Entdeckung der DNA als Erbsubstanz einfach erklärt: Griffith

Wie wurde die DNA als Erbsubstanz entdeckt? Lerne alles über die bahnbrechenden Experimente von Griffith und Avery zur Transformation von Bakterien.

📅 Aktualisiert 9. September 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Entdeckung der DNA als Erbsubstanz einfach erklärt: Griffith

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Student thinking

Stell dir vor, du findest den kompletten Bauplan für ein Lebewesen, aber er ist in einer geheimen chemischen Sprache geschrieben. Genau vor diesem Rätsel standen Wissenschaftler zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wissenschaftler untersuchen DNA
Wissenschaftler untersuchen DNA

Man wusste bereits, dass Eigenschaften von Generation zu Generation weitergegeben werden, aber niemand wusste, welches Molekül in unseren Zellen diese gigantische Menge an Informationen speichert. In diesem Artikel reisen wir in die Vergangenheit und schauen uns die genialen Experimente an, die das größte Geheimnis der Biologie gelöst haben: die Entdeckung der DNA als Erbsubstanz und Träger unserer Erbinformation.

Vorwissen

  • Zellkern: Die Steuerzentrale einer Zelle, in der sich das genetische Material befindet. Beispiel: Wenn eine Zelle sich teilt, wird der Inhalt des Zellkerns kopiert und weitergegeben.
  • Proteine (Eiweiße): Sehr komplexe und vielfältige Moleküle, die fast alle aktiven Aufgaben in der Zelle übernehmen. Beispiel: Enzyme, die Nahrung verdauen, oder Antikörper, die Krankheiten bekämpfen, sind Proteine.
  • Nucleinsäuren: Eine andere Art von Molekülen im Zellkern, zu denen die DNA und die RNA gehören. Beispiel: Sie bestehen aus Zucker, Phosphat und sogenannten stickstoffhaltigen Basen.

Aufgabentyp 1: Ausschluss-Experimente auswerten

Um die Entdeckung der DNA als Erbsubstanz zu verstehen, müssen wir uns die historischen Experimente genau ansehen. Vor den 1950er Jahren waren sich die Wissenschaftler einig: Das Erbgut muss aus Proteinen bestehen. Warum dachten sie das?

Lebewesen sind unglaublich komplex. Daher nahm man logischerweise an, dass das Molekül, das all diese Baupläne speichert, ebenfalls riesig, vielfältig und komplex sein muss. Proteine passten perfekt auf diese Beschreibung, da sie in unzähligen verschiedenen Formen in der Zelle vorkommen.

Vergleich Proteine und DNA
Vergleich Proteine und DNA

Die Nucleinsäuren (wie die DNA) hingegen hielt man für viel zu simpel. Man wusste damals nur, dass die DNA aus Phosphat, einem Zucker und ein paar stickstoffhaltigen Basen besteht. Sie sah aus wie eine langweilige, sich immer wiederholende Kette. Die Forscher konnten sich einfach nicht vorstellen, dass ein so einfaches Molekül die komplizierten Merkmale des Lebens steuern könnte.

Griffiths Entdeckung der Transformation

In den 1920er Jahren untersuchte der Arzt Frederick Griffith Bakterien, die Lungenentzündungen auslösen (Streptococcus pneumoniae). Er arbeitete mit zwei verschiedenen Varianten (Stämmen) dieser Bakterien:

  • Der S-Stamm (smooth / glatt): Diese Bakterien besitzen eine schützende Kapsel aus Kohlenhydraten. Diese Kapsel wirkt wie ein Tarnumhang. Das Immunsystem erkennt sie nicht, weshalb sie hochgradig ansteckend und tödlich (pathogen) sind.
  • Der R-Stamm (rough / rau): Diesen Bakterien fehlt die Kapsel. Ihre Oberfläche ist rau. Das Immunsystem erkennt sie sofort und zerstört sie. Sie sind völlig harmlos.
S-Stamm und R-Stamm Bakterien
S-Stamm und R-Stamm Bakterien

Griffith entdeckte dabei einen unglaublichen Vorgang, den er Transformation nannte. Transformation bedeutet, dass lebende Bakterien genetisches Material aus ihrer Umgebung (z. B. von toten Bakterien) aufnehmen und dadurch plötzlich neue Eigenschaften entwickeln. Es gab also einen mysteriösen transformierenden Faktor, der von Zelle zu Zelle wandern konnte.

Das Griffith-Experiment mit Mäusen

Zweck: Herausfinden, ob Eigenschaften von abgetöteten Bakterien auf lebende Bakterien übertragen werden können.

Materialien: Labormäuse, Spritzen, lebende S-Bakterien, lebende R-Bakterien, Hitzequelle zum Abtöten von Bakterien.

⚠️ Sicherheitshinweis: Das Arbeiten mit krankheitserregenden (pathogenen) Bakterien darf nur unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in einem Speziallabor erfolgen.

Durchführung & Beobachtung:

  1. Injiziere lebende S-Bakterien in eine Maus. Beobachtung: Die Maus stirbt.
  2. Injiziere lebende R-Bakterien in eine Maus. Beobachtung: Die Maus bleibt gesund.
  3. Erhitze S-Bakterien, bis sie tot sind, und injiziere sie. Beobachtung: Die Maus bleibt gesund.
  4. Mische tote S-Bakterien mit lebenden R-Bakterien und injiziere die Mischung. Beobachtung: Die Maus stirbt! Im Blut der toten Maus findet man plötzlich wieder lebende, gefährliche S-Bakterien.
Griffith Experiment mit Mäusen
Griffith Experiment mit Mäusen

Erklärung: Die toten S-Bakterien konnten die Maus nicht töten. Aber sie haben ihren Bauplan für die schützende Kapsel (den transformierenden Faktor) in die Umgebung freigesetzt. Die lebenden, harmlosen R-Bakterien haben diesen Bauplan aufgenommen, sich selbst eine Kapsel gebaut und sich so in tödliche S-Bakterien verwandelt.

Averys Beweis: Die chemische Schere

Griffith wusste nun, dass es einen transformierenden Faktor gibt, aber er wusste nicht, woraus er bestand. 1944 löste Oswald Avery dieses Rätsel mit einem brillanten Ausschlussverfahren.

Avery stellte einen flüssigen Extrakt aus toten S-Bakterien her. Um herauszufinden, welcher Stoff darin die Information überträgt, nutzte er spezifische Enzyme. Enzyme wirken wie chemische Scheren, die gezielt nur eine einzige Art von Molekül zerstören:

  • Protease: Zerstört nur Proteine.
  • Ribonuclease (RNase): Zerstört nur RNA.
  • Desoxyribonuclease (DNase): Zerstört nur DNA.

Er mischte den Extrakt jeweils mit lebenden R-Bakterien und beobachtete, ob die Transformation noch stattfand:

  • Kontrollgruppe (kein Enzym): Alles bleibt intakt. Die Transformation findet statt. Das beweist, dass der Extrakt grundsätzlich funktioniert.
  • Zugabe von Protease: Proteine sind zerstört, DNA ist intakt. Ergebnis: Transformation findet statt! Proteine sind also nicht das Erbgut.
  • Zugabe von RNase: RNA ist zerstört, DNA ist intakt. Ergebnis: Transformation findet statt!
  • Zugabe von DNase: DNA ist zerstört. Ergebnis: Keine Transformation! Es bleiben nur harmlose R-Bakterien übrig.
Avery Experiment mit Enzymen
Avery Experiment mit Enzymen

Fazit: Nur wenn die DNA zerstört wird, stoppt die Informationsübertragung. Damit war eindeutig bewiesen: Die DNA ist der transformierende Faktor und somit die chemische Basis unserer Gene!

Schritt-für-Schritt-Anleitung

In Klausuren wird oft gefragt, was passiert, wenn man bestimmte Stoffe in einem Experiment zerstört. Nutze diesen Plan, um die Lösung sicher abzuleiten:

  1. Identifiziere das Enzym und sein Ziel: Lies genau, welches Enzym hinzugegeben wird (Protease, RNase oder DNase).
  2. Prüfe, ob die DNA noch intakt ist: Kontrolliere, ob die DNA den spezifischen Enzymangriff überlebt hat.
  3. Leite das Ergebnis ab: Ist die DNA intakt, findet die Transformation statt; ist sie zerstört, stoppt die Informationsübertragung.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein Forscher wiederholt Averys Experiment. Er nimmt den Extrakt aus abgetöteten S-Bakterien und gibt das Enzym Protease hinzu. Anschließend mischt er diesen Extrakt mit lebenden R-Bakterien in einem Reagenzglas. Erkläre Schritt für Schritt, ob eine Transformation stattfindet und welche Bakterien am Ende im Reagenzglas zu finden sind.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Identifiziere das Enzym und sein Ziel

    Das hinzugegebene Enzym ist Protease. Protease zerstört ausschließlich Proteine.

  2. Schritt 2
    Prüfe, ob die DNA noch intakt ist

    Da nur Proteine zerstört wurden, bleiben die RNA und vor allem die DNA im Extrakt völlig intakt.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Leite das Ergebnis ab

    Da die DNA als Träger der Erbinformation noch vorhanden ist, findet die Transformation statt. Die lebenden R-Bakterien nehmen die DNA auf. Am Ende befinden sich im Reagenzglas sowohl harmlose R-Bakterien als auch neu entstandene, tödliche S-Bakterien.

Ergebnis:

Die Transformation findet statt. Das macht biologisch Sinn, da Proteine nicht für die Speicherung des Bauplans zuständig sind. Ihr Fehlen verhindert also nicht die Weitergabe der Gene.

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Quizfrage 1 zu Entdeckung der DNA als Erbsubstanz

Warum gingen Wissenschaftler vor den 1950er Jahren davon aus, dass das Erbgut aus Proteinen bestehen muss?

Quizfrage 2 zu Entdeckung der DNA als Erbsubstanz

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Aus welchem Grund sind die S-Bakterien in Griffiths Experiment für die Mäuse tödlich?

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Wichtige Erkenntnisse

  • Der Irrtum: Früher dachte man, Proteine seien das Erbgut, weil sie komplexer erschienen als die DNA.
  • Griffiths Entdeckung: Bakterien können Eigenschaften von toten Artgenossen übernehmen (Transformation).
  • Averys Beweis: Durch den gezielten Einsatz von Enzymen bewies Avery, dass die Transformation nur stoppt, wenn die DNA zerstört wird. DNA ist das Erbgut!

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Häufige Fragen

Was ist die Entdeckung der DNA als Erbsubstanz?

Die Entdeckung der DNA als Erbsubstanz war ein Meilenstein der Biologie. Lange Zeit dachte man, dass Proteine die genetischen Informationen speichern, da sie sehr komplex sind. Erst durch die Experimente von Griffith und Avery konnte eindeutig bewiesen werden, dass die DNA der Träger unserer Erbinformation ist.

Was hat Griffith in seinem Experiment mit Mäusen herausgefunden?

Frederick Griffith entdeckte in den 1920er Jahren die Transformation. Er zeigte, dass harmlose R-Bakterien Eigenschaften von abgetöteten, tödlichen S-Bakterien übernehmen können. Es gab also einen mysteriösen „transformierenden Faktor“, der von toten auf lebende Zellen übertragen wurde und deren Bauplan veränderte.

Wie hat Avery bewiesen, dass die DNA das Erbgut ist?

Oswald Avery nutzte 1944 ein chemisches Ausschlussverfahren. Er behandelte einen Extrakt aus toten S-Bakterien mit verschiedenen Enzymen (Protease, RNase, DNase). Nur wenn er die DNA mit DNase zerstörte, stoppte die Transformation. Damit war bewiesen, dass die DNA der gesuchte transformierende Faktor ist.

Was ist der Unterschied zwischen dem S-Stamm und dem R-Stamm?

Der S-Stamm (smooth) besitzt eine schützende Kapsel, die ihn vor dem Immunsystem tarnt, weshalb er tödlich (pathogen) ist. Dem R-Stamm (rough) fehlt diese Kapsel; seine Oberfläche ist rau. Das Immunsystem erkennt ihn sofort, weshalb er für den Organismus völlig harmlos ist.

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