Elektrolyse und Korrosion einfach erklärt: Grundlagen & Beispiele
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Hast du dich schon einmal geärgert, weil die Kette deines Fahrrads nach einem Regenschauer gerostet ist? Oder hast du dich gewundert, wie man billigen Schmuck mit einer echten, glänzenden Goldschicht überziehen kann?

Beides ist reine Elektrochemie! Während Metalle beim Rosten durch ihre Umgebung unfreiwillig zerstört werden (Korrosion), können wir mit Hilfe von Strom chemische Reaktionen auch absichtlich in eine bestimmte Richtung zwingen (Elektrolyse). In diesem Artikel zum Thema Elektrolyse und Korrosion lernst du, wie man Metalle vor dem Zerfall rettet und wie man Strom nutzt, um Chemie nach den eigenen Wünschen zu steuern.
Vorwissen
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Galvanische Zelle: Wandelt chemische Energie freiwillig (spontan) in elektrische Energie um (z. B. eine Batterie).
Beispiel: Ein Zink-Kupfer-Element erzeugt Strom, bis die Reaktion stoppt.
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Anode und Kathode (Die eiserne Regel):
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An der Anode findet immer die Oxidation (Elektronenabgabe) statt.
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An der Kathode findet immer die Reduktion (Elektronenaufnahme) statt.
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Eselsbrücke: Oxidation an der Anode (beides Vokale), Reduktion an der Kathode (beides Konsonanten).
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Aufgabentyp 1: Zersetzungsspannung bei der Elektrolyse berechnen
Bei einer Batterie (galvanische Zelle) läuft die Reaktion von ganz alleine ab. Die Elektrolyse ist genau das Gegenteil: Wir erzwingen eine chemische Reaktion, die eigentlich nicht freiwillig ablaufen will, indem wir von außen eine Stromquelle anschließen.
Dadurch ändert sich die Polung der Elektroden komplett! Stell dir die Stromquelle wie eine Pumpe vor:
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Die Stromquelle saugt Elektronen an einer Elektrode ab. Weil dort Elektronen fehlen, wird diese Elektrode zum Pluspol. Da dem Material hier Elektronen entrissen werden, findet eine Oxidation statt. Und wo oxidiert wird, ist immer die Anode! Bei der Elektrolyse ist die Anode also der Pluspol.
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Am anderen Ende pumpt die Stromquelle die Elektronen in die zweite Elektrode. Diese wird dadurch zum Minuspol. Das Material dort nimmt die Elektronen auf (Reduktion), also ist dies die Kathode.

Damit die Elektrolyse überhaupt startet und Stoffe kontinuierlich abgeschieden werden, reicht ein bisschen Strom nicht aus. Man muss eine bestimmte Mindestspannung anlegen, die sogenannte Zersetzungsspannung.
Warum? Du musst zuerst die natürliche Spannung der Zelle (die Summe der Redoxpotenziale) überwinden. Zusätzlich gibt es in der Realität kinetische Hemmungen an den Elektroden – stell dir das wie eine Art chemischen 'Reibungswiderstand' vor. Diese extra benötigte Energie nennt man Überspannung. Die Zersetzungsspannung berechnet sich also so:
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Identifiziere die theoretische Zellspannung (Summe der Redoxpotenziale).
- Ermittle die gesamte Überspannung durch Addition der einzelnen Werte an Anode und Kathode.
- Berechne die Zersetzungsspannung als Summe aus Zellspannung und gesamter Überspannung.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Für die Elektrolyse einer wässrigen Lösung beträgt die Summe der Redoxpotenziale (die theoretische Zellspannung) . An den Elektroden treten kinetische Hemmungen auf, die zu einer Überspannung von an der Anode und an der Kathode führen. Berechne die minimal benötigte Zersetzungsspannung.
- Schritt 1Gesamte Überspannung ermitteln
Zuerst addieren wir alle auftretenden Überspannungen zusammen:
- Schritt 2 · ErgebnisZersetzungsspannung berechnen
Nun addieren wir die theoretische Zellspannung und die gesamte Überspannung, um die Mindestspannung zu finden:
Die minimal benötigte Zersetzungsspannung beträgt .
Aufgabentyp 2: Kontaktkorrosion und Opferanoden beurteilen
Korrosion ist die Zerstörung der Oberfläche eines Werkstoffs (meistens ein Metall), weil er mit Stoffen aus seiner Umgebung reagiert. Das bekannteste Beispiel ist das Rosten von Eisen durch Wasser und Sauerstoff.
Besonders schnell und aggressiv verläuft die Kontaktkorrosion. Stell dir vor, eine Eisenschraube steckt in einem Kupferblech und es regnet darauf. Das Regenwasser wirkt als Elektrolyt (stromleitende Flüssigkeit). Weil sich zwei unterschiedliche Metalle berühren und von einer Flüssigkeit umgeben sind, bilden sie unfreiwillig eine kurzgeschlossene galvanische Zelle!

Das unedlere Metall (hier das Eisen) wird automatisch zur Anode. Es gibt Elektronen ab, oxidiert und löst sich auf – die Schraube rostet extrem schnell weg. Das edlere Kupfer bleibt unversehrt.
Um Metalle zu schützen, gibt es zwei Hauptstrategien:
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Passiver Korrosionsschutz: Das unedle Metall wird mit einer Schutzschicht überzogen (z. B. Lack, Kunststoff oder Öl). Diese Schicht wirkt wie ein Regenmantel und verhindert, dass das Metall mit Wasser und Sauerstoff in Berührung kommt.
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Aktiver (kathodischer) Korrosionsschutz: Hier nutzt man das Prinzip der Kontaktkorrosion absichtlich aus! Man verbindet das zu schützende Metall (z. B. einen Schiffsrumpf aus Eisen) mit einem noch unedleren Metall (z. B. Zink). Das Zink wird zur Anode und löst sich auf, um das Eisen zu schützen. Weil es sich für das Eisen opfert, nennt man es Opferanode.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vergleiche die Metalle mithilfe der elektrochemischen Spannungsreihe.
- Identifiziere das unedlere Metall anhand des niedrigeren (negativeren) Standardpotenzials.
- Ziehe die Schlussfolgerung: Das unedlere Metall wird zur Anode und löst sich auf.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Ein Schiffsrumpf aus Eisen (Standardpotenzial ) soll im Meerwasser vor Korrosion geschützt werden. Zur Auswahl stehen Blöcke aus Kupfer () und Magnesium (). Welches Metall muss an den Schiffsrumpf geschraubt werden, um als Opferanode zu dienen? Begründe deine Entscheidung.
- Schritt 1Metalle vergleichen
Wir vergleichen das zu schützende Eisen () mit den beiden Alternativen: Kupfer: Magnesium:
- Schritt 2Das unedlere Metall identifizieren
Magnesium hat mit ein deutlich niedrigeres Potenzial als Eisen. Kupfer hat ein höheres Potenzial als Eisen.
- Schritt 3 · ErgebnisSchlussfolgerung ziehen
Man muss Magnesium an den Schiffsrumpf schrauben. Da Magnesium unedler als Eisen ist, wird es zur Anode und oxidiert (löst sich auf). Es opfert sich und schützt so das Eisen. Würde man Kupfer nehmen, wäre Eisen das unedlere Metall und der Schiffsrumpf würde durch Kontaktkorrosion noch schneller wegrosten!
Wichtige Erkenntnisse
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Elektrolyse: Eine durch Strom erzwungene Reaktion. Die Polung ist umgekehrt zur Batterie: Die Anode ist der Pluspol, die Kathode der Minuspol.
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Zersetzungsspannung: Die Mindestspannung für die Elektrolyse. Sie besteht aus den Redoxpotenzialen plus den Überspannungen (kinetische Hemmungen).
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Kontaktkorrosion: Zwei verbundene Metalle in einem Elektrolyten bilden einen Kurzschluss. Das unedlere Metall löst sich auf.
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Opferanode: Ein unedles Metall (z. B. Zink), das absichtlich geopfert wird, um ein edleres Metall (z. B. Eisen) vor Korrosion zu schützen (aktiver Schutz).
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Häufige Fragen
Was ist Elektrolyse und Korrosion?
Die Elektrolyse ist eine durch elektrischen Strom erzwungene chemische Reaktion. Im Gegensatz dazu ist die Korrosion die unfreiwillige Zerstörung eines Metalls durch Reaktionen mit seiner Umgebung, wie zum Beispiel das Rosten von Eisen.
Wie funktioniert eine Opferanode?
Eine Opferanode besteht aus einem sehr unedlen Metall, wie zum Beispiel Zink oder Magnesium. Sie wird absichtlich mit einem edleren Metall verbunden, um dieses vor Korrosion zu schützen. Das unedlere Metall wird zur Anode, oxidiert und löst sich auf – es opfert sich also für das edlere Metall.
Was ist die Zersetzungsspannung?
Die Zersetzungsspannung ist die Mindestspannung, die angelegt werden muss, damit eine Elektrolyse kontinuierlich abläuft. Sie setzt sich aus der theoretischen Zellspannung (der Summe der Redoxpotenziale) und den zusätzlichen Überspannungen durch kinetische Hemmungen zusammen.
Was passiert bei der Kontaktkorrosion?
Bei der Kontaktkorrosion berühren sich zwei unterschiedliche Metalle in Anwesenheit einer stromleitenden Flüssigkeit (Elektrolyt). Dadurch entsteht eine kurzgeschlossene galvanische Zelle. Das unedlere der beiden Metalle wird zur Anode, gibt Elektronen ab und löst sich sehr schnell auf.
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