Berechnung der freien Reaktionsenthalpie einfach erklärt

Lerne, wie du die freie Reaktionsenthalpie berechnest. Mit der Gibbs-Helmholtz-Gleichung und Tabellenwerten erfährst du, ob eine Reaktion freiwillig abläuft.

📅 Aktualisiert 2. September 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
RocketTutor Logo

Berechnung der freien Reaktionsenthalpie einfach erklärt

Erklärvideo – jetzt freischalten

Student thinking

Stell dir vor, du lässt ein Fahrrad im Regen stehen – es rostet ganz von alleine. Aber ein goldener Ring bleibt für immer glänzend. Warum passieren manche chemische Reaktionen ganz spontan und andere gar nicht?

Fahrrad rostet im Regen
Fahrrad rostet im Regen

Die Antwort liefert uns die Berechnung der freien Reaktionsenthalpie. In diesem Artikel lernen wir, wie man mit einfachen Tabellenwerten genau berechnet, ob eine Reaktion freiwillig abläuft oder nicht – und das nicht nur bei Raumtemperatur, sondern auch im heißen Motor oder im eiskalten Weltall!

Vorwissen

  • Standardbedingungen: In der Chemie vergleichen wir Werte oft bei festgelegten Bedingungen: 25C25 ^\circ\text{C} (298,15 K298,15 \text{ K}) und 1000 hPa1000 \text{ hPa} Druck.

    Beispiel: Tabellenwerte im Buch beziehen sich fast immer auf diese Standardbedingungen.

  • Enthalpie (ΔH\Delta H) und Entropie (ΔS\Delta S): Die Enthalpie beschreibt die Wärmeenergie einer Reaktion, die Entropie das „Chaos“ oder die Unordnung der Teilchen.

    Beispiel: Beim Schmelzen von Eis nimmt das Chaos (die Entropie) zu.

  • Hess'scher Wärmesatz: Um die Energieänderung einer Reaktion zu berechnen, rechnet man immer „Endzustand minus Anfangszustand“.

    Beispiel: Man zieht die Energiewerte der Ausgangsstoffe von den Energiewerten der Endprodukte ab.

Aufgabentyp 1: Die freie Standard-Reaktionsenthalpie berechnen

Wenn wir wissen wollen, ob eine Reaktion bei Raumtemperatur (25C25 ^\circ\text{C}) freiwillig abläuft, berechnen wir die freie Standard-Reaktionsenthalpie (ΔrG\Delta_r G^\circ). Das kleine „Kreis“-Symbol (^\circ) bedeutet, dass wir uns unter Standardbedingungen befinden.

Um diesen Wert zu berechnen, nutzen wir eine Tabelle aus dem Chemiebuch. Dort stehen die sogenannten freien Standard-Bildungsenthalpien (ΔfGm\Delta_f G_m^\circ) für viele Stoffe. Das ist die Energie, die frei wird oder benötigt wird, um einen Stoff aus seinen reinen Elementen herzustellen.

Eine ganz wichtige Regel dabei: Reine Elemente in ihrer stabilsten Form (wie O2\text{O}_2-Gas oder festes Eisen) haben immer einen Wert von genau 0 kJ/mol0 \text{ kJ/mol}. Sie sind quasi unser Nullpunkt.

Tabelle mit Standard-Bildungsenthalpien
Tabelle mit Standard-Bildungsenthalpien

Die Berechnung ist dann ganz einfach: Wir zählen die Energiewerte aller Produkte (das, was entsteht) zusammen und ziehen davon die Energiewerte aller Edukte (die Ausgangsstoffe) ab. Wenn in der Reaktionsgleichung eine Zahl vor dem Stoff steht (z. B. 2 H2O2 \text{ H}_2\text{O}), müssen wir den Tabellenwert mit dieser Zahl multiplizieren.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Edukte und Produkte identifizieren: Markiere, welche Stoffe links vom Pfeil stehen (Edukte) und welche rechts stehen (Produkte).
  2. Werte aus der Tabelle ablesen: Suche die Werte für ΔfGm\Delta_f G_m^\circ im Buch. Denke daran: Reine Elemente sind immer 0 kJ/mol0 \text{ kJ/mol}.
  3. In die Formel einsetzen: Multipliziere die Tabellenwerte mit den Zahlen aus der Reaktionsgleichung und setze sie in diese Formel ein: ΔrG=(Produkte)(Edukte)\Delta_r G^\circ = \sum (\text{Produkte}) - \sum (\text{Edukte})

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Berechne die freie Standard-Reaktionsenthalpie für die Verbrennung von Kohlenstoffmonoxid zu Kohlenstoffdioxid:

2 CO(g)+O2(g)2 CO2(g)2 \text{ CO(g)} + \text{O}_2\text{(g)} \to 2 \text{ CO}_2\text{(g)}

Gegebene Tabellenwerte: ΔfGm(CO)=137 kJ/mol\Delta_f G_m^\circ(\text{CO}) = -137 \text{ kJ/mol}, ΔfGm(CO2)=394 kJ/mol\Delta_f G_m^\circ(\text{CO}_2) = -394 \text{ kJ/mol}.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Edukte und Produkte identifizieren

    Edukte: 2 CO und 1 O2\textcolor{#FF7D57}{\text{Edukte: } 2 \text{ CO} \text{ und } 1 \text{ O}_2}

    Produkte: 2 CO2\textcolor{#08BFFF}{\text{Produkte: } 2 \text{ CO}_2}

  2. Schritt 2
    Werte aus der Tabelle ablesen

    Für O2\text{O}_2 (ein reines Element) ist der Wert 0 kJ/mol0 \text{ kJ/mol}. Die anderen Werte sind gegeben.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    In die Formel einsetzen

    ΔrG=2 mol(394 kJ/mol)[2 mol(137 kJ/mol)+1 mol0 kJ/mol]\Delta_r G^\circ = \textcolor{#08BFFF}{2 \text{ mol} \cdot (-394 \text{ kJ/mol})} - [\textcolor{#FF7D57}{2 \text{ mol} \cdot (-137 \text{ kJ/mol}) + 1 \text{ mol} \cdot 0 \text{ kJ/mol}}]

    =788 kJ[274 kJ]= \textcolor{#08BFFF}{-788 \text{ kJ}} - [\textcolor{#FF7D57}{-274 \text{ kJ}}]

    =788 kJ+274 kJ= -788 \text{ kJ} + 274 \text{ kJ}

    =514 kJ= -514 \text{ kJ}

Ergebnis:

Da das Ergebnis negativ ist, läuft die Reaktion unter Standardbedingungen freiwillig ab.


Aufgabentyp 2: Die Gibbs-Helmholtz-Gleichung für jede Temperatur

Die Tabellenwerte aus dem Buch gelten nur für genau 25C25 ^\circ\text{C} (298,15 K298,15 \text{ K}). Aber was ist, wenn eine Reaktion in einem heißen Ofen bei 500C500 ^\circ\text{C} stattfindet? Hier hilft uns die Gibbs-Helmholtz-Gleichung:

ΔrG=ΔrHTΔrS\Delta_r G = \Delta_r H - T \cdot \Delta_r S

Da wir meist keine fertigen Tabellen für jede beliebige Temperatur haben, nutzen wir einen Trick: Wir nehmen einfach die Standardwerte für die Enthalpie (ΔrH\Delta_r H^\circ) und die Entropie (ΔrS\Delta_r S^\circ) aus der Tabelle. Diese verändern sich bei anderen Temperaturen nämlich kaum, solange nichts schmilzt oder verdampft.

⚠️ Die große Einheiten-Falle!

Hier machen die meisten Schüler in der Klausur einen Fehler:

  • Die Enthalpie (HH) und die freie Enthalpie (GG) werden in Kilojoule (kJ) angegeben.

  • Die Entropie (SS) wird in der Tabelle aber fast immer in Joule (J) angegeben!

Einheiten-Falle bei Entropie
Einheiten-Falle bei Entropie

Bevor du rechnest, musst du die Entropie in Kilojoule umrechnen, indem du durch 1000 teilst:

1 J/K=0,001 kJ/K1 \text{ J/K} = 0,001 \text{ kJ/K}

Außerdem muss die Temperatur (TT) immer in Kelvin (K) in die Formel eingesetzt werden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Temperatur prüfen: Rechne die Temperatur in Kelvin um, falls sie in C^\circ\text{C} gegeben ist (einfach +273,15+ 273,15 rechnen).
  2. Entropie umrechnen: Teile den Wert der Entropie (ΔrS\Delta_r S^\circ) durch 1000, um von J/K auf kJ/K zu kommen.
  3. In die Gleichung einsetzen: Setze alle Werte in die Gibbs-Helmholtz-Gleichung ein und berechne das Ergebnis: ΔrG=ΔrHTΔrS\Delta_r G = \Delta_r H^\circ - T \cdot \Delta_r S^\circ

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Für die Reaktion H2(g)+Cl2(g)2 HCl(g)\text{H}_2\text{(g)} + \text{Cl}_2\text{(g)} \to 2 \text{ HCl(g)} wurden folgende Standardwerte berechnet:

ΔrH=184 kJ\Delta_r H^\circ = -184 \text{ kJ}

ΔrS=20 J/K\Delta_r S^\circ = 20 \text{ J/K}

Berechne die freie Reaktionsenthalpie ΔrG\Delta_r G bei einer Temperatur von 25C25 ^\circ\text{C} (298 K298 \text{ K}) mithilfe der Gibbs-Helmholtz-Gleichung.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Temperatur prüfen

    Die Temperatur ist bereits in Kelvin gegeben: T=298 KT = 298 \text{ K}.

  2. Schritt 2
    Entropie umrechnen

    Wir müssen die Entropie von Joule in Kilojoule umrechnen:

    ΔrS=20 J/K1000=0,020 kJ/K\Delta_r S^\circ = \frac{20 \text{ J/K}}{1000} = 0,020 \text{ kJ/K}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    In die Gleichung einsetzen

    ΔrG=ΔrHTΔrS\Delta_r G = \Delta_r H^\circ - T \cdot \Delta_r S^\circ

    =184 kJ298 K0,020 kJ/K= -184 \text{ kJ} - 298 \text{ K} \cdot 0,020 \text{ kJ/K}

    =184 kJ5,96 kJ= -184 \text{ kJ} - 5,96 \text{ kJ}

    =189,96 kJ= -189,96 \text{ kJ}

Ergebnis:

Das Ergebnis ist negativ, die Reaktion ist also auch bei dieser Temperatur freiwillig.


Wichtige Erkenntnisse

  • ΔrG\Delta_r G^\circ berechnet man immer mit der Regel: „Produkte minus Edukte“.

  • Reine Elemente haben immer eine Standard-Bildungsenthalpie von 0 kJ/mol0 \text{ kJ/mol}.

  • Gibbs-Helmholtz-Gleichung: ΔrG=ΔrHTΔrS\Delta_r G = \Delta_r H - T \cdot \Delta_r S.

  • Wichtig: Die Entropie (ΔS\Delta S) vor dem Rechnen immer von J in kJ umrechnen (durch 1000 teilen)!

Stell deine eigene Aufgabe zu „Berechnung der freien Reaktionsenthalpie einfach erklärt

Aufgabe eintippen oder fotografieren – der KI-Tutor löst sie Schritt für Schritt und erklärt dir jeden Rechenweg.

Aufgabe lösen lassen

Häufige Fragen

Was ist die freie Reaktionsenthalpie?

Die freie Reaktionsenthalpie (auch Gibbs-Energie genannt) gibt an, ob eine chemische Reaktion unter bestimmten Bedingungen freiwillig abläuft. Ist der berechnete Wert negativ, läuft die Reaktion spontan ab. Ist er positiv, benötigt sie Energiezufuhr.

Wie berechnet man die freie Standard-Reaktionsenthalpie?

Du berechnest sie, indem du die Summe der Standard-Bildungsenthalpien der Produkte nimmst und davon die Summe der Edukte abziehst (Endzustand minus Anfangszustand). Reine Elemente haben dabei immer einen Wert von 0 kJ/mol.

Was ist die Gibbs-Helmholtz-Gleichung?

Die Gibbs-Helmholtz-Gleichung lautet ΔG = ΔH − T · ΔS. Sie wird genutzt, um die freie Reaktionsenthalpie bei beliebigen Temperaturen zu berechnen, indem man die Enthalpie (Wärmeenergie) und Entropie (Unordnung) kombiniert.

Warum muss man bei der Gibbs-Helmholtz-Gleichung auf die Einheiten achten?

Ein häufiger Fehler in Klausuren ist, dass die Enthalpie meist in Kilojoule (kJ), die Entropie aber in Joule (J) angegeben wird. Du musst die Entropie vor dem Rechnen immer durch 1000 teilen, um sie in kJ umzurechnen, bevor du sie in die Formel einsetzt.

Als Nächstes lernen

Passende Themen rund um Berechnung der freien Reaktionsenthalpie, die dein Wissen vertiefen.

Weiter lernen

Chemie nach Klassen:Klasse 5Klasse 6Klasse 7Klasse 8Klasse 9Klasse 10Klasse 11Klasse 12Klasse 13Alle Chemie-Themen

4.62 / 5.0 · 100.000+ Schüler verbessern bereits ihre Noten mit uns

Schneller zu besseren Mathe-Noten — starte heute kostenlos.

Kostenlos testen. Keine Kreditkarte. In wenigen Klicks bist du dabei.