Das ideale Gasgesetz einfach erklärt: Formel & Beispiele

Lerne das ideale Gasgesetz und das kombinierte Gasgesetz kennen. Schritt-für-Schritt-Erklärungen, Formeln und Beispiele zur Berechnung von Gasvolumina.

📅 Aktualisiert 29. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Das ideale Gasgesetz einfach erklärt: Formel & Beispiele

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Hast du dich jemals gefragt, warum ein Heißluftballon fliegen kann? Wenn der Brenner die Luft im Inneren des Ballons erhitzt, dehnen sich die Gasteilchen aus und beanspruchen mehr Platz. Das Volumen des Gases ändert sich also durch die Temperatur.

Heißluftballon mit Brenner und Gasteilchen
Heißluftballon mit Brenner und Gasteilchen

In der Chemie und Physik reicht es aber nicht aus, nur zu wissen, dass sich Gase ausdehnen. Wir wollen genau berechnen können, wie viel Platz ein Gas einnimmt, wenn sich Druck oder Temperatur ändern, oder wie viel Liter Gas bei einer chemischen Reaktion im Labor entstehen. Genau dafür lernen wir nun das ideale Gasgesetz kennen.

Vorwissen

  • Stoffmenge und Molare Masse: Die Stoffmenge nn (in mol) berechnet sich aus der Masse mm und der molaren Masse MM.

    Formel: n=mMn = \frac{m}{M}

    Beispiel: 12 g12\text{ g} Kohlenstoff (M=12 g/molM = 12\text{ g/mol}) entsprechen genau 1 mol1\text{ mol}.

  • Stoffmengenverhältnisse: Die großen Zahlen (Koeffizienten) vor den Stoffen in einer Reaktionsgleichung geben an, in welchem Verhältnis die Stoffe miteinander reagieren.

    Beispiel: Bei der Reaktion 2 H2+O22 H2O2 \text{ H}_2 + \text{O}_2 \to 2 \text{ H}_2\text{O} reagieren genau doppelt so viele Mol Wasserstoff wie Sauerstoff.

Aufgabentyp 1: Anwendung des idealen Gasgesetzes und der Kelvin-Skala

Um das Verhalten von Gasen zu berechnen, müssen wir zuerst die richtige Temperaturskala verwenden. In der Wissenschaft nutzen wir die Kelvin-Skala (K). Der absolute Nullpunkt, also die kältestmögliche Temperatur im Universum, liegt bei 273,15C-273,15 ^\circ\text{C}. Das entspricht genau 0 K0 \text{ K}.

Um von Celsius in Kelvin umzurechnen, addieren wir einfach 273,15273,15:

TK=ϑC+273,15T_K = \frac{\vartheta}{^\circ\text{C}} + 273,15

(Hinweis: Ein Temperaturunterschied von 10C10 ^\circ\text{C} ist exakt dasselbe wie ein Unterschied von 10 K10 \text{ K}. Nur der Startpunkt der Skalen ist verschoben.)

Das Verhalten eines Gases wird durch vier Eigenschaften bestimmt, die im idealen Gasgesetz zusammengefasst sind:

pV=nRT\textcolor{#08BFFF}{p} \cdot \textcolor{#53E5D6}{V} = n \cdot R \cdot \textcolor{#9570FF}{T}

  • p\textcolor{#08BFFF}{p}: Druck in Hektopascal (hPa)
  • V\textcolor{#53E5D6}{V}: Volumen in Litern (l)
  • nn: Stoffmenge in Mol (mol)
  • RR: Universelle Gaskonstante (83,14463 hPal/(molK)83,14463 \text{ hPa}\cdot\text{l}/(\text{mol}\cdot\text{K}))
  • T\textcolor{#9570FF}{T}: Temperatur in Kelvin (K)
Vier Eigenschaften des idealen Gasgesetzes
Vier Eigenschaften des idealen Gasgesetzes

Wenn wir ein Gas in einem Behälter einschließen (die Stoffmenge nn bleibt also gleich) und es erhitzen oder zusammenpressen, ändert sich sein Zustand. Für solche Zustandsänderungen nutzen wir das kombinierte Gasgesetz:

p1V1T1=p2V2T2\textcolor{#08BFFF}{p_1} \cdot \frac{\textcolor{#53E5D6}{V_1}}{\textcolor{#9570FF}{T_1}} = \textcolor{#08BFFF}{p_2} \cdot \frac{\textcolor{#53E5D6}{V_2}}{\textcolor{#9570FF}{T_2}}

Die linke Seite beschreibt den Zustand vor der Änderung (Zustand 1), die rechte Seite den Zustand danach (Zustand 2).

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

In einem Zylinder befinden sich 200 ml200 \text{ ml} Wasserstoffgas bei Standardbedingungen (p1=1000 hPap_1 = 1000 \text{ hPa}, ϑ1=25C\vartheta_1 = 25 ^\circ\text{C}). Das Gas wird nun auf ϑ2=100C\vartheta_2 = 100 ^\circ\text{C} erhitzt und gleichzeitig auf einen Druck von p2=2000 hPap_2 = 2000 \text{ hPa} komprimiert. Berechne das neue Volumen V2V_2 des Gases.

Fortschritt
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  1. Schritt 1
    Temperaturen in Kelvin umrechnen

    T1=25+273,15=298,15 KT_1 = 25 + 273,15 = 298,15 \text{ K} T2=100+273,15=373,15 KT_2 = 100 + 273,15 = 373,15 \text{ K}

  2. Schritt 2
    Kombiniertes Gasgesetz umstellen

    Da sich die Gasmenge nicht ändert, nutzen wir das kombinierte Gasgesetz: p1V1T1=p2V2T2\frac{p_1 \cdot V_1}{T_1} = \frac{p_2 \cdot V_2}{T_2} Wir suchen V2V_2. Dazu multiplizieren wir beide Seiten mit T2T_2 und teilen durch p2p_2: V2=p1V1T2p2T1V_2 = \frac{p_1 \cdot V_1 \cdot T_2}{p_2 \cdot T_1}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Werte einsetzen und berechnen

    V2=1000 hPa200 ml373,15 K2000 hPa298,15 KV_2 = \frac{1000 \text{ hPa} \cdot 200 \text{ ml} \cdot 373,15 \text{ K}}{2000 \text{ hPa} \cdot 298,15 \text{ K}} V2125 mlV_2 \approx 125 \text{ ml}

Ergebnis:

Das neue Volumen beträgt etwa 125 ml125 \text{ ml}. Das macht physikalisch Sinn, da die Verdopplung des Drucks das Gas stark zusammendrückt, auch wenn die Erwärmung es leicht ausdehnt.

Aufgabentyp 2: Berechnung von Gasvolumina bei chemischen Reaktionen

In vielen chemischen Reaktionen entstehen Gase als Produkte oder werden als Edukte verbraucht. Oft kennen wir die Masse eines festen Ausgangsstoffes und wollen wissen, wie viel Liter Gas am Ende entstehen.

⚠️ Sicherheitshinweis: Wenn Metalle wie Magnesium mit Säuren reagieren, entsteht Wasserstoffgas. Dieses Gas ist hochentzündlich und kann mit Luftsauerstoff explosive Gemische (Knallgas) bilden. Solche Versuche dürfen nur unter dem Abzug und mit Schutzbrille durchgeführt werden. Offene Flammen sind streng verboten!

Um das Volumen des entstehenden Gases zu berechnen, nutzen wir die Stoffmenge (nn) als Brücke. Aus der Reaktionsgleichung können wir ablesen, wie viele Mol des Gases aus einer bestimmten Menge des Feststoffs entstehen. Sobald wir die Stoffmenge nn des Gases kennen, können wir das ideale Gasgesetz nutzen, um das Volumen bei der aktuellen Raumtemperatur und dem aktuellen Luftdruck zu berechnen.

Stoffmenge als Brücke für Gasvolumina
Stoffmenge als Brücke für Gasvolumina

Ein Mol eines jeden idealen Gases nimmt bei Standardbedingungen (20C20 ^\circ\text{C} und 1013 hPa1013 \text{ hPa}) übrigens immer ein Volumen von etwa 24 l24 \text{ l} ein. Dies nennt man das molare Volumen (Vm24 l/molV_m \approx 24 \text{ l/mol}).

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Stoffmenge berechnen: Nutze die gegebene Masse mm und die molare Masse MM aus dem Periodensystem, um die Stoffmenge zu berechnen: n=mMn = \frac{m}{M}.
  2. Stoffmengenverhältnis anwenden: Lies aus der Reaktionsgleichung ab, in welchem Verhältnis der bekannte Stoff und das gesuchte Gas stehen. Berechne damit die Stoffmenge nn des Gases.
  3. Temperatur umrechnen: Falls die Temperatur in Celsius gegeben ist, addiere 273,15273,15, um die absolute Temperatur TT in Kelvin zu erhalten.
  4. Gasgesetz anwenden: Stelle das ideale Gasgesetz nach dem Volumen VV um (V=nRTpV = \frac{n \cdot R \cdot T}{p}) und setze alle Werte ein. Achte darauf, dass der Druck in hPa angegeben ist.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Im Labor reagieren 2,00 g2,00 \text{ g} Magnesium (Mg) vollständig mit verdünnter Salzsäure. Dabei entsteht Wasserstoffgas (H2\text{H}_2). Die Raumtemperatur beträgt 22C22 ^\circ\text{C} und der Luftdruck liegt bei 1016 hPa1016 \text{ hPa}. Berechne das Volumen des entstandenen Wasserstoffgases in Litern. Reaktionsgleichung: Mg+2 H3O++2 ClMg2++2 Cl+H2+2 H2O\text{Mg} + 2 \text{ H}_3\text{O}^+ + 2 \text{ Cl}^- \to \text{Mg}^{2+} + 2 \text{ Cl}^- + \text{H}_2 + 2 \text{ H}_2\text{O}

Fortschritt
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  1. Schritt 1
    Stoffmenge des bekannten Stoffes berechnen

    Wir berechnen die Stoffmenge des eingesetzten Magnesiums. Die molare Masse von Magnesium ist M(Mg)=24,3 g/molM(\text{Mg}) = 24,3 \text{ g/mol}. n(Mg)=mMn(\text{Mg}) = \frac{m}{M} n(Mg)=2,00 g24,3 g/mol0,0823 moln(\text{Mg}) = \frac{2,00 \text{ g}}{24,3 \text{ g/mol}} \approx 0,0823 \text{ mol}

  2. Schritt 2
    Stoffmengenverhältnis anwenden

    Aus der Reaktionsgleichung lesen wir ab: Vor Mg\text{Mg} und vor H2\text{H}_2 steht keine Zahl (was einer 11 entspricht). Das Verhältnis ist also 1:11:1. 1 mol1 \text{ mol} Magnesium bildet genau 1 mol1 \text{ mol} Wasserstoffgas. Daher gilt: n(H2)=n(Mg)=0,0823 moln(\text{H}_2) = n(\text{Mg}) = 0,0823 \text{ mol}.

  3. Schritt 3
    Temperatur in Kelvin umrechnen

    T=22+273,15=295,15 KT = 22 + 273,15 = 295,15 \text{ K}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ideales Gasgesetz anwenden

    Wir stellen das ideale Gasgesetz nach dem Volumen um: V=nRTpV = \frac{n \cdot R \cdot T}{p} Nun setzen wir alle Werte ein: V(H2)=0,0823 mol83,14463 hPal/(molK)295,15 K1016 hPaV(\text{H}_2) = \frac{0,0823 \text{ mol} \cdot 83,14463 \text{ hPa}\cdot\text{l}/(\text{mol}\cdot\text{K}) \cdot 295,15 \text{ K}}{1016 \text{ hPa}} V(H2)1,98 lV(\text{H}_2) \approx 1,98 \text{ l}

Ergebnis:

Es entstehen etwa 1,98 Liter1,98 \text{ Liter} Wasserstoffgas.

Wichtige Erkenntnisse

  • Kelvin-Skala: Rechne für Gasgesetze immer in Kelvin! (TK=C+273,15T_K = ^\circ\text{C} + 273,15).
  • Ideales Gasgesetz: pV=nRTp \cdot V = n \cdot R \cdot T verknüpft Druck, Volumen, Stoffmenge und Temperatur.
  • Kombiniertes Gasgesetz: p1V1T1=p2V2T2\frac{p_1 \cdot V_1}{T_1} = \frac{p_2 \cdot V_2}{T_2} nutzt man, wenn ein eingeschlossenes Gas seinen Zustand ändert.
  • Reaktionsberechnungen: Berechne immer zuerst die Stoffmenge nn (in mol) aus der Reaktionsgleichung, bevor du das Gasgesetz anwendest.

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Häufige Fragen

Was ist das ideale Gasgesetz?

Das ideale Gasgesetz ist eine grundlegende physikalische Zustandsgleichung in der Chemie und Physik. Es beschreibt den genauen Zusammenhang zwischen dem Druck p, dem Volumen V, der absoluten Temperatur T und der Stoffmenge n eines idealen Gases. Die zugehörige Formel lautet p · V = n · R · T, wobei R für die universelle Gaskonstante steht. Mit diesem Gesetz kannst du berechnen, wie sich Gase unter verschiedenen Bedingungen verhalten.

Wie rechnet man Celsius in Kelvin um?

Um eine Temperatur von Grad Celsius in die wissenschaftliche Kelvin-Skala umzurechnen, addierst du exakt den Wert 273,15 zur Celsius-Temperatur. Die einfache Formel lautet: T = °C + 273,15. Für alle Berechnungen mit dem idealen oder kombinierten Gasgesetz musst du zwingend in Kelvin rechnen. Der Grund dafür ist, dass die Kelvin-Skala beim absoluten Nullpunkt (0 K) beginnt und es somit keine negativen Temperaturen gibt, die die Formeln verfälschen würden.

Wann benutzt man das kombinierte Gasgesetz?

Das kombinierte Gasgesetz kommt immer dann zum Einsatz, wenn ein Gas in einem geschlossenen System seinen Zustand ändert. Das bedeutet, die Stoffmenge des Gases bleibt konstant, während sich Druck, Volumen oder Temperatur verändern. Mit der Gleichung (p₁ · V₁) / T₁ = (p₂ · V₂) / T₂ kannst du ganz einfach den Zustand nach der Änderung (Zustand 2) berechnen, wenn dir die Werte vor der Änderung (Zustand 1) bekannt sind.

Wie berechne ich das Gasvolumen bei einer chemischen Reaktion?

Um das Volumen eines Gases bei einer Reaktion zu berechnen, nutzt du die Stoffmenge als Brücke. Zuerst berechnest du die Stoffmenge des bekannten festen oder flüssigen Ausgangsstoffes. Über das Stoffmengenverhältnis der Reaktionsgleichung ermittelst du dann die genaue Stoffmenge des entstehenden Gases in Mol. Setze diesen Wert abschließend in das nach dem Volumen umgestellte ideale Gasgesetz V = (n · R · T) / p ein. Achte dabei darauf, dass die Temperatur in Kelvin und der Druck in hPa angegeben sind.

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