Frequenzabhängige Selektion & Polymorphismus einfach erklärt
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Stell dir vor, du spielst Verstecken im Wald. Fast alle deine Freunde ziehen sich grüne Kleidung an und verstecken sich in den Büschen. Der Sucher merkt schnell: „Aha, ich muss nur in den Büschen nach grünen Dingen suchen!“ Er blendet alles andere aus. Wenn du dich nun als Einziger in einem grauen Pullover auf einen grauen Felsen setzt, wird der Sucher dich wahrscheinlich übersehen, weil er ein völlig anderes „Suchbild“ im Kopf hat.

Genau dieser Trick rettet in der Natur unzähligen Tieren das Leben. In diesem Artikel lernst du, warum es in einer Population oft nicht den einen perfekten Körperbau gibt, sondern warum Vielfalt das beste Rezept zum Überleben ist und wie genetischer Polymorphismus und frequenzabhängige Selektion funktionieren.
Vorwissen
- Phänotyp vs. Genotyp: Der Genotyp ist der unsichtbare genetische Bauplan (die DNA). Der Phänotyp ist das sichtbare Merkmal, das daraus entsteht (z. B. die Augenfarbe oder Gehäusefarbe). Beispiel: Ein Tier hat die Gene für dunkles Fell (Genotyp), also sieht sein Fell dunkel aus (Phänotyp).
- Natürliche Selektion: Individuen, die besser an ihre Umwelt angepasst sind, überleben länger und zeugen mehr Nachkommen. Beispiel: Ein weißer Hase im Schnee wird seltener vom Fuchs gefressen als ein brauner Hase.
Aufgabentyp 1: Polymorphismus und frequenzabhängige Selektion
In der Natur gibt es oft nicht nur ein einziges Aussehen für eine Tierart. Wenn in einer Population viele verschiedene Phänotypen (Erscheinungsbilder) gleichzeitig existieren, nennt man das Polymorphismus (aus dem Griechischen: poly = viele, morph = Form).
Ein berühmtes Beispiel ist die Hainschnirkelschnecke (Cepaea nemoralis). Wenn du diese Schnecken im Wald suchst, findest du helle, gelbe Schnecken und dunkle, braune Schnecken mit verschiedenen Streifenmustern.

Warum setzt sich nicht einfach die „beste“ Farbe durch? Dafür gibt es zwei Hauptgründe:
1. Räumliche und zeitliche Selektion (Temperatur) Die Umwelt ist nicht überall gleich. Dunkle Schneckenhäuser heizen sich in der Sonne viel schneller auf. In kühlen, schattigen Wäldern ist das ein riesiger Vorteil, weil die Schnecke schneller aktiv wird. In heißen, sonnigen Gebieten würden sie jedoch überhitzen. Dort haben die hellen Schnecken einen physikalischen Vorteil, da sie das Sonnenlicht reflektieren. Weil es sowohl Schatten als auch Sonne gibt, überleben beide Varianten.
2. Frequenzabhängige Selektion (Der Räuber-Trick) Der wichtigste Feind der Schnecke ist ein Vogel: die Singdrossel. Vögel sind Gewohnheitstiere. Wenn ein Wald zufällig voller dunkler Schnecken ist, lernt die Drossel, dass diese braunen runden Dinger lecker sind. Sie entwickelt ein sogenanntes Suchbild in ihrem Gehirn. Sie sucht ab sofort nur noch nach braunen Schnecken.

Das ist der Moment, in dem die hellen Schnecken einen massiven Vorteil haben! Weil sie so selten sind, passen sie nicht in das Suchbild des Vogels und werden übersehen.
Das nennt man frequenzabhängige Selektion: Wie fit (erfolgreich) ein Merkmal ist, hängt von seiner Häufigkeit (Frequenz) ab.
- Bist du häufig, wirst du gefressen (Nachteil).
- Bist du selten, wirst du übersehen (Vorteil).
Dadurch vermehren sich die seltenen hellen Schnecken stark. Irgendwann gibt es so viele von ihnen, dass die Drossel ihr Suchbild ändert und nun gezielt gelbe Schnecken jagt. Das Spiel beginnt von vorn, und die Vielfalt (der Polymorphismus) bleibt dauerhaft erhalten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du in einer Aufgabe vorhersagen sollst, wie sich die Anzahl verschiedener Phänotypen durch einen Räuber verändert, nutze diesen Kreislauf:
- Bestimme den häufigsten Phänotyp: Lies im Text ab, welches Merkmal in der aktuellen Generation am häufigsten vorkommt.
- Passe das Suchbild an: Notiere, dass der Räuber ein Suchbild für den häufigsten Phänotyp entwickelt.
- Ordne den Überlebensvorteil zu: Erkläre, dass der seltene Phänotyp ignoriert wird, sich fortpflanzt und in der nächsten Generation häufiger wird.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
In einem isolierten Waldstück besteht eine Population der Hainschnirkelschnecke zu 85% aus gelben Schnecken und zu 15% aus braunen Schnecken. Eine Gruppe von Singdrosseln wandert in diesen Wald ein. Erkläre schrittweise, wie sich das Verhältnis der Schneckenfarben in den nächsten Generationen verändern wird und benenne den zugrundeliegenden evolutionären Mechanismus.
- Schritt 1Den häufigsten Phänotyp bestimmen
Die gelben Schnecken sind mit 85% deutlich in der Überzahl. Sie sind der häufigste Phänotyp.
- Schritt 2Das Suchbild des Räubers anpassen
Da die Singdrosseln fast überall gelbe Schnecken sehen, entwickeln sie ein Suchbild für die Farbe Gelb. Sie jagen nun gezielt nach gelben Schnecken.
- Schritt 3 · ErgebnisDen Überlebensvorteil zuordnen
Die braunen Schnecken (15%) passen nicht in das Suchbild der Vögel. Sie werden seltener gefressen, überleben länger und können mehr Nachkommen zeugen.
In den nächsten Generationen wird der Anteil der braunen Schnecken stark ansteigen, während der Anteil der gelben Schnecken sinkt. Sobald die braunen Schnecken in der Überzahl sind, werden die Drosseln ihr Suchbild auf Braun ändern. Dieser ständige Wechsel wird als frequenzabhängige Selektion bezeichnet.
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Quizfrage 1 zu Frequenzabhängige Selektion & Polymorphismus
Was beschreibt der Begriff Phänotyp in der Biologie?
Quizfrage 2 zu Frequenzabhängige Selektion & Polymorphismus
Nur mit AccountWas bedeutet der Begriff Polymorphismus in einer Population?
Übungsaufgabe zu Frequenzabhängige Selektion & Polymorphismus
Nur mit AccountWichtige Erkenntnisse
- Polymorphismus: Das gleichzeitige Vorkommen von vielen verschiedenen Erscheinungsbildern (Phänotypen) innerhalb einer Art.
- Räumliche/Zeitliche Selektion: Unterschiedliche Umweltbedingungen (wie Sonne und Schatten) fördern unterschiedliche Merkmale.
- Frequenzabhängige Selektion: Die Fitness eines Merkmals hängt davon ab, wie oft es vorkommt.
- Die goldene Regel: Selten zu sein ist ein Vorteil! Räuber jagen meist die häufigste Beute (Suchbild), wodurch die seltenen Varianten überleben und die Vielfalt erhalten bleibt.
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Häufige Fragen
Was ist genetischer Polymorphismus?
Genetischer Polymorphismus beschreibt das gleichzeitige Vorkommen von vielen verschiedenen Erscheinungsbildern (Phänotypen) innerhalb einer Art. Ein bekanntes Beispiel sind die unterschiedlichen Gehäusefarben und Muster der Hainschnirkelschnecke.
Was bedeutet frequenzabhängige Selektion?
Bei der frequenzabhängigen Selektion hängt der evolutionäre Erfolg (die Fitness) eines Merkmals davon ab, wie häufig es in einer Population vorkommt. Oft haben seltene Merkmale einen Vorteil, da Fressfeinde ein Suchbild für die häufigste Beute entwickeln.
Warum ist es in der Natur oft ein Vorteil, selten zu sein?
Räuber wie Vögel sind Gewohnheitstiere und entwickeln ein Suchbild für die Beute, die sie am häufigsten sehen. Wenn du ein seltenes Merkmal hast, fällst du aus diesem Suchbild heraus und wirst übersehen. Dadurch überleben seltene Varianten besser und können sich vermehren.
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