Analytische Methoden zum Nachweis von Kohlenhydraten: Tests

Lerne die wichtigsten analytischen Methoden zum Nachweis von Kohlenhydraten kennen: GOD-Test, Fehling-Probe und Seliwanow-Probe einfach und verständlich erklärt.

📅 Aktualisiert 5. September 20266 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Analytische Methoden zum Nachweis von Kohlenhydraten: Tests

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Stell dir vor, ein Arzt muss schnell herausfinden, ob ein Patient an Diabetes leidet. Früher mussten Ärzte den Urin der Patienten tatsächlich probieren, um festzustellen, ob er süß schmeckt! Heute reicht ein einfacher kleiner Teststreifen aus Papier, der sich innerhalb von Sekunden verfärbt, wenn Zucker vorhanden ist.

Teststreifen für Urinuntersuchung
Teststreifen für Urinuntersuchung

Aber woher weiß dieser Streifen, dass genau Glucose im Urin ist und nicht irgendein anderer Stoff? Wenn wir uns analytische Methoden zum Nachweis von Kohlenhydraten ansehen, lernst du die cleveren chemischen und enzymatischen Tricks kennen, mit denen Chemiker verschiedene Arten von Kohlenhydraten (Zuckern) aufspüren, unterscheiden und sichtbar machen können.

Vorwissen

  • Redoxreaktionen: Reaktionen, bei denen Elektronen übertragen werden. Oxidation bedeutet Elektronenabgabe, Reduktion bedeutet Elektronenaufnahme.

    Beispiel: Ein Metallion wie Cu2+\text{Cu}^{2+} nimmt Elektronen auf und wird reduziert.

  • Aldehyde und Ketone: Funktionelle Gruppen in Zuckern. Aldosen (wie Glucose) haben eine Aldehydgruppe am Ende des Moleküls. Ketosen (wie Fructose) haben eine Ketogruppe im Inneren des Moleküls.

    Beispiel: Glucose ist eine Aldohexose, Fructose ist eine Ketohexose.

Aufgabentyp 1: Der enzymatische Glucosenachweis (GOD-Test)

Manchmal reicht es nicht zu wissen, ob irgendein Zucker vorhanden ist. Man muss genau wissen, ob Glucose da ist (z. B. im Blut oder Urin). Dafür nutzt man den Glucotest (GOD-Test). Dieser Test ist hochspezifisch: Er reagiert nur auf α\alpha-D-Glucose und ignoriert alle anderen Stoffe.

Der Test funktioniert wie eine kleine Fabrik in zwei Schritten, bei der zwei Enzyme (biologische Werkzeuge) zusammenarbeiten:

Schritt 1: Die Oxidation der Glucose Das erste Enzym heißt Glucose-Oxidase (GOD). Es schnappt sich gezielt die Glucose und oxidiert sie zu einem ringförmigen Ester namens D-Gluconolacton. Dabei wird Wasserstoff auf Sauerstoff übertragen, und es entsteht Wasserstoffperoxid (H2O2\text{H}_2\text{O}_2).

Schritt 2: Die Farbreaktion Nun kommt das zweite Enzym ins Spiel: die Peroxidase. Sie nutzt das frisch hergestellte Wasserstoffperoxid, um einen farblosen Indikator (einen sogenannten Leukofarbstoff) auf dem Teststreifen zu oxidieren. Durch diese Oxidation verwandelt sich der farblose Stoff in einen blauen Farbstoff.

Reaktionsgleichung des GOD-Tests
Reaktionsgleichung des GOD-Tests

Da das Trägerpapier des Teststreifens oft gelb ist, mischt sich das Gelb mit dem blauen Farbstoff zu einer grünen Farbe. Je mehr Glucose in der Probe war, desto mehr Wasserstoffperoxid entsteht und desto intensiver wird das Grün. So kann man die Glucosekonzentration sogar abschätzen!

Aufgabentyp 2: Allgemeine Nachweise für reduzierende Zucker

Viele Zucker, wie Glucose oder Maltose, besitzen eine freie Aldehydgruppe (oder können in Lösung eine bilden). Diese Aldehydgruppe ist ein gutes Reduktionsmittel: Sie gibt gerne Elektronen ab und wird dabei selbst zu einer Carbonsäure oxidiert. Zucker, die das können, nennt man reduzierende Zucker.

Um diese Zucker nachzuweisen, nutzt man Metallsalze, die ihre Farbe ändern, wenn sie Elektronen aufnehmen (reduziert werden). Es gibt drei berühmte Standardtests, die alle nach dem gleichen Prinzip funktionieren und bei denen die Lösung auf ca. 80 °C erhitzt werden muss:

  • Die Fehling-Probe: Man mischt Fehling I (hellblaue Kupfersulfat-Lösung) und Fehling II (alkalische Lösung). Gibt man einen reduzierenden Zucker dazu und erhitzt, nehmen die blauen Kupfer(II)-Ionen Elektronen auf. Es bildet sich ein ziegelroter Niederschlag aus Kupfer(I)-oxid (Cu2O\text{Cu}_2\text{O}).

  • Die Benedict-Probe: Funktioniert fast identisch zur Fehling-Probe, nutzt aber eine etwas mildere alkalische Lösung (mit Natriumcitrat und Natriumcarbonat). Auch hier ist ein ziegelroter Niederschlag das positive Ergebnis.

  • Die Tollens-Probe (Silberspiegelprobe): Hier verwendet man eine ammoniakalische Silbernitratlösung. Der reduzierende Zucker gibt Elektronen an die Silberionen (Ag+\text{Ag}^+) ab. Diese werden zu elementarem Silber (Ag\text{Ag}) reduziert, das sich als wunderschöner, glänzender Silberspiegel an der Glaswand des Reagenzglases absetzt.

Reagenzgläser mit positiven Nachweisen
Reagenzgläser mit positiven Nachweisen

Aufgabentyp 3: Die Fehling-Probe in der Praxis

Ziel: Nachweis der reduzierenden Wirkung von Glucose durch einen sichtbaren Farbumschlag.

Materialien: Fehling-Lösung I, Fehling-Lösung II, verdünnte Glucoselösung, Reagenzglas, Wasserbad (Becherglas mit heißem Wasser), Heizplatte.

⚠️ Sicherheitshinweis: Fehling-Lösungen sind stark ätzend und umweltgefährdend (Schwermetalle). Schutzbrille tragen! Vorsicht beim Umgang mit dem heißen Wasserbad.

Durchführung:

  1. Gib jeweils 2 mL Fehling I und 2 mL Fehling II in ein Reagenzglas und mische sie gut.

  2. Füge 2 mL der Glucoselösung hinzu.

  3. Stelle das Reagenzglas in das heiße Wasserbad (ca. 80 °C) und warte einige Minuten.

Ablauf der Fehling-Probe
Ablauf der Fehling-Probe

Beobachtung: Die anfangs tiefblaue Lösung verfärbt sich beim Erhitzen zunächst grünlich, dann gelb und schließlich bildet sich ein trüber, ziegelroter Niederschlag am Boden des Glases.

Erklärung: Die blauen Kupfer(II)-Ionen wurden durch die Aldehydgruppe der Glucose zu rotem Kupfer(I)-oxid reduziert. Die Glucose selbst wurde dabei oxidiert.

Aufgabentyp 4: Unterscheidung von Aldosen und Ketosen (Seliwanow-Probe)

Was passiert, wenn wir zwei Zucker haben, die beide reduzierend wirken, wie zum Beispiel Glucose (eine Aldose) und Fructose (eine Ketose)? Hier hilft die Seliwanow-Probe. Sie ist ein Spezialtest, um Ketosen von Aldosen zu unterscheiden.

Das Seliwanow-Reagenz besteht aus einem Stoff namens Resorcin, der in verdünnter Salzsäure gelöst ist. Der Test nutzt eine Schwäche der Ketosen aus: Sie sind in heißer Säure viel instabiler als Aldosen.

Der Mechanismus: Wenn man Fructose (eine Ketose) mit dem Reagenz erhitzt, spaltet das Fructofuranose-Molekül sehr schnell drei Wassermoleküle ab. Diesen Vorgang nennt man Dehydratisierung.

Das Molekül, das nach dem Wasserverlust übrig bleibt, heißt 5-Hydroxymethylfurfural.

Reaktionsgleichung der Seliwanow-Probe
Reaktionsgleichung der Seliwanow-Probe

Dieses 5-Hydroxymethylfurfural reagiert nun sofort mit dem Resorcin aus dem Reagenz und dem Luftsauerstoff. Dabei entsteht ein tief roter Farbstoff.

Aldosen wie Glucose reagieren unter diesen Bedingungen gar nicht oder nur extrem langsam (erst nach langem Kochen entsteht eine schwache Rosafärbung). Ein schneller Farbumschlag nach Rot beweist also eindeutig: Es handelt sich um eine Ketose wie Fructose!

Aufgabentyp 5: Einen unbekannten Zucker identifizieren

Wenn du in einer Prüfung herausfinden musst, um welchen Zucker es sich handelt, gehe logisch vor. Hier ist das Vorgehen, um analytische Methoden zum Nachweis von Kohlenhydraten systematisch anzuwenden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Prüfe auf reduzierende Zucker: Führe die Fehling- oder Benedict-Probe durch.
  2. Prüfe spezifisch auf Glucose: Nutze den GOD-Teststreifen.
  3. Unterscheide Aldosen und Ketosen: Führe die Seliwanow-Probe durch.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Du erhältst im Labor eine unbekannte, farblose Zuckerlösung (Zucker X). Du führst drei Tests durch und notierst folgende Beobachtungen:

  1. Fehling-Probe: Nach dem Erhitzen bildet sich ein ziegelroter Niederschlag.
  2. GOD-Test: Der Teststreifen zeigt keine Farbveränderung.
  3. Seliwanow-Probe: Nach kurzem Erhitzen färbt sich die Lösung tiefrot.

Um welchen Zucker könnte es sich bei Zucker X handeln? Begründe deine Antwort Schritt für Schritt.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Auswertung der Fehling-Probe

    Der ziegelrote Niederschlag zeigt, dass Zucker X ein reduzierender Zucker ist. Er kann also Elektronen abgeben.

  2. Schritt 2
    Auswertung des GOD-Tests

    Der GOD-Test ist negativ (keine Verfärbung). Da dieser Test hochspezifisch für Glucose ist, wissen wir nun sicher: Zucker X ist keine Glucose.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Auswertung der Seliwanow-Probe

    Die schnelle Rotfärbung beweist, dass Zucker X durch Säure und Hitze zu 5-Hydroxymethylfurfural dehydratisiert wurde. Dies ist der eindeutige Nachweis für eine Ketose.

Ergebnis:

Da Zucker X reduzierend wirkt, keine Glucose ist und eine Ketose ist, handelt es sich bei Zucker X sehr wahrscheinlich um Fructose.


Wichtige Erkenntnisse

  • GOD-Test: Hochspezifisch für Glucose. Zwei Enzyme (Glucose-Oxidase und Peroxidase) erzeugen über Wasserstoffperoxid einen grünen/blauen Farbstoff.

  • Fehling / Benedict / Tollens: Allgemeine Nachweise für reduzierende Zucker (Aldehyde). Positives Ergebnis: Ziegelroter Niederschlag (Fehling/Benedict) oder Silberspiegel (Tollens).

  • Seliwanow-Probe: Unterscheidet Ketosen von Aldosen. Ketosen (wie Fructose) spalten Wasser ab und reagieren schnell zu einem roten Farbstoff.

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Häufige Fragen

Was sind analytische Methoden zum Nachweis von Kohlenhydraten?

Analytische Methoden zum Nachweis von Kohlenhydraten sind chemische und enzymatische Verfahren, um verschiedene Zuckerarten zu identifizieren. Dazu gehören allgemeine Tests für reduzierende Zucker wie die Fehling-Probe, aber auch hochspezifische Verfahren wie der GOD-Test für Glucose. Sie werden im Labor oder in der Medizin eingesetzt, beispielsweise um den Blutzuckerspiegel zu bestimmen.

Wie funktioniert die Fehling-Probe?

Bei der Fehling-Probe mischst du eine hellblaue Kupfersulfat-Lösung mit einer alkalischen Lösung und gibst den Zucker hinzu. Wenn du das Gemisch erhitzt und ein reduzierender Zucker vorhanden ist, geben dessen Aldehydgruppen Elektronen an die Kupfer(II)-Ionen ab. Dadurch entsteht ein gut sichtbarer, ziegelroter Niederschlag aus Kupfer(I)-oxid. Dieser Farbumschlag ist der positive Nachweis.

Was ist der Unterschied zwischen Aldosen und Ketosen in der Seliwanow-Probe?

Die Seliwanow-Probe nutzt aus, dass Ketosen (wie Fructose) in heißer Säure viel instabiler sind als Aldosen (wie Glucose). Erhitzt man eine Ketose mit dem Seliwanow-Reagenz, spaltet sie schnell Wasser ab und reagiert zu einem tiefroten Farbstoff. Aldosen reagieren unter diesen Bedingungen gar nicht oder nur extrem langsam. Ein schneller roter Farbumschlag beweist also das Vorliegen einer Ketose.

Warum ist der GOD-Test so spezifisch?

Der GOD-Test (Glucotest) ist so spezifisch, weil er auf Enzymen basiert. Das erste Enzym, die Glucose-Oxidase, reagiert nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip ausschließlich mit α-D-Glucose und ignoriert alle anderen Zucker. Dabei entsteht Wasserstoffperoxid, das in einem zweiten Schritt mit Hilfe der Peroxidase einen Farbstoff oxidiert. So wird sichergestellt, dass der Teststreifen wirklich nur bei Glucose anschlägt.

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