Fließgleichgewichte einfach erklärt: Definition & Beispiele
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Stell dir vor, du lässt dir Badewasser einlaufen, hast aber vergessen, den Stöpsel in den Abfluss zu stecken. Das Wasser fließt unten genau so schnell ab, wie es oben aus dem Hahn nachkommt. Der Wasserstand in der Wanne bleibt exakt gleich, obwohl das Wasser selbst ständig ausgetauscht wird.

Genau dieses Prinzip nennt man in der Chemie ein Fließgleichgewicht. In dieser Lektion lernst du, warum dieses Konzept für offene Systeme so wichtig ist und wie es das Wachstum von Tropfsteinen in Höhlen oder den Abbau von Alkohol in deiner Leber steuert.
Vorwissen
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Chemisches Gleichgewicht: Ein Zustand in einem geschlossenen System, bei dem Hin- und Rückreaktion gleich schnell ablaufen.
Beispiel: In einer verschlossenen Flasche reagiert ein Gasgemisch hin und her, ohne dass Stoffe entweichen.
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Prinzip von Le Chatelier: Übt man auf ein System im Gleichgewicht einen Zwang aus (z. B. durch Konzentrationsänderung), weicht das System dem Zwang aus.
Beispiel: Entfernt man ein Produkt aus der Reaktion, wird automatisch neues Produkt nachgebildet.
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Oxidation von Alkoholen: Alkohole können in mehreren Schritten oxidiert werden.
Beispiel: Ethanol wird erst zu einem Aldehyd (Ethanal) und dann zu einer Carbonsäure (Ethansäure) oxidiert.
Aufgabentyp 1: Was ist ein Fließgleichgewicht?
Bisher hast du das klassische chemische Gleichgewicht kennengelernt. Dieses existiert nur in einem geschlossenen System (wie einer verschlossenen Flasche), wo keine Stoffe hinein- oder herauskönnen. Die Hin- und Rückreaktion laufen gleich schnell ab.
In der Natur sind die meisten Systeme jedoch offene Systeme. Das bedeutet, sie tauschen ständig Stoffe und Energie mit ihrer Umgebung aus. Hier stellt sich ein Fließgleichgewicht ein.

In einem Fließgleichgewicht bleiben die Konzentrationen der Stoffe scheinbar konstant. Das liegt aber nicht daran, dass die Reaktion vorwärts und rückwärts gleich schnell läuft. Es liegt daran, dass die Bildungsgeschwindigkeit (der Zufluss) exakt der Verbrauchsgeschwindigkeit (dem Abfluss) entspricht. Die Reaktionen laufen insgesamt wie in einer Einbahnstraße nur in eine Richtung ab.
Aufgabentyp 2: Fließgleichgewichte in der Natur (Tropfsteine)
Ein tolles Beispiel für ein offenes System ist die Entstehung von Tropfsteinen (Stalaktiten und Stalagmiten) in Höhlen.
Regenwasser nimmt in der Luft und im Boden Kohlenstoffdioxid () auf und wird leicht sauer. Dieses saure Wasser fließt durch den Boden und löst festen Kalkstein () auf. Dabei entstehen gelöste Calcium-Ionen und Hydrogencarbonat-Ionen:
Wenn dieses Wasser nun durch die Höhlendecke tropft, passiert etwas Wichtiges: Das entweicht in die Höhlenluft. Nach dem Prinzip von Le Chatelier verschiebt sich das Gleichgewicht dadurch nach links. Der gelöste Kalk wird wieder zu festem und lagert sich ab – ein Tropfstein wächst.

Warum ist das ein Fließgleichgewicht? Weil ständig neues, kalkhaltiges Wasser nachfließt und gleichzeitig sowie fester Kalkstein kontinuierlich aus der Lösung entfernt werden.
Aufgabentyp 3: Fließgleichgewichte im Körper (Alkoholabbau)
Auch dein Körper ist ein offenes System. Ein klassisches Beispiel ist der Abbau von Alkohol (Ethanol) in der Leber. Dieser Prozess läuft in gekoppelten Reaktionen ab, bei denen das Produkt des ersten Schritts sofort der Ausgangsstoff für den zweiten Schritt ist.
Der Abbau erfolgt so:

Das Zwischenprodukt ist ein Zellgift und verursacht den typischen „Kater“. Zum Glück reichert es sich im gesunden Körper kaum an. Die Leber baut das nämlich fast exakt so schnell zur harmlosen Ethansäure ab, wie es aus dem Ethanol gebildet wird.
Die Konzentration von bleibt also auf einem sehr niedrigen, konstanten Level. Es herrscht ein Fließgleichgewicht, da Zufluss und Abfluss gleich groß sind.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Zufluss (Bildung) identifizieren: Welcher Stoff wird kontinuierlich in das System hineingegeben oder produziert?
- Abfluss (Verbrauch) identifizieren: Wie wird der Stoff wieder aus dem System entfernt oder weiterverarbeitet?
- Konzentration ableiten: Vergleiche die Geschwindigkeiten: Sind Zufluss und Abfluss gleich schnell, bleibt die Konzentration konstant (Fließgleichgewicht). Ist der Abfluss blockiert, steigt die Konzentration an.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Beim sogenannten „Asian Flush“-Syndrom arbeitet das Enzym ALDH, welches zu Ethansäure abbaut, genetisch bedingt sehr langsam. Erkläre mithilfe des Konzepts des Fließgleichgewichts, warum betroffene Personen nach Alkoholkonsum stärkere Vergiftungssymptome (wie Gesichtsrötung) zeigen.
- Schritt 1Zufluss (Bildung) identifizieren
Nach dem Trinken wird Ethanol in der Leber normal zu umgewandelt. Der Zufluss an ist also hoch.
- Schritt 2Abfluss (Verbrauch) identifizieren
Da das Enzym ALDH sehr langsam arbeitet, ist die Weiterverarbeitung zu Ethansäure stark gebremst. Der Abfluss ist also sehr gering.
- Schritt 3 · ErgebnisKonzentration ableiten
Weil der Zufluss viel größer ist als der Abfluss, stellt sich kein Fließgleichgewicht auf niedrigem Niveau ein.
Die Konzentration des giftigen steigt im Körper stark an, was die heftigen Vergiftungssymptome verursacht.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Fließgleichgewicht existiert nur in offenen Systemen, die Stoffe mit der Umgebung austauschen.
- Die Konzentrationen bleiben konstant, weil Zufluss (Bildung) und Abfluss (Verbrauch) gleich groß sind.
- Es ist kein echtes chemisches Gleichgewicht, da die Reaktionen wie in einer Einbahnstraße in eine Richtung fließen.
- Beispiele aus der Natur sind das Wachstum von Tropfsteinen und Stoffwechselwege im Körper (z. B. Alkoholabbau).
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Häufige Fragen
Was sind Fließgleichgewichte?
Ein Fließgleichgewicht ist ein Zustand in einem offenen System, bei dem die Konzentration von Stoffen konstant bleibt. Das passiert, weil der Zufluss (die Bildung eines Stoffes) exakt genauso groß ist wie der Abfluss (der Verbrauch). Ein gutes Alltagsbeispiel ist eine Badewanne, bei der das Wasser genauso schnell abfließt, wie es oben aus dem Hahn nachläuft.
Was ist der Unterschied zwischen einem chemischen Gleichgewicht und einem Fließgleichgewicht?
Ein chemisches Gleichgewicht stellt sich nur in einem geschlossenen System ein, bei dem keine Stoffe entweichen können. Hier laufen die Hin- und Rückreaktion exakt gleich schnell ab. Ein Fließgleichgewicht gibt es dagegen in offenen Systemen. Hier laufen die Reaktionen wie in einer Einbahnstraße nur in eine Richtung ab, aber die Konzentration bleibt konstant, weil Zufluss und Abfluss im Gleichgewicht sind.
Warum ist der Alkoholabbau im Körper ein Fließgleichgewicht?
Der Körper ist ein offenes System. Beim Alkoholabbau wird Ethanol in der Leber zunächst zu dem giftigen Zwischenprodukt Ethanal umgewandelt. Die Leber baut dieses Ethanal jedoch fast exakt so schnell zu harmloser Ethansäure ab, wie es gebildet wird. Da der Zufluss und der Abfluss von Ethanal gleich groß sind, bleibt seine Konzentration auf einem sehr niedrigen, konstanten Level – es herrscht ein Fließgleichgewicht.
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