Brønsted-Lowry-Säure-Base-Konzept einfach erklärt: Gleichgewichte

Das Brønsted-Lowry-Säure-Base-Konzept und Gleichgewichte verständlich erklärt. Lerne alles über Protonendonatoren, pH-Wert-Berechnung und Ampholyte.

📅 Aktualisiert 1. September 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Brønsted-Lowry-Säure-Base-Konzept einfach erklärt: Gleichgewichte

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Student thinking

Hast du dich schon einmal gefragt, warum Essig sauer schmeckt oder warum Seife sich auf der Haut glitschig anfühlt? Das Geheimnis liegt in winzigen Teilchen, die ständig hin und her geworfen werden – wie bei einem unsichtbaren Ballspiel!

Teilchen werfen Proton hin und her
Teilchen werfen Proton hin und her

In dieser Lektion lernen wir das Brønsted-Lowry-Säure-Base-Konzept und Gleichgewichte kennen. Du wirst verstehen, wie dieses „Ballspiel“ funktioniert, wie Wasser mit sich selbst reagiert und wie man den pH-Wert von verschiedenen Lösungen ganz einfach berechnet.

Vorwissen

  • Ionen: Geladene Atome oder Moleküle.

    Beispiel: Kochsalz (NaCl\text{NaCl}) zerfällt in Wasser zu Na+\text{Na}^+- und Cl\text{Cl}^--Ionen.

  • Dekadischer Logarithmus (lg\lg): Gibt an, mit welchem Exponenten man die Basis 10 potenzieren muss.

    Beispiel: lg(103)=3\lg(10^{-3}) = -3.

Aufgabentyp 1: Korrespondierende Säure-Base-Paare finden

Nach der Theorie von Johannes Nicolaus Brønsted ist eine Säure ein Teilchen, das ein Proton (\textcolor{#08BFFF}{\text{H}^+}) abgeben kann. Man nennt sie Protonendonator (Spender). Eine Base ist ein Teilchen, das ein Proton aufnehmen kann. Man nennt sie Protonenakzeptor (Empfänger).

Eine Säure-Base-Reaktion ist also einfach die Übergabe eines Protons von der Säure an die Base. Diesen Vorgang nennt man Protolyse.

Säure gibt Proton an Base ab
Säure gibt Proton an Base ab

Wenn eine Säure ihr Proton abgibt, bleibt ein Rest übrig. Dieser Rest könnte theoretisch wieder ein Proton aufnehmen – er ist also eine Base! Man nennt ihn die korrespondierende Base.

Genauso wird eine Base, die ein Proton aufnimmt, zu einer korrespondierenden Säure. Zusammen bilden sie ein korrespondierendes Säure-Base-Paar.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Protonenwanderung erkennen: Finde heraus, welches Teilchen auf der linken Seite der Reaktionsgleichung ein H+\textcolor{#08BFFF}{\text{H}^+} abgibt (Säure) und welches es aufnimmt (Base).
  2. Paare zuordnen: Verbinde die Säure von der linken Seite mit ihrem Rest auf der rechten Seite. Das ist das erste Paar.
  3. Zweites Paar bilden: Verbinde die Base von der linken Seite mit ihrem neuen Produkt auf der rechten Seite. Das ist das zweite Paar.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Bestimme die korrespondierenden Säure-Base-Paare in der folgenden Reaktion: HNO3+H2ONO3+H3O+\text{HNO}_3 + \text{H}_2\text{O} \rightleftharpoons \text{NO}_3^- + \text{H}_3\text{O}^+

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Protonenwanderung erkennen

    HNO3\text{HNO}_3 hat auf der rechten Seite ein H+\textcolor{#08BFFF}{\text{H}^+} weniger (es wird zu NO3\text{NO}_3^-). Also ist HNO3\text{HNO}_3 die Säure. H2O\text{H}_2\text{O} nimmt das Proton auf und wird zu H3O+\text{H}_3\text{O}^+. Also ist H2O\text{H}_2\text{O} die Base.

  2. Schritt 2
    Paare zuordnen

    Die Säure HNO3\text{HNO}_3 und ihre korrespondierende Base NO3\text{NO}_3^- bilden das erste Paar.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Zweites Paar bilden

    Die Base H2O\text{H}_2\text{O} und ihre korrespondierende Säure H3O+\text{H}_3\text{O}^+ bilden das zweite Paar.

Ergebnis:

Die korrespondierenden Paare sind HNO3\text{HNO}_3/NO3\text{NO}_3^- und H2O\text{H}_2\text{O}/H3O+\text{H}_3\text{O}^+.


Ampholyte und die Autoprotolyse des Wassers

Manche Teilchen können sich nicht entscheiden: Je nach Reaktionspartner reagieren sie mal als Säure (geben ein Proton ab) und mal als Base (nehmen ein Proton auf). Solche flexiblen Teilchen nennt man Ampholyte (oder amphotere Teilchen).

Das bekannteste Beispiel ist Wasser (H2O\text{H}_2\text{O}). Weitere Beispiele sind das Hydrogensulfat-Ion (HSO4\text{HSO}_4^-) oder das Hydrogencarbonat-Ion (HCO3\text{HCO}_3^-).

Weil Wasser ein Ampholyt ist, können Wassermoleküle sogar miteinander reagieren! Ein Wassermolekül spielt die Säure, das andere die Base. Das nennt man die Autoprotolyse des Wassers:

H2O+H2OH3O++OH\text{H}_2\text{O} + \text{H}_2\text{O} \rightleftharpoons \text{H}_3\text{O}^+ + \text{OH}^-

Autoprotolyse von zwei Wassermolekülen
Autoprotolyse von zwei Wassermolekülen

Dieses Gleichgewicht liegt stark auf der linken Seite. Das Produkt der Konzentrationen der entstehenden Ionen nennt man das Ionenprodukt des Wassers (KWK_W). Bei 25 °C gilt immer:

KW=c(H3O+)c(OH)=11014 mol2/l2K_W = c(\text{H}_3\text{O}^+) \cdot c(\text{OH}^-) = 1 \cdot 10^{-14} \text{ mol}^2/\text{l}^2

Aufgabentyp 2: pH-Wert berechnen

Nicht jede Säure gibt ihre Protonen gleich gerne ab. Die Säurekonstante (KSK_S) gibt an, wie stark eine Säure ist. Je größer der KSK_S-Wert, desto stärker die Säure. Für Basen gibt es analog die Basenkonstante (KBK_B).

Da diese Zahlen oft sehr klein sind, verwendet man den negativen dekadischen Logarithmus, den pKSpK_S-Wert:

pKS=lg{KS}pK_S = -\lg\{K_S\}

Wichtig: Je kleiner der pKSpK_S-Wert, desto stärker ist die Säure!

Skala mit pKs-Werten und Säurestärke
Skala mit pKs-Werten und Säurestärke

Eine faszinierende Regel der Chemie besagt zudem: Je stärker eine Säure ist, desto schwächer ist ihre korrespondierende Base. Es gilt immer:

pKS+pKB=14pK_S + pK_B = 14

Um den pH-Wert einer Lösung zu berechnen, müssen wir unterscheiden, ob wir eine sehr starke oder eine schwache Säure vor uns haben.

Für sehr starke Säuren (sie geben alle Protonen ab) gilt:

pH=lg[c0(HA)]pH = -\lg[c_0(\text{HA})]

Für schwache Säuren (nur wenige Protonen werden abgegeben) gilt:

pH=12[pKSlg(c0(HA))]pH = \frac{1}{2} \cdot [pK_S - \lg(c_0(\text{HA}))]

(Für Basen berechnet man zuerst den pOHpOH-Wert mit den analogen Formeln und zieht das Ergebnis dann von 14 ab: pH=14pOHpH = 14 - pOH).

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Stoffart und Stärke identifizieren: Prüfe, ob es sich um eine Säure oder Base handelt und ob sie stark oder schwach ist (meist am gegebenen pKSpK_S-Wert erkennbar).
  2. Richtige Formel auswählen: Wähle die passende Formel für starke oder schwache Säuren/Basen aus dem Text oben.
  3. Werte einsetzen und berechnen: Setze die Startkonzentration c0c_0 und (falls nötig) den pKSpK_S- oder pKBpK_B-Wert in die Formel ein. Achte bei Basen darauf, am Ende pH=14pOHpH = 14 - pOH zu rechnen.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Berechne den pH-Wert einer schwachen Essigsäurelösung mit einer Konzentration von c0=0.1 mol/lc_0 = 0.1 \text{ mol/l} und einem pKSpK_S-Wert von 4.754.75.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Stoffart und Stärke identifizieren

    Es handelt sich um eine schwache Säure (Essigsäure), da explizit "schwach" angegeben ist und ein pKSpK_S-Wert vorliegt.

  2. Schritt 2
    Richtige Formel auswählen

    Wir benötigen die Formel für schwache Säuren:

    pH=12[pKSlg(c0(HA))]pH = \frac{1}{2} \cdot [pK_S - \lg(c_0(\text{HA}))]

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Werte einsetzen und berechnen

    Wir setzen pKS=4.75pK_S = 4.75 und c0=0.1 mol/lc_0 = 0.1 \text{ mol/l} ein:

    pH=12[4.75lg(0.1)]pH = \frac{1}{2} \cdot [4.75 - \lg(0.1)]

    Da lg(0.1)=1\lg(0.1) = -1 ist, ergibt sich:

    =12[4.75(1)]= \frac{1}{2} \cdot [4.75 - (-1)]

    =125.75= \frac{1}{2} \cdot 5.75

    =2.875= 2.875

Ergebnis:

Der pH-Wert der Lösung beträgt 2.882.88 (gerundet). Das macht Sinn, da es sich um eine saure Lösung handelt (pH < 7).


Aufgabentyp 3: Protolyse in Salzlösungen

Wenn man ein Salz in Wasser löst, erwartet man oft eine neutrale Lösung mit einem pH-Wert von 7. Aber viele Salzlösungen sind tatsächlich sauer oder alkalisch!

Das liegt daran, dass die Ionen des Salzes selbst als Brønsted-Säuren oder -Basen wirken können, wenn sie auf Wassermoleküle treffen.

  • Saure Salzlösungen: Kationen wie das Ammoniumion (NH4+\text{NH}_4^+) sind Protonendonatoren. Sie geben ein Proton an das Wasser ab, es entsteht H3O+\text{H}_3\text{O}^+, und die Lösung wird sauer.

  • Alkalische Salzlösungen: Anionen wie das Carbonation (CO32\text{CO}_3^{2-}) sind Protonenakzeptoren. Sie nehmen ein Proton vom Wasser auf, es entsteht OH\text{OH}^-, und die Lösung wird alkalisch.

Um vorherzusagen, wie ein Salz reagiert, musst du dir also die einzelnen Ionen ansehen und überlegen, ob sie lieber Protonen abgeben oder aufnehmen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Ionen des Salzes identifizieren: Bestimme, in welche Kationen und Anionen das Salz im Wasser zerfällt.
  2. Säure-Base-Eigenschaften der Ionen prüfen: Überlege, ob die einzelnen Ionen als Protonendonatoren (Säuren) oder Protonenakzeptoren (Basen) wirken.
  3. Reaktion mit Wasser aufstellen: Formuliere die Reaktionsgleichung des aktiven Ions mit Wasser, um zu sehen, ob H3O+\text{H}_3\text{O}^+ oder OH\text{OH}^- entsteht.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Sagt voraus, ob eine Lösung von Natriumcarbonat (Na2CO3\text{Na}_2\text{CO}_3) sauer, neutral oder alkalisch reagiert, und begründe deine Antwort.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Ionen des Salzes identifizieren

    Natriumcarbonat zerfällt im Wasser in Natriumionen (Na+\text{Na}^+) und Carbonationen (CO32\text{CO}_3^{2-}).

  2. Schritt 2
    Säure-Base-Eigenschaften der Ionen prüfen

    Das Na+\text{Na}^+-Ion reagiert nicht mit Wasser (es ist neutral). Das Carbonation (CO32\text{CO}_3^{2-}) ist jedoch eine bekannte Base (Protonenakzeptor).

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Reaktion mit Wasser aufstellen

    Das Carbonation nimmt ein Proton vom Wasser auf:

    CO32+H2OHCO3+OH\text{CO}_3^{2-} + \text{H}_2\text{O} \rightleftharpoons \text{HCO}_3^- + \text{OH}^-

    Carbonation reagiert mit Wasser
    Carbonation reagiert mit Wasser
Ergebnis:

Da bei dieser Reaktion Hydroxidionen (OH\text{OH}^-) entstehen, reagiert die Natriumcarbonat-Lösung alkalisch.


Wichtige Erkenntnisse

  • Säuren sind Protonenspender (H+\textcolor{#08BFFF}{\text{H}^+}), Basen sind Protonenempfänger.
  • Ampholyte wie Wasser können sowohl als Säure als auch als Base reagieren.
  • Je kleiner der pKSpK_S-Wert, desto stärker die Säure.
  • Salzlösungen können sauer oder alkalisch sein, wenn ihre Ionen mit Wasser reagieren.

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Häufige Fragen

Was ist das Brønsted-Lowry-Säure-Base-Konzept?

Nach dem Brønsted-Lowry-Säure-Base-Konzept ist eine Säure ein Teilchen, das ein Proton (H⁺) abgeben kann (Protonendonator). Eine Base ist ein Teilchen, das ein Proton aufnehmen kann (Protonenakzeptor). Eine Säure-Base-Reaktion ist somit die Übergabe eines Protons, was auch als Protolyse bezeichnet wird.

Was sind korrespondierende Säure-Base-Paare?

Wenn eine Säure ein Proton abgibt, bleibt ein Rest übrig, der theoretisch wieder ein Proton aufnehmen kann – er wird zur korrespondierenden Base. Nimmt eine Base ein Proton auf, wird sie zur korrespondierenden Säure. Zusammen bilden sie ein korrespondierendes Säure-Base-Paar.

Wie berechnest du den pH-Wert einer schwachen Säure?

Für schwache Säuren, die nur wenige Protonen abgeben, nutzt du die Formel pH = 1/2 · [pKS - lg(c0(HA))]. Du benötigst dafür die Startkonzentration c0 der Säure und ihren pKS-Wert. Setze beide Werte in die Gleichung ein, um den pH-Wert der Lösung zu berechnen.

Was sind Ampholyte?

Ampholyte (oder amphotere Teilchen) sind flexibel: Sie können je nach Reaktionspartner entweder als Säure (Proton abgeben) oder als Base (Proton aufnehmen) reagieren. Das bekannteste Beispiel ist Wasser, das sogar mit sich selbst reagieren kann (Autoprotolyse).

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