Elektrophorese von Aminosäuren einfach erklärt: Trennung
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Stell dir vor, du hast dir einen leckeren Frucht-Smoothie gemixt. Alles ist zu einer einheitlichen Flüssigkeit püriert. Was wäre, wenn du nun herausfinden müsstest, welche genauen Obstsorten darin stecken, und du den Smoothie wieder in seine einzelnen Früchte zerlegen müsstest? Im Alltag ist das unmöglich.

In der Chemie stehen wir oft vor genau diesem Problem: Wir haben ein Gemisch aus verschiedenen, oft unsichtbaren Molekülen (wie Aminosäuren) und müssen diese voneinander trennen, um sie zu untersuchen. Genau hier kommt ein genialer Trick ins Spiel: Die Elektrophorese von Aminosäuren. In diesem Artikel lernst du, wie wir Strom nutzen können, um unsichtbare Teilchen wie bei einem Wettrennen voneinander zu trennen.
Schnellantwort
Die Elektrophorese von Aminosäuren ist ein Verfahren, um geladene Teilchen (Ionen) voneinander zu trennen. Dafür legt man eine Gleichspannung an, sodass ein elektrisches Feld entsteht. Positiv geladene Kationen wandern zum Minuspol und negativ geladene Anionen zum Pluspol. Die Trennung erfolgt auf einem Trägermedium wie einem Gel und ist stark vom pH-Wert der Pufferlösung sowie dem isoelektrischen Punkt (IEP) der jeweiligen Aminosäure abhängig.
Vorwissen
Für das Verständnis der Elektrophorese von Aminosäuren sind folgende Begriffe wichtig:
- Ionen: Geladene Teilchen. Kationen sind positiv geladen, Anionen sind negativ geladen.
- Zwitterionen: Moleküle, die gleichzeitig eine positive und eine negative Ladung tragen. Ihre Gesamtladung (Nettoladung) hebt sich auf, sie wirken nach außen hin neutral (Ladung = 0).
- Isoelektrischer Punkt (IEP): Ein ganz bestimmter pH-Wert, bei dem eine Aminosäure fast ausschließlich als neutrales Zwitterion vorliegt.
- Beispiel: Glycin hat einen IEP von 6,0. Wenn wir Glycin in Wasser mit einem pH-Wert von genau 6,0 geben, ist es nach außen hin ungeladen.
Aufgabentyp 1: Wanderungsrichtung von Aminosäuren vorhersagen
Das Wort Elektrophorese bedeutet übersetzt so viel wie „Wanderung durch Strom“. Es ist ein Verfahren, um geladene Teilchen (Ionen) voneinander zu trennen. Dafür legt man eine Gleichspannung an. Es entsteht ein elektrisches Feld mit einem Pluspol (Anode) und einem Minuspol (Kathode). Da sich Gegensätze in der Chemie immer anziehen, passiert Folgendes:
- Positiv geladene Kationen wandern zum Minuspol.
- Negativ geladene Anionen wandern zum Pluspol.
Damit die Teilchen nach dem Abschalten des Stroms nicht einfach wieder in der Flüssigkeit durcheinanderschwimmen, führt man das Ganze nicht in reinem Wasser durch. Man nutzt ein Trägermedium, wie zum Beispiel ein saugfähiges Papier oder ein Gel. Das Gel wirkt wie ein Schwamm oder ein Hindernisparcours, der die Teilchen festhält.

Wer ist am schnellsten?
Nicht alle Teilchen wandern gleich schnell durch das Gel. Die Geschwindigkeit hängt von zwei Dingen ab:
- Die Ladung: Je höher die Ladung eines Teilchens, desto stärker wird es vom Pol angezogen (wie ein stärkerer Motor).
- Der Radius (Größe): Je kleiner das Teilchen, desto leichter schlüpft es durch die Poren des Gels. Große Teilchen werden stärker abgebremst.

Der Puffer und der isoelektrische Punkt:
Damit das Experiment funktioniert, wird das Gel mit einer sogenannten Pufferlösung getränkt. Ein Puffer ist eine Flüssigkeit, die dafür sorgt, dass der pH-Wert während des gesamten Vorgangs absolut konstant bleibt. Aminosäuren sind ganz besondere Moleküle: Sie können ihre Ladung verändern, wenn sich der pH-Wert ihrer Umgebung ändert. Genau diese Eigenschaft machen wir uns bei der Elektrophorese zunutze.
Erinnerst du dich an den isoelektrischen Punkt (IEP)? Das ist der pH-Wert, bei dem eine Aminosäure als Zwitterion vorliegt und nach außen hin ungeladen ist. Wenn wir nun ein Gemisch aus verschiedenen Aminosäuren trennen wollen, wenden wir einen cleveren Trick an: Wir stellen den pH-Wert der Pufferlösung exakt auf den IEP von einer der Aminosäuren im Gemisch ein.
- Die Aminosäure, deren IEP genau dem pH-Wert entspricht, wird zum neutralen Zwitterion. Da sie keine Ladung hat, ignoriert sie den Strom komplett. Sie bleibt einfach an der Startlinie liegen.
- Die anderen Aminosäuren im Gemisch haben andere IEPs. Sie werden bei diesem pH-Wert entweder zu positiven Kationen oder zu negativen Anionen und wandern nach links oder rechts weg.

Dieses Prinzip wird in der Medizin sogar täglich genutzt, zum Beispiel um Proteine (die aus Aminosäuren bestehen) im Blutserum von Patienten zu untersuchen, da auch Proteine unterschiedliche Ladungen und IEPs haben.
Sichtbarmachung:
Es gibt nur ein kleines Problem: Aminosäuren sind farblos. Wenn das Rennen vorbei ist, sieht das Gel völlig leer aus. Um die getrennten Aminosäuren sichtbar zu machen, besprüht man das Gel am Ende mit einem speziellen Nachweismittel namens Ninhydrin. Das Ninhydrin reagiert mit den Aminosäuren und färbt sie blau-violett. So werden die unsichtbaren Flecken plötzlich sichtbar, wie bei einer Geheimschrift!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
In Prüfungen musst du oft vorhersagen, wohin eine bestimmte Aminosäure wandert. Nutze dafür immer diesen Plan:
- Werte vergleichen: Vergleiche den gegebenen pH-Wert der Pufferlösung mit dem IEP der Aminosäure.
- Ladung bestimmen:
- Fall A (pH = IEP): Die Aminosäure ist ein Zwitterion (neutral).
- Fall B (pH < IEP): Die Umgebung ist für diese Aminosäure „zu sauer“. Sie nimmt ein positives Wasserstoffteilchen () auf und wird zum Kation (+).
- Fall C (pH > IEP): Die Umgebung ist für diese Aminosäure „zu basisch“. Sie gibt ein positives Wasserstoffteilchen () ab und wird zum Anion (-).
- Richtung bestimmen: Gegensätze ziehen sich an!
- Neutral (0) Wandert nicht (bleibt am Start).
- Kation (+) Wandert zum Minuspol (Kathode).
- Anion (-) Wandert zum Pluspol (Anode).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ein Gemisch aus den drei Aminosäuren Glycin (IEP = 6,0), Lysin (IEP = 9,7) und Glutaminsäure (IEP = 3,2) wird auf ein Elektrophorese-Gel aufgetragen. Die Pufferlösung hat einen pH-Wert von exakt 6,0. Bestimme für jede der drei Aminosäuren die Ladung und die Wanderungsrichtung.
- Schritt 1Glycin untersuchen
Der Puffer hat pH 6,0. Glycin hat einen IEP von 6,0. Da pH = IEP, liegt Glycin als Zwitterion vor. Es ist neutral und wandert nicht.
- Schritt 2Lysin untersuchen
Der Puffer hat pH 6,0. Lysin hat einen IEP von 9,7. Da der pH-Wert kleiner ist als der IEP (6,0 < 9,7), ist die Umgebung zu sauer. Lysin nimmt ein auf und wird zum Kation (+). Es wandert zum Minuspol (Kathode).
- Schritt 3 · ErgebnisGlutaminsäure untersuchen
Der Puffer hat pH 6,0. Glutaminsäure hat einen IEP von 3,2. Da der pH-Wert größer ist als der IEP (6,0 > 3,2), ist die Umgebung zu basisch. Glutaminsäure gibt ein ab und wird zum Anion (-). Es wandert zum Pluspol (Anode).
Das Gemisch wurde erfolgreich in drei separate Flecken aufgetrennt!
Wichtige Erkenntnisse
- Elektrophorese trennt geladene Teilchen in einem elektrischen Feld.
- Kationen (+) wandern zum Minuspol, Anionen (-) wandern zum Pluspol.
- Die Wanderungsgeschwindigkeit hängt von der Ladung (mehr = schneller) und dem Radius (kleiner = schneller) ab.
- Ist der pH-Wert = IEP, ist die Aminosäure neutral (Zwitterion) und wandert nicht.
- Ninhydrin wird am Ende aufgesprüht, um die farblosen Aminosäuren blau-violett sichtbar zu machen.
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Häufige Fragen
Was ist die Elektrophorese von Aminosäuren?
Die Elektrophorese ist ein chemisches Trennverfahren. Dabei werden geladene Teilchen wie Aminosäuren in einem elektrischen Feld voneinander getrennt. Positiv geladene Kationen wandern zum Minuspol, negativ geladene Anionen zum Pluspol. Als Trägermedium dient meist ein Gel.
Welche Rolle spielt der isoelektrische Punkt (IEP) bei der Elektrophorese?
Der isoelektrische Punkt (IEP) ist der pH-Wert, bei dem eine Aminosäure als neutrales Zwitterion vorliegt. Entspricht der pH-Wert der Pufferlösung genau dem IEP einer Aminosäure, ist diese nach außen ungeladen und wandert im elektrischen Feld nicht.
Wie bestimme ich die Wanderungsrichtung einer Aminosäure?
Vergleiche den pH-Wert der Lösung mit dem IEP der Aminosäure. Ist der pH-Wert kleiner als der IEP, wird die Aminosäure zum Kation und wandert zum Minuspol. Ist der pH-Wert größer, wird sie zum Anion und wandert zum Pluspol. Sind beide Werte gleich, bleibt sie am Start.
Wofür wird Ninhydrin bei der Elektrophorese verwendet?
Aminosäuren sind farblos und auf dem Gel nach der Trennung unsichtbar. Ninhydrin ist ein spezielles Nachweismittel, das auf das Gel gesprüht wird. Es reagiert mit den Aminosäuren und färbt sie blau-violett, sodass die getrennten Flecken sichtbar werden.
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