht aus den zwei Oxidationsschritten von Ethen zu Ethanal und von Ethanal zu Essigsäure.
Wichtige Erkenntnisse
- Älteres Verfahren: Zweistufige Oxidation von Ethen Ethanal Essigsäure. Wichtige Katalysatoren sind (Schritt 1) und (Schritt 2).
- Modernes Verfahren: Dreistufig. Methan Synthesegas Methanol Essigsäure.
- Carbonylierung: Der letzte Schritt des modernen Verfahrens, bei dem an Methanol angelagert wird.
- Iridium-Katalysator: Wird heute bei der Carbonylierung bevorzugt, da er günstiger als Rhodium ist und den Prozess vereinfacht.
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Häufige Fragen
Was sind industrielle Synthesewege von Essigsäure?
Die industriellen Synthesewege von Essigsäure sind großtechnische Verfahren, um Essigsäure für die chemische Industrie herzustellen. Früher nutzte man vor allem die zweistufige Oxidation von Ethen. Heute ist das moderne Verfahren die Carbonylierung von Methanol, da es auf dem günstigeren Rohstoff Erdgas (Methan) basiert.
Wie funktioniert das moderne Verfahren zur Essigsäure-Herstellung?
Das moderne Verfahren verläuft in drei Schritten:
- Aus Methan wird durch partielle Oxidation Synthesegas (Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff) hergestellt.
- Aus dem Synthesegas wird Methanol synthetisiert.
- Im letzten Schritt, der Carbonylierung, wird Kohlenstoffmonoxid in das Methanol eingeschoben, wodurch Essigsäure entsteht.
Warum wird bei der Carbonylierung heute ein Iridium-Katalysator verwendet?
Früher wurde für die Carbonylierung von Methanol Rhodium als Katalysator genutzt. Heute bevorzugt die Industrie Iridium, weil dieses Metall deutlich kostengünstiger ist. Zudem macht der Iridium-Katalysator den gesamten chemischen Prozess stabiler und leichter zu steuern.
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