Berechnung der freien Reaktionsenthalpie einfach erklärt
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Stell dir vor, du lässt ein Fahrrad im Regen stehen – es rostet ganz von alleine. Aber ein goldener Ring bleibt für immer glänzend. Warum passieren manche chemische Reaktionen ganz spontan und andere gar nicht?

Die Antwort liefert uns die Berechnung der freien Reaktionsenthalpie. In diesem Artikel lernen wir, wie man mit einfachen Tabellenwerten genau berechnet, ob eine Reaktion freiwillig abläuft oder nicht – und das nicht nur bei Raumtemperatur, sondern auch im heißen Motor oder im eiskalten Weltall!
Vorwissen
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Standardbedingungen: In der Chemie vergleichen wir Werte oft bei festgelegten Bedingungen: () und Druck.
Beispiel: Tabellenwerte im Buch beziehen sich fast immer auf diese Standardbedingungen.
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Enthalpie () und Entropie (): Die Enthalpie beschreibt die Wärmeenergie einer Reaktion, die Entropie das „Chaos“ oder die Unordnung der Teilchen.
Beispiel: Beim Schmelzen von Eis nimmt das Chaos (die Entropie) zu.
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Hess'scher Wärmesatz: Um die Energieänderung einer Reaktion zu berechnen, rechnet man immer „Endzustand minus Anfangszustand“.
Beispiel: Man zieht die Energiewerte der Ausgangsstoffe von den Energiewerten der Endprodukte ab.
Aufgabentyp 1: Die freie Standard-Reaktionsenthalpie berechnen
Wenn wir wissen wollen, ob eine Reaktion bei Raumtemperatur () freiwillig abläuft, berechnen wir die freie Standard-Reaktionsenthalpie (). Das kleine „Kreis“-Symbol () bedeutet, dass wir uns unter Standardbedingungen befinden.
Um diesen Wert zu berechnen, nutzen wir eine Tabelle aus dem Chemiebuch. Dort stehen die sogenannten freien Standard-Bildungsenthalpien () für viele Stoffe. Das ist die Energie, die frei wird oder benötigt wird, um einen Stoff aus seinen reinen Elementen herzustellen.
Eine ganz wichtige Regel dabei: Reine Elemente in ihrer stabilsten Form (wie -Gas oder festes Eisen) haben immer einen Wert von genau . Sie sind quasi unser Nullpunkt.

Die Berechnung ist dann ganz einfach: Wir zählen die Energiewerte aller Produkte (das, was entsteht) zusammen und ziehen davon die Energiewerte aller Edukte (die Ausgangsstoffe) ab. Wenn in der Reaktionsgleichung eine Zahl vor dem Stoff steht (z. B. ), müssen wir den Tabellenwert mit dieser Zahl multiplizieren.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Edukte und Produkte identifizieren: Markiere, welche Stoffe links vom Pfeil stehen (Edukte) und welche rechts stehen (Produkte).
- Werte aus der Tabelle ablesen: Suche die Werte für im Buch. Denke daran: Reine Elemente sind immer .
- In die Formel einsetzen: Multipliziere die Tabellenwerte mit den Zahlen aus der Reaktionsgleichung und setze sie in diese Formel ein:
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Berechne die freie Standard-Reaktionsenthalpie für die Verbrennung von Kohlenstoffmonoxid zu Kohlenstoffdioxid:
Gegebene Tabellenwerte: , .
- Schritt 1Edukte und Produkte identifizieren
- Schritt 2Werte aus der Tabelle ablesen
Für (ein reines Element) ist der Wert . Die anderen Werte sind gegeben.
- Schritt 3 · ErgebnisIn die Formel einsetzen
Da das Ergebnis negativ ist, läuft die Reaktion unter Standardbedingungen freiwillig ab.
Aufgabentyp 2: Die Gibbs-Helmholtz-Gleichung für jede Temperatur
Die Tabellenwerte aus dem Buch gelten nur für genau (). Aber was ist, wenn eine Reaktion in einem heißen Ofen bei stattfindet? Hier hilft uns die Gibbs-Helmholtz-Gleichung:
Da wir meist keine fertigen Tabellen für jede beliebige Temperatur haben, nutzen wir einen Trick: Wir nehmen einfach die Standardwerte für die Enthalpie () und die Entropie () aus der Tabelle. Diese verändern sich bei anderen Temperaturen nämlich kaum, solange nichts schmilzt oder verdampft.
⚠️ Die große Einheiten-Falle!
Hier machen die meisten Schüler in der Klausur einen Fehler:
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Die Enthalpie () und die freie Enthalpie () werden in Kilojoule (kJ) angegeben.
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Die Entropie () wird in der Tabelle aber fast immer in Joule (J) angegeben!

Bevor du rechnest, musst du die Entropie in Kilojoule umrechnen, indem du durch 1000 teilst:
Außerdem muss die Temperatur () immer in Kelvin (K) in die Formel eingesetzt werden.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Temperatur prüfen: Rechne die Temperatur in Kelvin um, falls sie in gegeben ist (einfach rechnen).
- Entropie umrechnen: Teile den Wert der Entropie () durch 1000, um von J/K auf kJ/K zu kommen.
- In die Gleichung einsetzen: Setze alle Werte in die Gibbs-Helmholtz-Gleichung ein und berechne das Ergebnis:
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Für die Reaktion wurden folgende Standardwerte berechnet:
Berechne die freie Reaktionsenthalpie bei einer Temperatur von () mithilfe der Gibbs-Helmholtz-Gleichung.
- Schritt 1Temperatur prüfen
Die Temperatur ist bereits in Kelvin gegeben: .
- Schritt 2Entropie umrechnen
Wir müssen die Entropie von Joule in Kilojoule umrechnen:
- Schritt 3 · ErgebnisIn die Gleichung einsetzen
Das Ergebnis ist negativ, die Reaktion ist also auch bei dieser Temperatur freiwillig.
Wichtige Erkenntnisse
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berechnet man immer mit der Regel: „Produkte minus Edukte“.
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Reine Elemente haben immer eine Standard-Bildungsenthalpie von .
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Gibbs-Helmholtz-Gleichung: .
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Wichtig: Die Entropie () vor dem Rechnen immer von J in kJ umrechnen (durch 1000 teilen)!
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Häufige Fragen
Was ist die freie Reaktionsenthalpie?
Die freie Reaktionsenthalpie (auch Gibbs-Energie genannt) gibt an, ob eine chemische Reaktion unter bestimmten Bedingungen freiwillig abläuft. Ist der berechnete Wert negativ, läuft die Reaktion spontan ab. Ist er positiv, benötigt sie Energiezufuhr.
Wie berechnet man die freie Standard-Reaktionsenthalpie?
Du berechnest sie, indem du die Summe der Standard-Bildungsenthalpien der Produkte nimmst und davon die Summe der Edukte abziehst (Endzustand minus Anfangszustand). Reine Elemente haben dabei immer einen Wert von 0 kJ/mol.
Was ist die Gibbs-Helmholtz-Gleichung?
Die Gibbs-Helmholtz-Gleichung lautet ΔG = ΔH − T · ΔS. Sie wird genutzt, um die freie Reaktionsenthalpie bei beliebigen Temperaturen zu berechnen, indem man die Enthalpie (Wärmeenergie) und Entropie (Unordnung) kombiniert.
Warum muss man bei der Gibbs-Helmholtz-Gleichung auf die Einheiten achten?
Ein häufiger Fehler in Klausuren ist, dass die Enthalpie meist in Kilojoule (kJ), die Entropie aber in Joule (J) angegeben wird. Du musst die Entropie vor dem Rechnen immer durch 1000 teilen, um sie in kJ umzurechnen, bevor du sie in die Formel einsetzt.
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